Vattenfall InCharge und der schwedische Technologieanbieter WirelessCar haben gemeinsam an einer Lösung gearbeitet, die das Laden von Elektroautos künftig ohne Ladekarte oder App ermöglichen soll. Im vergangenen Jahr testeten mehr als 700 Fahrer:innen in Schweden, den Niederlanden und Deutschland den Service Seamless Charging. Ab Herbst soll die Funktion an allen InCharge-Ladestationen verfügbar sein, aktuell läuft sie ausschließlich an ausgewählten Pilotstandorten.
Der cloudbasierte Dienst automatisiert den gesamten Ladeprozess: Authentifizierung, Start und Bezahlung laufen ohne manuelles Zutun ab. Nach einer einmaligen Registrierung erkennt das System das angeschlossene Fahrzeug automatisch, startet den Ladevorgang und beendet ihn, sobald der Akku voll ist. Möglich wird das durch einen Abgleich von Signalen zwischen Fahrzeug und Ladestation, wodurch sich Karten, Apps oder separate Anmeldeschritte an der Säule erübrigen. Unterstützt werden derzeit Volvo– und Tesla-Modelle, die über die dafür notwendige Fahrzeugtechnologie verfügen.
Von echtem Plug & Charge nach dem Standard ISO 15118 unterscheidet sich das Verfahren dabei: Die Authentifizierung erfolgt nicht über digitale Fahrzeugzertifikate, sondern über die einmalige Verknüpfung von Fahrzeug und Nutzerkonto samt anschließendem Datenabgleich über die Cloud, ein Ansatz, der eher an bestehende Autocharge-Lösungen etwa von Fastned oder EnBW erinnert.
Weniger Aufwand beim täglichen Laden
Hinter dem Projekt steht der Anspruch, den Ladealltag spürbar zu vereinfachen. „Elektromobilität muss im Alltag so einfach wie möglich funktionieren. Wer lädt, sollte sich nicht jedes Mal mit unterschiedlichen Karten, Apps oder Authentifizierungsschritten beschäftigen müssen“, erklärt Fabian Hagmann, Vice President E-Mobility bei Vattenfall. Mit Seamless Charging werde getestet, wie sich dieser Prozess deutlich vereinfachen lasse, so Hagmann weiter, „sicher, automatisch und nah an dem, was Kundinnen und Kunden im täglichen Gebrauch wirklich brauchen“.
Auch WirelessCar betont den Anspruch, Komplexität aus dem Ladevorgang herauszunehmen, statt neue hinzuzufügen. „Unsere Erfahrung in der Vernetzung von Fahrzeugen, Daten und Partnern im Ökosystem zeigt: Die beste Technologie nimmt Komplexität heraus, statt neue hinzuzufügen“, sagt Mateo Sotomayor, Vice President EV Experience beim Unternehmen. Eine bessere Ladeerfahrung erfordere die Orchestrierung eines komplexen Zusammenspiels aus Fahrzeugen, Plattformen, Ladenetzwerken und Serviceanbietern, führt Sotomayor aus. Seamless Charging sei ein praktisches Beispiel dafür, wie vernetzte Fahrzeugtechnologie einzelne Schritte im Ladeprozess überflüssig machen könne.
So läuft die Registrierung im Detail ab
Für die Nutzung ist zunächst eine Anmeldung im eigenen My InCharge Konto notwendig. Dort lässt sich Seamless Charging unter dem Menüpunkt „Meine Fahrzeuge“ aktivieren, anschließend kann das eigene Auto hinzugefügt werden. Im nächsten Schritt bestätigen Nutzer:innen über die Login-Seite des jeweiligen Automobilherstellers die Freigabe zur sicheren Datenübertragung. Für die Übermittlung von Fahrzeug- und Ladedaten kommen dabei etablierte Branchenstandards zum Einsatz.
Ist die Einrichtung abgeschlossen, übernimmt das System den Rest: Sobald das Fahrzeug an eine unterstützte Ladestation angeschlossen wird, erkennt der Dienst dies automatisch und startet den Ladevorgang von selbst. Nach Abschluss des Ladens endet dieser ebenso automatisch, ohne dass ein weiterer Eingriff erforderlich ist.
Vattenfall InCharge betreibt nach eigenen Angaben mehr als 40.000 Ladepunkte und bildet damit die Infrastrukturbasis, auf der Seamless Charging künftig ausgerollt werden soll. Der Service soll im Herbst und Winter schrittweise an allen InCharge-Standorten verfügbar gemacht werden, nachdem er zuvor ausschließlich an ausgewählten Pilotstandorten getestet wurde.
Quelle: Vattenfall – Pressemitteilung per Mail









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