Die Debatte um das sogenannte „Verbrenner-Aus“, das defacto nie eines war, spaltet schon seit einiger Zeit die politische Diskussion im Land. Sie ist industriepolitischer Zündstoff, sozialer Prüfstein und Wahlkampfmunition zugleich. Und genau in diesem Spannungsfeld positioniert sich Cem Özdemir klar: Der Grünen-Spitzenkandidat für die baden-württembergische Landtagswahl will am Ausstieg aus dem fossilen Antrieb festhalten – auch wenn er beim Datum Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Im Interview mit Auto Motor und Sport macht Özdemir deutlich, dass für ihn nicht das Jahr im Vordergrund steht, sondern die Richtung. Der Verbrennungsmotor habe „keine Zukunft“, entscheidend seien Planungssicherheit und Investitionen in Ladeinfrastruktur sowie bezahlbaren Strom. Die Transformation dürfe nicht rückabgewickelt werden – sie müsse gestaltet werden. Die Zukunft gehöre den Elektroautos.
Industriepolitik statt Symboldebatte
Özdemir versucht damit, die Debatte aus der ideologischen Ecke zu holen. Baden-Württemberg ist Heimat von Mercedes-Benz und Porsche, von Hunderten Zulieferern und Zehntausenden Industriearbeitsplätzen. Die Investitionen in Elektromobilität laufen längst – milliardenschwer und global ausgerichtet.
Ein politisches Zurückrudern würde weniger die Klimaziele treffen als die Standortfrage. Denn während hierzulande über „Technologieoffenheit“ diskutiert wird, elektrifizieren Länder wie China mit hoher Geschwindigkeit. Özdemir bringt es auf den Punkt: „Mit Nostalgie sichern wir nicht den Wirtschaftsstandort.“ Das ist mehr als eine klimapolitische Botschaft – es ist ein industriepolitisches Signal.
Transformation keine Frage von Launen
Die CDU versucht, das Thema als Schutzschild für Arbeitsplätze zu nutzen. Begriffe wie „Verbotsideologie“ oder „Technologieoffenheit“ taugen im Wahlkampf immer wieder als Schlagworte. Doch in der Realität haben viele Unternehmen ihre Strategien längst angepasst.
Die Transformation ist keine politische Laune, sondern eine globale Marktbewegung. Wer jetzt Unsicherheit erzeugt, riskiert Investitionsstopps – und damit genau jene Arbeitsplätze, die man vermeintlich schützen will. „Entscheidend für die Elektromobilität ist die Ladeinfrastruktur. Die Menschen dürfen nicht den Eindruck haben, mit dem E-Auto seien sie weniger mobil als mit einem Verbrenner“, stellt Özdemir zudem fest. Neben dem Ausbau an Ladestationen stehe dabei auch der Strompreis im Mittelpunkt.
Özdemir geht daher einen kalkulierten Mittelweg: Festhalten am Ziel, Offenheit beim Tempo. Er vermeidet die starre Fixierung auf ein Jahr und rückt stattdessen Infrastruktur, Energiepreise und Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt.
Mehr als ein Datum
Die Verbrenner-Debatte ist damit zum Lackmustest für die wirtschaftspolitische Glaubwürdigkeit im Wahlkampf geworden. Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um die Frage, ob Baden-Württemberg auch im elektrischen Zeitalter Industrieland bleibt.
Das Thema prägt nicht nur die Diskussionen. Es berührt Beschäftigte in Fertigung und Entwicklung, Zulieferer, Handwerksbetriebe und Energieversorger gleichermaßen. Und es entscheidet darüber, wie glaubwürdig Politik Transformation erklären kann.
Am Ende steht eine nüchterne und eindeutige Erkenntnis: Der Markt bewegt sich elektrisch. Die politische Frage lautet nur noch, ob man diese Bewegung gestaltet – oder im Wahlkampf gegen sie argumentiert, um billig Stimmen von Wählern zu erheischen, die das Thema nicht überblicken.
Quelle: Auto, Motor und Sport – Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir: Am Verbrenner-Aus festhalten








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