Kia, Hyundai und der Energieversorger Vattenfall starten in den Niederlanden einen groß angelegten Pilotversuch zum bidirektionalen Laden. An dem Projekt nehmen bis zu 80 ausgewählte Haushalte teil, die ihr Elektroauto künftig nicht nur zum Fahren, sondern auch als mobilen Energiespeicher nutzen sollen. Die Niederlande sind damit nach Angaben der Beteiligten das erste Land weltweit, das einen Verbraucherversuch dieser Größenordnung durchführt.
Der Pilot gliedert sich in zwei Phasen. Die erste beginnt in der zweiten Jahreshälfte und richtet sich an 40 private Besitzer:innen des Kia EV9. In einer zweiten Phase sollen Fahrerinnen und Fahrer des Hyundai Ioniq 9 hinzukommen. Alle Teilnehmenden erhalten für die sechsmonatige Testphase eine bidirektionale Ladestation inklusive Installation. Die zu Hause genutzten Kilowattstunden werden dabei bis zu einem Betrag von 500 Euro erstattet.
Technisch setzt das Projekt auf Vehicle-to-Grid- (V2G) und Vehicle-to-Home-Systeme (V2H). Das Prinzip: Das Fahrzeug lädt tagsüber günstig erzeugten Solarstrom, um ihn abends zurückzuspeisen, wenn die Nachfrage im Haushalt oder im Netz ihren Höhepunkt erreicht. Vattenfall übernimmt dabei die Steuerung der Lade- und Entladevorgänge und sorgt dafür, dass die Fahrzeugbatterien automatisch auf die Netzsituation reagieren. Gespeist wird in das Netz zwischen 16 und 21 Uhr, wenn die Nachfrage besonders hoch ist.
Großer Puffer, geringe Alltagseinschränkungen
Der Kia EV9 ist das erste Modell, das bei den niederländischen Netzbetreibern offiziell für diesen Zweck zugelassen und registriert wurde. Über eine spezielle Lade-App legen Teilnehmende selbst fest, welchen Mindestladestand sie für die nächste Fahrt benötigen. Innerhalb dieser Grenzen kann Vattenfall auf den verfügbaren Speicher zurückgreifen. „Für die Teilnehmenden ändert sich im Alltag wenig“, erklärt Jeroen van Loon, Director of Customer Solution Development bei Vattenfall Niederlande. „Sie stellen ihre eigenen Präferenzen ein, zum Beispiel Abfahrtszeit oder einen minimalen Ladezustand, während ihre Fahrzeugbatterie zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen kann.“
Ein zentrales Argument für den Einsatz von Elektroautos als Speicher ist deren Kapazität. Eine typische Hausbatterie kommt auf rund zehn Kilowattstunden, ein Elektroauto bringt häufig 50 bis 60 Kilowattstunden mit, also das Vier- bis Zehnfache. Van Loon fasst es so zusammen: „Elektroautos stehen den Großteil des Tages still. Gleichzeitig verfügen sie über eine große Batterie. In diesem Pilot untersuchen wir, wie wir die Flexibilität dieser neuen Fahrzeuggeneration nutzbar machen können.“
Regulatorischer Rahmen war lange ein Hindernis
Bis vor Kurzem bremsten in den Niederlanden regulatorische Hürden die Entwicklung des bidirektionalen Ladens aus. Nutzer:innen wurden sowohl beim Laden als auch beim Rückspeisen von Strom steuerlich belastet, was den wirtschaftlichen Anreiz erheblich minderte. Der Pilot soll technische und rechtliche Barrieren abbauen und den Weg für einen breiteren nationalen Rollout bereiten.
Das niederländische Stromnetz steht zunehmend unter Druck, da Engpässe die Versorgungssicherheit belasten. Eine Flotte von Elektroautos, die kollektiv als verteilter Speicher agiert, könnte helfen, Angebot und Nachfrage besser auszubalancieren. Neben dem neuen Kia-Hyundai-Vattenfall-Projekt gibt es in den Niederlanden bereits ähnliche Initiativen, etwa das Projekt von We Drive Solar und MyWheels in Utrecht, das bidirektionale Renault-Fahrzeuge im Carsharing einsetzt.
Quelle: NL Times – Electric cars used as mobile home batteries in Dutch world-first energy trial / Vattenfall – Vattenfall Netherlands launches V2G pilot with Kia and Hyundai









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