Preisvorteil von Elektroautos schrumpft – aber nur vorübergehend

Preisvorteil von Elektroautos schrumpft – aber nur vorübergehend
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Iris Martinz
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Die aktuell hohen Strom- und endlich wieder sinkende Spritpreise lassen den Preisvorteil der Elektroautos gegenüber den Verbrennern dahinschmelzen. Doch wird das so bleiben oder ist das nur eine Momentaufnahme? Experten warnen bereits vor einem Einbruch des E-Auto-Marktes. Analysten des Datendienstleisters Dataforce sehen das Elektroauto jedoch auch mittelfristig klar im Vorteil.

Die Stromkosten sind in diesem Jahr aufgrund der Gaskrise in die Höhe geschnellt. Neukunden müssen derzeit oft mehr als 50 Cent pro Kilowattstunde bezahlen. Eine Ladung an der heimischen Wallbox oder Steckdose kommt damit momentan schon fast so teuer wie das Laden an einer Schnellladesäule. Mit einer Senkung der Strompreise können E-Autofahrer kurzfristig nicht rechnen. Gleichzeitig entspannen sich endlich die ebenfalls in lichte Höhen hochgeschossenen Spritpreise an den Tankstellen. Die Kosten für 100 Kilometer Reichweite bewegen sich zwischen E-Autos und Verbrennern daher moment aufeinander zu.

Betrachtet man die Kosten, um 10.000 Kilometer weit zu fahren, so zahlte man im Herbst 2022 dafür mit einem Benziner etwa 1.300 Euro, wie die Analysten vorrechnen. Die gleiche Strecke kostete mit dem Elektroauto nur 800 Euro – ein Preisvorteil von 500 Euro. 2023 wird dieser Vorteil den Experten zufolge auf etwa 250 Euro schrumpfen. Erst wenn der Strompreis auf mehr als 66 Cent pro Kilowattstunde steigt, wäre der Benziner tatsächlich günstiger. Nicht berücksichtigt sind dabei jedoch andere Kostenvorteile wie geringere Steuern oder Wartungskosten, aber auch nicht die zum Teil noch deutlich höheren Anschaffungspreise.

Die Experten des Datendienstleisters Dataforce geben jedoch Entwarnung: mittelfristig werden auch die Strompreise wieder sinken, vor allem, wenn die französischen Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen und die Erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden. Auch eine seitens der EU geplante Umstellung des Handelssystems für den Strom könnte Abhilfe schaffen. Das aktuell angewandte „Merit Order“-System bemisst den Stromhandelspreis jeweils nach dem letzten, und damit teuersten Erzeuger – und das sind momentan die Gaskraftwerke. Benzin hingegen wird sich mittelfristig wieder verteuern, wird der Verkehr doch spätestens 2026 Teil des ETS-Zertifikatshandelssystems. Viele europäische Länder haben außerdem den schrittweisen Aufschlag von CO2-Preisen bereits beschlossen oder umgesetzt.

Vorteile bietet das Elektroauto auch noch in der Antriebs-Effizienz. Während beim Verbrenner keine großen Effizienzsteigerungen mehr zu erwarten sind, ist beim E-Auto noch Luft nach oben. Eine Effizienzsteigerung von etwa 10 Prozent sei allein beim Antrieb noch möglich.

Quelle: welt.de – Stromkosten beim Elektroauto

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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