Nissan hat die Serienproduktion des neuen Leaf im britischen Werk Sunderland nach monatelangen Anlaufschwierigkeiten hochgefahren. Das teilte der japanische Automobilhersteller mit. Wer bislang auf ein größeres Angebot des elektrischen Kompaktwagens der dritten Generation gewartet hat, kann demnach auf baldige Besserung hoffen. Bis dahin blieb die Stückzahl auf dem europäischen Markt weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.
Nach Angaben von Nissan Europas Markenchef Jordi Vila war die Verzögerung „sehr technischer Natur“. Näher erläuterte der Manager die genaue Ursache bei einer Medienrunde am 18. September nicht. „Der Großteil der Produktion läuft jetzt an“, sagte Vila dort. Welche technischen Probleme konkret vorlagen, ließ Nissan offen.
Wie gering der Ausstoß bislang tatsächlich war, zeigen Zahlen des Marktforschers Dataforce: Bis Ende August wurden in Europa lediglich 1937 Exemplare des Leaf neu zugelassen, obwohl die Fertigung bereits im Dezember 2025 begonnen hatte. In Sunderland selbst entstanden bis zu diesem Zeitpunkt nur 3260 Einheiten des neuen Modells, wie Nissan mitteilte. Im japanischen Werk Tochigi, das die Märkte in Japan und Nordamerika versorgt, liefen seit Juni 2025 dagegen bereits mehr als 27.000 Exemplare vom Band, geht aus Daten des Rechercheportals Marklines hervor.
Neue Form und deutlich mehr Reichweite
Optisch hat sich der Leaf grundlegend verändert. Statt der hochbeinigen, kastenförmigen Form der zweiten Generation setzt Nissan nun auf eine coupéartige Karosserie im Crossover-Stil. Auch die Technik wurde überarbeitet: Die große Batterie fasst 75 kWh und damit deutlich mehr als die 62 kWh des Vorgängers, was laut WLTP-Norm eine Reichweite von 622 Kilometern ermöglicht. Wahlweise ist zudem eine kleinere Batterie mit 52 kWh erhältlich.
Für den Standort Sunderland sollte der Leaf eigentlich eine tragende Rolle spielen. Nissan plante ursprünglich mit einer Jahresproduktion von 100.000 Autos. Die Fertigung der Vorgängergeneration war bereits 2024 ausgelaufen, wodurch dem Hersteller in Europa zunächst ein Elektroauto im Kompaktsegment fehlte. Insgesamt lief die Produktion am Standort zuletzt deutlich unter Kapazität: 2025 entstanden dort rund 273.000 Autos, während die jährliche Kapazität bei mehr als 500.000 Autos liegt.
Chery-Deal bringt zusätzliche Bewegung ins Werk
Neben den technischen Problemen beim Leaf ordnet Nissan den Standort derzeit auch aus anderen Gründen neu. Veränderungen auf dem Elektroautomarkt, geplante EU-Regeln zu lokalen Wertschöpfungsanteilen mit möglichen Folgen für Exporte aus Großbritannien in die EU sowie eine vorläufige Vereinbarung mit dem chinesischen Automobilhersteller Chery Auto spielen dabei eine Rolle. Diese sieht vor, dass Nissan künftig im Auftrag von Chery Autos der chinesischen Marke in Sunderland fertigt und dafür eine der beiden Fertigungslinien nutzt. Im Mai hatte Nissan bereits angekündigt, im Zuge von Sparmaßnahmen eine der beiden Produktionslinien am Standort zu schließen. Einen Monat später folgte die unverbindliche Grundsatzvereinbarung mit Chery.
Neben dem Leaf fertigt Nissan in Sunderland auch den Qashqai und den Juke. Ab 2027 soll mit dem Kleinwagen Kicks ein weiteres Modell hinzukommen, sobald die Produktion des Verbrenner-Juke endet. Zugleich ist ab 2027 eine batterieelektrische Variante des Juke am Standort geplant.
Beim Chery-Deal selbst ist der Stand nach Angaben von Nissans Europachef Max Messina noch offen. „Wir warten darauf, dass Chery die Stückzahlen final festlegt“, sagte Messina am 16. September bei der Vorstellung des Kicks. Welche Chery-Modelle in Sunderland entstehen sollen und in welchem Umfang, hat Nissan bislang nicht mitgeteilt.
Quelle: Automotive News Europe – Nissan says Leaf production for Europe is fully running after technical delay









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