Nio hat im ersten Halbjahr in Deutschland lediglich 15 Fahrzeuge neu zugelassen. Damit liegt der chinesische Elektroauto-Hersteller unter jedem einzelnen Monatswert des Vorjahreszeitraums, in dem selbst der schwächste Monat noch 16 Einheiten erreichte. Verglichen mit den 121 Zulassungen im ersten Halbjahr 2025 entspricht das einem Rückgang von 88 Prozent oder 106 Fahrzeugen. Der monatliche Durchschnitt sank von rund 20 auf etwa 2,5 Zulassungen, wie aus aktuellen KBA-Daten hervorgeht.
Kein einzelner Monat des laufenden Jahres kam auf mehr als fünf Zulassungen. Den höchsten Wert erreichte der Februar mit fünf Einheiten, was gegenüber den 25 Zulassungen im Februar 2025 trotzdem einen Rückgang von 20 Fahrzeugen bedeutet. Januar und April verzeichneten mit jeweils einer Zulassung die niedrigsten Monatswerte seit Nios Markteintritt im Oktober 2022. Der Juni kam auf drei Einheiten und lag damit 13 Fahrzeuge unter dem Vergleichsmonat 2025, März auf zwei. Das erste Quartal summierte sich auf acht Zulassungen, ein Einbruch von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das zweite Quartal brachte lediglich sieben weitere hinzu.
Abonnement-Modell verzerrt die tatsächliche Marktlage
Nios europäische Zulassungszahlen sind seit 2022 durch das eigene Abonnement-Modell verzerrt: Ein Fahrzeug wird nur einmal registriert, unabhängig davon, wie viele Kund:innen es anschließend nutzen. Ein Auto, das über drei Jahre im Abo mehrfach den Nutzer gewechselt hat, taucht demnach weiterhin nur mit seiner ursprünglichen Zulassung auf. Die aktuell niedrigen Werte spiegeln also teilweise wider, dass der bestehende Fahrzeugbestand bereits erfasst wurde und nun intern zwischen Kund:innen zirkuliert.
Selbst unter Berücksichtigung dieses Effekts signalisieren die Zahlen jedoch einen weitgehenden Stillstand beim Zugang neuer Fahrzeuge. Die in Deutschland verfügbaren Modelle stammen laut früheren Berichten aus den Baujahren 2023 und 2024 und basieren auf der NT-2.0-Plattform.
Auf der deutschen Promotions-Seite bietet Nio derzeit eine Nullprozentfinanzierung über 48 Monate via Santander Consumer Bank an. Der ET5 startet bei 399 Euro monatlich (Listenpreis 30.850 Euro), der ET5 Touring bei 449 Euro (37.600 Euro), das SUV EL6 bei 549 Euro (51.000 Euro). Alle drei Angebote gelten ausschließlich für Fahrzeuge mit Kurzzeitzulassungen von höchstens 24 Stunden, was auf vorregistrierten Bestand statt frisch produzierter Fahrzeuge hindeutet. In jeder Monatsrate sind 169 Euro für das Battery-as-a-Service-Abonnement der Standard Range enthalten.
Das sechssitzige Flaggschiff EL8 wird separat mit einem festen Zinssatz von 4,12 Prozent ab 999 Euro monatlich angeboten (Listenpreis 82.900 Euro) und ist als Bestandsfahrzeug eingestuft, verfügbar ausschließlich über das Nio-Certified-Programm für Gebrauchtwagen. Die Angebote galten offiziell bis zum 30. Juni 2026, waren Anfang Juli aber weiterhin online.
Anders als in Norwegen, den Niederlanden und allen im Vorjahr erschlossenen Märkten bietet Nio die günstigere Marke Firefly in Deutschland nicht an. In anderen europäischen Ländern startet Firefly bei 29.900 Euro, fast doppelt so viel wie der chinesische Preis von umgerechnet rund 14.276 Euro, was nicht allein auf die EU-Zollregelung zurückzuführen ist.
Fashion-Week-Partnerschaft trotz schwacher Verkaufszahlen
Parallel zum Absatzrückgang investiert Nio Deutschland in Markenpräsenz: Der Hersteller wird offizieller Mobilitätspartner der Munich Fashion Week 2026, die vom 7. bis 11. August stattfindet. Bei einem Casting im Münchner Hub wurden drei angehende Models ausgewählt, die für einen Monat einen ET5 fahren. Während der Veranstaltung selbst kommt ein ET7 als VIP-Shuttle für Gäste und Partner zum Einsatz. Sämtliche eingesetzten Fahrzeuge stammen aus dem bestehenden deutschen Bestand, jenem Pool, den der Hersteller gleichzeitig über Nullprozentfinanzierung abzuverkaufen versucht.
Schwäche zieht sich durch ganz Europa
Der deutsche Rückgang steht im Kontext einer breiteren europäischen Schwäche. Im Mai registrierte Nio insgesamt nur 74 Fahrzeuge in acht europäischen Märkten. Norwegen bleibt dabei die stärkste Region, begünstigt durch die Position außerhalb der EU-Zollunion. Auf Fahrzeuge aus China wird in der EU ein kombinierter Einfuhrzoll von 30,7 Prozent erhoben, bestehend aus dem regulären Zollsatz von zehn Prozent sowie einem im Oktober 2024 eingeführten Ausgleichszoll von 20,7 Prozent.
Der Hersteller teilte seine europäische Managementstruktur im Februar in sechs Abteilungen auf und setzt zunehmend auf ein Händler- und Distributorenmodell. Nach nur einer Zulassung im Januar wurde die Deutschlandführung ausgetauscht, bereits der vierte Wechsel an der Spitze seit Marktstart. Modellaktualisierungen sind laut Unternehmensangaben erst für Ende 2027 vorgesehen, neue Batteriewechselstationen sollen 2026 nicht mehr aufgebaut werden. Zudem verließ der Produktverantwortliche für Firefly in Europa, Peter Seitz, das Unternehmen zum Wochenende nach rund drei Jahren. Er war zuvor mehr als ein Jahrzehnt bei Opel tätig.
Weltweit wächst Nio deutlich schneller
Ein Blick auf die globalen Zahlen zeigt ein anderes Bild als in Deutschland. Im Juni 2026 lieferte Nio konzernweit 40.597 Fahrzeuge aus, ein Zuwachs von 62,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und der bislang höchste Monatswert des Jahres. Davon entfielen 21.908 Fahrzeuge auf die Premiummarke Nio (plus 50,1 Prozent), 11.743 auf die familienorientierte Marke Onvo (plus 83,5 Prozent) und 6946 auf die kleine Premiummarke Firefly (plus 76,7 Prozent).
Im gesamten ersten Halbjahr 2026 kam Nio auf 191.123 ausgelieferte Fahrzeuge, ebenfalls ein Rekordwert und ein Plus von 67,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Marke Nio steuerte 119.488 Einheiten bei (plus 60,5 Prozent), Onvo 42.463 (plus 60,5 Prozent) und Firefly 29.172 (plus 272 Prozent). Insgesamt hat Nio damit bislang rund 1,19 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert.
Quelle: Nio – Pressemitteilung / eletric-vehicles.com – Nio Germany Registrations Crash 88% in H1 2026







Wird geladen...