Der deutsche Automobilhersteller Mercedes-Benz treibt seinen Personalabbau offenbar auch in Teilen der Fertigung voran. Wie das Handelsblatt berichtet, laufen in den Komponentenwerken Stuttgart-Untertürkheim und Berlin Freiwilligenprogramme, bei denen Beschäftigte teils sechsstellige Abfindungen erhalten können. In Einzelfällen sollen bis zu 330.000 Euro möglich sein. Damit reichen die Sparmaßnahmen des Stuttgarter Automobilherstellers weiter in die Produktionsbereiche hinein als bislang öffentlich bekannt.
Nach Recherchen des Handelsblatts laufen an beiden Standorten seit Anfang September entsprechende Programme, die zunächst bis November befristet sind. Grundlage sind interne Informationen aus dem Konzern. Tatsächlich soll Mercedes in den beiden Werken bereits seit mehreren Jahren mithilfe freiwilliger Abfindungen Personal abbauen. Viele Unternehmen in der deutschen Automobilindustrie fahren aktuell größer angelegte Sparkurse – wie auch Volkswagen.
Bislang stand bei Mercedes vor allem der Stellenabbau außerhalb der unmittelbaren Fertigung im Mittelpunkt. Zwischen April 2025 und März 2026 verließen nach Handelsblatt-Informationen rund 5500 Beschäftigte aus Verwaltung, Entwicklung und weiteren indirekten Bereichen das Unternehmen. Ab Dezember soll dieses Programm erneut aufgelegt werden, diesmal unter Einbeziehung weiterer Führungskräfte. Dabei gilt weiterhin das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit.
Andere Fähigkeiten an anderen Orten gefragt?
Die Entwicklung ist insbesondere mit Blick auf die Umstellung zur Elektromobilität relevant. Untertürkheim zählt traditionell zu den wichtigsten Produktionsstandorten für Antriebskomponenten von Mercedes-Benz. Während klassische Verbrennerkomponenten langfristig an Bedeutung verlieren, entstehen neue Aufgaben rund um elektrische Antriebe und Batterietechnologien. Am Standort Untertürkheim baut Mercedes unter anderem seit Jahren seinen eCampus für die Batterieentwicklung auf.
Allerdings entstehen neue Arbeitsplätze nicht zwangsläufig dort, wo bisherige Tätigkeiten wegfallen. Zudem benötigt die Fertigung elektrischer Antriebe teilweise andere Qualifikationen und Produktionsabläufe. Der Personalabbau in den Komponentenwerken verdeutlicht damit auch die beschäftigungspolitischen Herausforderungen des technologischen Wandels.
Hintergrund ist die wirtschaftlich angespannte Lage des Konzerns. Mercedes kämpft mit rückläufigen Verkaufszahlen, erheblichem Wettbewerbsdruck in China und sinkender Profitabilität. In den ersten neun Monaten 2026 gingen die Pkw-Auslieferungen um sieben Prozent zurück. Konzernchef Ola Källenius setzt deshalb neben einer Modelloffensive auf deutliche Kostensenkungen und eine stärkere Verlagerung von Produktionsumfängen an kostengünstigere Standorte.
Die hohen Abfindungen zeigen zugleich, welchen finanziellen Aufwand Mercedes betreibt, um den Personalbestand trotz langfristiger Beschäftigungssicherung sozialverträglich zu reduzieren. Ob die freiwilligen Programme ausreichen, um die angestrebten Kostenziele zu erreichen und gleichzeitig die deutschen Standorte langfristig abzusichern, bleibt abzuwarten.
Quelle: Handelsblatt – Mercedes bietet bis zu 330.000 Euro Abfindung in der Produktion








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