Elektroautos von Mercedes monatelang ausverkauft

Elektroautos von Mercedes monatelang ausverkauft
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Mercedes-Benz

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Wer heute einen neuen elektrischen Mercedes GLC bestellt, muss sich auf eine längere Wartezeit einstellen. Rund sechs Monate dauert es derzeit, bis das Fahrzeug ausgeliefert werden kann. Auch beim elektrischen CLA sieht es ähnlich aus. Die Nachfrage nach den neuen Elektroautos übersteigt offenbar die Erwartungen des Stuttgarter Automobilherstellers deutlich. Damit zeigt sich ein bemerkenswerter Gegensatz zur häufig beklagten Kaufzurückhaltung bei Elektroautos.

Wie die Automobilwoche berichtet, reichen die Auftragsbücher bei Mercedes inzwischen weit ins kommende Jahr. Die elektrischen Modelle GLC, CLA, GLB und GLA sind in Europa für den Rest des Jahres 2026 bereits ausverkauft. Wer Ende Oktober ein individuell konfiguriertes Fahrzeug bestellt, muss teilweise bis April 2027 warten. Dabei laufen die Produktionsstätten längst auf Hochtouren. In Bremen, Rastatt und Kecskemét arbeitet Mercedes im Dreischichtbetrieb. Das Batteriewerk im sächsischen Kamenz produziert bereits seit Juni an sechs Tagen pro Woche rund um die Uhr. Dennoch kann die Nachfrage nicht vollständig bedient werden.

Der Erfolg schlägt sich auch in den Absatzzahlen nieder. Im dritten Quartal verkaufte Mercedes weltweit 61 Prozent mehr rein elektrische Pkw als im Vorjahreszeitraum. In Europa betrug das Wachstum sogar 78 Prozent. Fast jeder dritte dort verkaufte Mercedes-Pkw war inzwischen vollelektrisch.

Höhere Verbrenner-Margen sind nur die halbe Wahrheit

Mercedes steht mit diesem Nachfrageüberhang nicht allein da. BMW hat für seinen neuen iX3 bereits rund 100.000 Bestellungen aus Europa erhalten und die Fertigung im ungarischen Debrecen auf drei Schichten ausgeweitet. Volkswagen meldete jüngst rund 150.000 Bestellungen für seine neue elektrische Kleinwagenfamilie rund um den ID. Polo.

Die Entwicklung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Könnten die deutschen Automobilhersteller nicht bereits deutlich mehr Elektroautos verkaufen, wenn sie ausreichend Produktionskapazitäten bereitstellen würden? Ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor sind die weiterhin höheren Margen bei Verbrennern. Volkswagen-Finanzvorstand Arno Antlitz erklärte erst am Donnerstag bei der Vorstellung der Neunmonatszahlen: „Der Markterfolg unserer Elektrofahrzeuge setzt unser Ergebnis zusätzlich unter Druck, weil wir mit Elektroautos heute noch weniger verdienen als mit Verbrennern.“

Kurzfristig ist das ein nachvollziehbares Argument. Allerdings dürfte es für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu kurz greifen, allein auf die Marge pro verkauftem Fahrzeug zu schauen. Denn Kunden, die ein Elektroauto kaufen möchten, wechseln bei langen Lieferzeiten eher nicht zu einem margenstärkeren Verbrenner derselben Marke. Vielmehr besteht das Risiko, dass sie sich bei der Konkurrenz umsehen. Wie eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Simon-Kucher unter mehr als 6600 Befragten weltweit zeigt, würden 21 Prozent bei Nichtverfügbarkeit ihres Wunschmodells zu einer anderen Marke wechseln. Weitere 33 Prozent würden den Kauf verschieben.

E-Auto-Margen dürften aufholen

Gerade angesichts der zunehmenden Konkurrenz aus China könnten lange Wartezeiten somit wertvolle Marktanteile kosten. Zudem ermöglichen höhere Produktionsvolumina perspektivisch sinkende Stückkosten und damit bessere Margen bei Elektroautos.

Natürlich lassen sich Fertigungskapazitäten und Lieferketten nicht kurzfristig beliebig ausweiten. Dennoch zeigen die Beispiele von Mercedes, BMW und Volkswagen, dass das Absatzpotenzial zumindest bei einigen neuen Elektroautos größer ist als das derzeit verfügbare Angebot. Die deutschen Hersteller stehen deshalb vor einer strategischen Abwägung: Möglichst hohe Gewinne mit den heute verkauften Fahrzeugen erzielen oder schneller in zusätzliche Elektroauto-Kapazitäten investieren, um sich Marktanteile von morgen zu sichern. Wer nur die kurzfristige Marge betrachtet, könnte am Ende Kunden verlieren, die sich womöglich dauerhaft für eine andere Marke entscheiden – und dabei vielleicht seine Zukunft insgesamt aufs Spiel setzen.

Quelle: Automobilwoche – Hohe Nachfrage: Mercedes GLC auf Monate hin ausverkauft

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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