Mercedes-Benz bereitet intern eine umfassende Produktivitätsoffensive vor. Das geht aus einer internen Präsentation hervor, die Elektroauto-News, zur Verfügung gestellt vom Hamburger Redaktionskontor „BeHonest“ von Beatrice Bohlig und Henning Krogh, exklusiv vorliegt. Das Dokument richtet sich an Führungskräfte des Konzerns und skizziert eine Reihe von Maßnahmen, die in engem Austausch mit der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden sollen. Der Tenor ist ungewöhnlich direkt: Eine der aufgeführten Maßnahmen trägt schlicht die Überschrift „Mehr Arbeit für das gleiche Geld“.
Konkret sieht die Präsentation vor, den sogenannten Trafobaustein ins nächste Jahr zu verschieben. Dabei handelt es sich um das Transformationsgeld, kurz T-Geld, eine tarifvertragliche Sonderzahlung in der Metall- und Elektroindustrie, die von der IG Metall ausgehandelt wurde. Sie beträgt 18,4 Prozent des individuellen Monatsentgelts und wird in der Regel mit dem Juli-Entgelt als Einmalzahlung ausgezahlt. Bei Mercedes-Benz erhalten sie alle tariflich Beschäftigten, Auszubildenden und dual Studierenden. Die entsprechende Fußnote im Dokument verweist darauf, dass die Verschiebung Mitarbeiter:innen der Mercedes-Benz Group AG, der Mercedes-Benz AG (ohne Own Retail und LogistikCenter) sowie der Mercedes-Benz Intellectual Property GmbH & Co. KG in Deutschland betrifft.
Darüber hinaus soll die Anzahl der gemeinsamen Präsenztage erhöht werden. Für Führungskräfte wurden dem Dokument zufolge für die Jahre 2025 und 2026 Nullrunden vereinbart. Ergänzend dazu wurde ein erfolgsabhängiges Bonussystem eingeführt. Parallel dazu prüft der Konzern dem Dokument zufolge Entgeltbestandteile und Sonderzahlungen auf mögliche Anpassungen.
Verlagerung und Strukturverschlankung als weitere Optionen
Besonderes Gewicht kommt zwei weiteren Punkten zu: Zum einen prüft Mercedes-Benz die Verlagerung mancher Produkte und Verwaltungsfunktionen ins Ausland. Zum anderen sollen Prozesse beschleunigt und gewachsene Strukturen verschlankt werden. Beide Maßnahmen deuten auf einen tiefergehenden Umbau hin, der über kurzfristige Kostensenkungen hinausgeht. Die Präsentation hält ausdrücklich fest, dass alle Standorte und Tochtergesellschaften weltweit einen Beitrag leisten sollen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Während sich die Krise bei Volkswagen weiter zuspitzt, steht nun auch der Stuttgarter Wettbewerber vor möglicherweise tieferen Einschnitten als bisher öffentlich bekannt. Mercedes-Benz steht wie viele europäische Automobilhersteller unter erheblichem Druck: schwächelnde Absatzzahlen in wichtigen Märkten, gestiegene Kosten im Zuge der Elektrifizierung und ein zunehmend aggressiver Wettbewerb aus China. Die interne Kommunikation legt nahe, dass die Konzernführung die Führungskräfte frühzeitig auf mögliche Einschnitte einstimmen will, bevor konkrete Verhandlungen mit dem Betriebsrat beginnen.
Wie weit die einzelnen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und in welchem Zeitrahmen, lässt die Präsentation offen. Sie markiert vorerst den Beginn eines internen Abstimmungsprozesses, kein abgeschlossenes Ergebnis. Ob und wann Mercedes-Benz offiziell Stellung bezieht, ist bislang nicht bekannt. Eine Anfrage von Seiten Elektroauto-News an den Automobilhersteller blieb bis zur Veröffentlichung des Artikels unbeantwortet.
Quelle: Mercedes-Benz – Interne Mitteilung/ Präsentation









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