Wie die eTrucker App Ladekosten im Fernverkehr senkt

Wie die eTrucker App Ladekosten im Fernverkehr senkt
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Volvo Trucks

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

In der aktuellen Podcast-Folge habe ich mit Michael Clarke gesprochen, Co-Gründer von eTrucker. Viele kennen vor allem Tobias Wagner als Gesicht der Marke. Michael steht eher hinter der Produktentwicklung – und genau darüber haben wir intensiv gesprochen. Er bringt viel Erfahrung aus der Elektromobilität mit. Er war unter anderem bei Tesla, Porsche und Nio tätig und hat dort das Thema Laden aus unterschiedlichen Perspektiven begleitet. Mit diesem Hintergrund entwickelt er heute gemeinsam mit seinem Team Lösungen, die Elektromobilität im schweren Straßengüterverkehr wirtschaftlich und praktikabel machen sollen.

Der Ausgangspunkt für eTrucker war ein sehr konkretes Problem: Wo lädt ein elektrischer Lkw im Fernverkehr zuverlässig, sicher und praktikabel? Gerade in der Anfangsphase gab es kaum strukturierte Informationen zur Truck-Tauglichkeit öffentlicher Schnellladestationen. Also haben sie nahezu jede relevante Schnellladestation in Europa bewertet und eine eigene Datenbank aufgebaut. Daraus entstand die eTrucker App – ein Angebot, das speziell auf die Bedürfnisse von Lkw-Fahrern zugeschnitten ist.

E-Lkw: Perfekte Routenplanung existiert in der Realität nicht

Eine zentrale Erkenntnis: Eine perfekte Vorplanung existiert in der Praxis kaum. Verkehr, belegte oder defekte Ladepunkte und Lenkzeiten verändern die Realität permanent. „Jeder Plan, sobald man losfährt, ist im Endeffekt schon veraltet“, so Michael sinngemäß. Deshalb setzt die App auf dynamische Anpassung, realistische Lenkzeitberechnung und eine echte Truck-Routenführung auf Basis von TomTom.

Spannend fand ich auch die spezifischen Filterfunktionen. Während klassische Pkw-Apps nach Ladeleistung oder Steckertyp sortieren, fragt der Lkw-Fahrer: Muss ich abkoppeln? Ist der Standort für eine 45-Minuten-Pause geeignet – oder für eine neun- oder elf-Stunden-Ruhezeit? Genau diese Logik bildet eTrucker ab. Auch Betreiberfilter spielen eine Rolle, um gezielt in Netzen zu laden, bei denen man wirtschaftlich unterwegs ist.

Und damit sind wir beim Kernproblem: den Kosten. Bei Ladevorgängen von auch mehr als 600 Kilowattstunden können falsche Tarife schnell mehr als 100 Euro Unterschied ausmachen. Michael formuliert es klar: Liegt der Preis über rund 40 Cent pro Kilowattstunde, wird es im Vergleich zum Diesel schwierig. Das ist für Flottenbetreiber ein sensibles Thema.

Bilaterale Ladevereinbarungen als beste Option für Flotten und Logistiker

Die Lösung von eTrucker ist bewusst anders gedacht. Statt über klassische Ladekartenmodelle zu gehen, setzen sie auf bilaterale Ladevereinbarungen direkt zwischen Spediteur und Ladestationsbetreiber. „Wir sind da nicht beteiligt“, betont Michael. eTrucker verdient nicht an der Kilowattstunde. Ziel ist es, Zwischenstufen zu vermeiden und so bessere Preise zu ermöglichen.

Um diese unterschiedlichen Vereinbarungen zu bündeln, wurde der eTrucker-Chip entwickelt. Er dient als Authentifizierungsmedium und kann sowohl für öffentliche als auch für halböffentliche Infrastruktur genutzt werden – etwa beim Kunden mit eigener Lademöglichkeit. Die App bleibt kostenlos, ebenso der Chip für Fahrzeuge über 12 Tonnen.

Monetarisiert wird das Modell über den eTrucker Manager – eine Desktop-Lösung für Disponenten. Dort lassen sich Routen planen, Fuhrparks verwalten, Ladevereinbarungen überblicken und Reportings erstellen. Die Abrechnung erfolgt über eine monatliche Grundgebühr, unabhängig von Anzahl und Intensität der Nutzung. Das schafft Planungssicherheit für die Speditionen.

Für die Zukunft plant eTrucker weitere Funktionen, etwa Ausschreibungen von Lade-Kontingenten – zum Beispiel eine halbe Million Kilowattstunden auf einer bestimmten Route, für die Ladestationsbetreiber Angebote abgeben können. Ziel bleibt, wie Michael es formuliert: „Dass jeder Spediteur keine Ausrede hat, einen elektrischen Lkw zu nutzen“. Was bei unserem Gespräch deutlich wurde: eTrucker versteht sich nicht als zusätzlicher Kostentreiber, sondern als Infrastruktur- und Transparenz-Enabler in einem Markt, der sich gerade erst strukturiert. Die Kombination aus Praxisnähe, Datenbasis und klarer Fokussierung auf Wirtschaftlichkeit könnte ein entscheidender Hebel für den Hochlauf elektrischer Lkw sein. Genug der Einordnung – jetzt lasst uns direkt in das Gespräch eintauchen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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