Honda und Nissan vertiefen ihre Zusammenarbeit bei der Entwicklung künftiger Fahrzeuggenerationen. Die beiden japanischen Automobilhersteller haben eine Vereinbarung geschlossen, nach der sie zentrale elektronische Steuergeräte und wesentliche Software-Komponenten für sogenannte Software Defined Vehicles (SDV) gemeinsam entwickeln und standardisieren wollen. Die Technik soll ab dem Geschäftsjahr 2029 in Fahrzeugen beider Marken zum Einsatz kommen, heißt es in entsprechenden Pressemitteilungen.
Im Mittelpunkt stehen mehrere zentrale Steuergeräte der neuen Elektrik-/Elektronik-Architektur. Dazu zählen leistungsfähige Hauptrechner auf Basis von System-on-Chips sowie sogenannte Zonensteuergeräte, die jeweils bestimmte Fahrzeugbereiche verwalten. Gemeinsam entwickelt werden sollen außerdem das Betriebssystem im Fahrzeug, wesentliche Teile der Middleware – also der vermittelnden Softwareschicht zwischen Betriebssystem und Anwendungen – sowie die Software zur Fahrzeugsteuerung.
Honda und Nissan versprechen sich davon vor allem kürzere Entwicklungszeiten und niedrigere Kosten. Durch gemeinsame Spezifikationen sollen Entwicklungsressourcen gebündelt und größere Skaleneffekte erzielt werden. Gerade bei Elektroautos gewinnt die Software zunehmend an Bedeutung, weil Funktionen von Batteriesteuerung und Antrieb bis hin zu Assistenzsystemen, Infotainment und nachträglich per Update freigeschalteten Funktionen immer stärker zentral gesteuert werden. Die Hersteller bezeichnen den Softwarebereich deshalb ausdrücklich als einen wichtigen Baustein für die Elektrifizierung ihrer Modellpaletten.
Zusammenarbeit trotz gescheiterter Fusion
Bemerkenswert ist die neue Vereinbarung auch vor dem Hintergrund der gescheiterten Fusionspläne. Honda und Nissan hatten Ende 2024 Gespräche über einen Zusammenschluss aufgenommen, diese jedoch im Februar 2025 beendet. Unter anderem war diskutiert worden, Nissan zu einer Tochtergesellschaft von Honda zu machen. Trotz des Abbruchs hielten beide Unternehmen ausdrücklich an ihrer technologischen Partnerschaft für intelligente und elektrifizierte Fahrzeuge fest.
Die nun vereinbarte gemeinsame Softwarearchitektur zeigt, dass diese Zusammenarbeit durchaus weitreichend bleibt. Eine gemeinsame technische Basis kann gerade für kleinere Fahrzeugvolumina erhebliche Vorteile bringen. Die hohen Entwicklungskosten moderner E/E-Architekturen und eigener Betriebssysteme lassen sich auf eine größere Stückzahl verteilen.
Für Honda dürfte dieser Punkt auch mit Blick auf Europa eine wichtige Rolle spielen. Der japanische Hersteller spielt auf dem europäischen Automarkt inzwischen nur noch eine vergleichsweise kleine Rolle. 2025 wurden in EU, EFTA und Großbritannien nach ACEA-Daten lediglich 71.825 Honda neu zugelassen. Das waren 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr und entsprachen gerade einmal 0,5 Prozent Marktanteil.
Im laufenden Jahr zeichnet sich zwar eine leichte Erholung ab, das absolute Niveau bleibt jedoch niedrig. Im ersten Halbjahr 2026 kamen Honda in Europa auf 39.620 Neuzulassungen, 6,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil verharrte allerdings bei 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Nissan erreichte im selben Zeitraum knapp 150.000 Neuzulassungen, BYD bereits gut 174.000.
Honda in Deutschland ein Nischenanbieter
Noch deutlicher zeigt sich die geringe Bedeutung auf dem deutschen Markt. Im gesamten Jahr 2025 wurden laut VDA auf Basis der amtlichen Zulassungszahlen lediglich 7269 Honda-Pkw neu zugelassen. Zwar waren das 2,9 Prozent mehr als 2024, bei insgesamt knapp 2,86 Millionen Neuzulassungen entsprach dies aber nur rund einem Viertelprozent Marktanteil.
Auch 2026 hat sich daran bislang wenig geändert. Von Januar bis Juli kamen 4647 Honda neu auf deutsche Straßen, rund 3,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Juli selbst sackten die Neuzulassungen allerdings um gut 27 Prozent auf lediglich 575 Fahrzeuge ab. Der Marktanteil lag damit bei 0,2 Prozent. Gerade bei reinen Elektroautos konnte Honda hier bislang kaum Fuß fassen. Das bisherige Elektro-SUV mit dem beliebig klingenden Namen e:Ny1 kam nur auf sehr geringe Stückzahlen und wird in Europa nicht mehr angeboten. Damit steht Honda vor der Herausforderung, nicht nur technisch mit der schnell voranschreitenden Konkurrenz insbesondere aus China Schritt zu halten, sondern mit seinen kommenden Elektroautos auch wieder deutlich größere Kundenkreise zu erreichen.
Die gemeinsame Entwicklung mit Nissan kann dabei Kosten und Entwicklungsaufwand reduzieren. Ob eine gemeinsame elektronische Basis ab 2029 ausreicht, um den Abstand zu Herstellern aufzuholen, die schon heute mit kurzen Entwicklungszyklen und stark softwareorientierten Fahrzeugplattformen arbeiten, wird allerdings wesentlich davon abhängen, was Honda und Nissan anschließend auf dieser Technik aufbauen.
Quelle: Honda und Nissan – Pressemitteilungen vom 31. August 2026









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