95,9 Prozent E-Autos: Norwegen setzt die Messlatte

95,9 Prozent E-Autos: Norwegen setzt die Messlatte
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Norwegen hat 2025 seine Sonderstellung im weltweiten Wandel zur Elektromobilität weiter gefestigt. Nach offiziellen Angaben waren nahezu alle neu zugelassenen Autos im vergangenen Jahr rein elektrisch unterwegs. Der Anteil batterieelektrischer Modelle an den Neuzulassungen lag bei 95,9 Prozent und erreichte im Dezember sogar fast 98 Prozent. Damit übertraf das Land nicht nur sein eigenes Vorjahresniveau deutlich, sondern setzte sich erneut klar vom restlichen Europa ab, wo die Nachfrage nach Elektroautos zuletzt spürbar schwächer ausfiel.

Die Zahlen zeigen zugleich, wie konsequent Norwegen seinen Kurs fortsetzt. Während in der Europäischen Union politische Unsicherheiten und nachlassende Kaufanreize dazu beitrugen, dass das geplante Aus für Verbrenner ab 2035 zuletzt relativiert wurde, blieb der skandinavische Staat bei seiner Linie. Die Umstellung verlief nicht schrittweise, sondern nahm 2025 noch einmal an Tempo zu. Im Vergleich zu 2024, als der Elektroanteil bei knapp 89 Prozent lag, bedeutet das einen deutlichen Sprung.

Steuerliche Signale treiben Markt und Kaufentscheidungen

Parallel dazu zog auch der Gesamtmarkt kräftig an. Insgesamt wurden 179.549 neue Autos zugelassen, was einem Zuwachs von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Branchenbeobachter führen diese Entwicklung nicht allein auf eine robuste Nachfrage zurück, sondern auch auf steuerliche Veränderungen, die viele Kaufentscheidungen zeitlich vorzogen. Ab dem 1. Januar 2026 soll in Norwegen eine zusätzliche Mehrwertsteuer von bis zu 4300 Euro pro Elektroauto greifen. Die Ankündigung dieser Maßnahme hatte bereits im Herbst eine spürbare Sogwirkung ausgelöst.

Von dieser Dynamik profitierte vor allem Tesla. Der US-Hersteller war zum fünften Mal in Folge die meistverkaufte Marke des Landes und kam auf einen Marktanteil von 19,1 Prozent. Mit 27.621 ausgelieferten Autos erzielte Tesla den höchsten Jahresabsatz, den je ein einzelner Hersteller in Norwegen erreicht hat. Getragen wurde dieses Ergebnis vor allem vom Crossover Model Y, der sich als Volumenmodell etablierte. Bemerkenswert ist dies auch vor dem Hintergrund, dass die Marke in Teilen Europas mit Kaufzurückhaltung konfrontiert war, ausgelöst durch politische Äußerungen von Unternehmenschef Elon Musk.

Hinter Tesla folgten Volkswagen mit 13,3 Prozent Marktanteil sowie Volvo Cars mit 7,8 Prozent. Gleichzeitig wuchs der Einfluss chinesischer Hersteller weiter. Autos aus China erreichten 2025 einen Anteil von 13,7 Prozent, nach 10,4 Prozent im Jahr zuvor. Besonders auffällig war der Zuwachs bei BYD, das seine Verkäufe in Norwegen mehr als verdoppelte.

Fördern und Verteuern als politisches Steuerungsinstrument

Ein wesentlicher Faktor hinter Norwegens Erfolg liegt laut Christina Bu, Leiterin des norwegischen Elektroauto-Verbands, nicht nur in Vergünstigungen für Stromer. Zwar wurden einige Anreize zuletzt abgebaut, zugleich verteuerte der Staat jedoch konsequent Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Diese Kombination aus Förderung und Belastung habe dazu geführt, dass klassische Verbrenner wirtschaftlich kaum noch konkurrenzfähig seien. Entsprechend beschränkten sich die wenigen verbliebenen Neuzulassungen fossiler Modelle 2025 auf Spezialfahrzeuge, etwa für Rettungsdienste, sowie einzelne Hybrid- oder Sportwagen.

Mit Blick auf 2026 zeichnet sich eine weitere Verschiebung ab. Elektroautos unterhalb eines Preises von 300.000 norwegischen Kronen (ca. 25.400 Euro) bleiben weiterhin von der Mehrwertsteuer befreit. Branchenvertreter erwarten deshalb eine stärkere Rückkehr kompakter Autos, die lange Zeit das Straßenbild Norwegens prägten. Mehrere Hersteller kündigten an, ihre Modellpaletten in diesem Segment auszubauen und neue elektrische Varianten auf den Markt zu bringen.

Quelle: Reuters – Norway zips ahead in EV race as car sales hit 96% electric / Spiegel – Norwegen drängt Verbrenner fast völlig vom Markt

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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