Das Mercedes-Werk im ungarischen Kecskemét gewinnt weiter an Bedeutung. Nach Informationen der Automobilwoche aus Konzernkreisen soll die kleine G-Klasse, die Mercedes für 2027 plant, dort vom Band laufen. Das Modell basiert auf der MMA-Plattform für Kompaktwagen und ergänzt damit die etablierte große G-Klasse, die zu den wirtschaftlich bedeutendsten Modellen im Portfolio des Unternehmens zählt. Der Standort Rastatt, wo ebenfalls Kompaktwagen wie der CLA gefertigt werden, geht bei dieser Vergabe leer aus.
Die Entscheidung reiht sich in eine umfassendere Verlagerungsstrategie ein. Mercedes hatte bereits angekündigt, Kapazitäten aus Deutschland nach Osteuropa zu verschieben. Bisher war lediglich bekannt, dass die elektrische C-Klasse als zusätzliches Modell für Kecskemét vorgesehen ist, einschließlich Derivaten wie der AMG-Version mit Axialfluss-Motoren. Mit der kleinen G-Klasse kommt nun ein weiteres Modell hinzu. Die Werkserweiterung sowie den offiziellen Anlauf des neuen Modells will Mercedes Mitte Juli feiern.
Kecskemét verdoppelt bisherige Produktionskapazität
Durch den Bau eines weiteren Produktionsmoduls wurden die Kapazitäten in Kecskemét auf 300.000 bis 400.000 Einheiten pro Jahr verdoppelt. Damit wird das ungarische Werk künftig der größte europäische Produktionsstandort von Mercedes sein. „Damit kommen wir auf einen Anteil von 30 Prozent unserer Produktion in Europa“, zitiert die Automobilwoche einen Insider. Zuvor hatte der Anteil bei 15 Prozent gelegen. In Deutschland verbleiben an den Standorten Sindelfingen, Rastatt und Bremen theoretisch rund 900.000 Einheiten Kapazität, rund 100.000 weniger als bisher.
Für die Erweiterung hat der Automobilhersteller rund eine Milliarde Euro investiert. Neben der elektrischen C-Klasse und dem elektrischen GLB wird in Kecskemét aktuell auch die A-Klasse als Verbrenner gefertigt. Die Laufzeit dieses Modells war wegen starker Nachfrage bis 2028 verlängert worden, die Produktion aber bereits aus Rastatt nach Ungarn verlagert worden.
Als wahrscheinlich gilt, dass auch der kürzlich entschiedene Nachfolger dort entstehen wird. Beim GLC soll zudem der europäische Produktionsanteil nach Ungarn gehen, sobald das weltweit erfolgreichste Modell des Unternehmens für den US-Markt aus Bremen nach Tuscaloosa abzieht. Die Zahl der Arbeitsplätze in Kecskemét soll sich auf 7500 erhöhen, 3000 mehr als bisher.
Produktivitätsoffensive spaltet Konzern und Gewerkschaft
Die Vergabe fällt in eine Phase erheblichen wirtschaftlichen Drucks. CEO Ola Källenius hatte in einer internen Botschaft an die Belegschaft eine „Produktivitätsoffensive Deutschland“ angekündigt. Kern der Botschaft: „Jede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtert die relative Kostenposition.“ Als erste Maßnahme wurde eine tarifliche Sonderzahlung ins kommende Jahr verschoben, und das Unternehmen will mit den Arbeitnehmer:innen über längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn verhandeln. Bis 2027 sollen die Produktionskosten insgesamt um zehn Prozent sinken.
Hintergrund sind Belastungen von mehreren Seiten. Zölle in den USA und der intensive Wettbewerb auf dem chinesischen Markt setzen Mercedes zu. Zwar hat der Automobilhersteller bis 2027 rund 40 neue Modelle angekündigt. Doch angesichts des Gegenwinds auf den Absatzmärkten droht die größte Produktoffensive der Firmengeschichte an Wirkung zu verlieren. Källenius macht daher deutlich: „Die Arbeitsstunde muss günstiger werden.“
Die IG Metall will sich gegen die drohenden Einschnitte wehren und hat für Freitag, den 3. Juli, zu Protesten unter anderem in Rastatt, Sindelfingen und Stuttgart-Untertürkheim aufgerufen. Das Unternehmen begründet die geplanten Maßnahmen als „direktesten und fairsten Weg“, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Betriebsratschef Ergun Lümali sieht das anders: „Wer Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie über unbezahlte längere Arbeitszeiten definiert, macht es sich zu einfach.“
Quelle: Automobilwoche – EXKLUSIV: Spardruck bei Mercedes – Wichtiges Modell geht nach Ungarn









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