Mercedes: Auftragsbücher für E-Autos sechs Monate voll

Mercedes: Auftragsbücher für E-Autos sechs Monate voll
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Mercedes-Benz

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Bei Mercedes übersteigt die Nachfrage nach neuen Elektroautos teilweise die eigenen Planungen. Die Auftragsbücher sind nach Angaben von Vertriebschef Mathias Geisen für sechs Monate gefüllt. “Deshalb müssen wir Produktion und Komponentenversorgung hochfahren. Das betrifft nicht nur Batterien”, sagte Geisen vor Journalist:innen am Rande der Feierlichkeiten zum 140-jährigen Bestehen des Unternehmens.

Getragen wird die Entwicklung vor allem von CLA und elektrischem GLC, die laut Geisen für die neue Produktgeneration stehen. Weltweit legte der Absatz batterieelektrischer Modelle um 40 Prozent zu, in Europa um 60 Prozent, in Deutschland hat er sich nahezu verdoppelt. Im Heimatmarkt entfällt inzwischen rund ein Drittel der Mercedes-Verkäufe auf reine E-Autos. Den gesamten Europa-Absatz steigerte der Hersteller in den ersten drei Quartalen um fünf Prozent auf 493.700 Einheiten.

Beim GLC hatte es zum Start Lieferengpässe bei den Batterien gegeben. Die hohe Nachfrage führt Geisen auf Qualität und Alltagstauglichkeit der Autos zurück. Einen raschen Einbruch, wie ihn viele Elektromodelle in der Vergangenheit erlebt haben, erwartet er nicht; das Interesse sei bereits vor dem Anstieg der Kraftstoffpreise hoch gewesen. Mit wachsender technologischer Reife könnten sich zudem die anfangs kurzen Innovationszyklen wieder verlängern.

Insgesamt liegt Mercedes nach neun Monaten zwar sieben Prozent unter dem Vorjahr, ausschlaggebend dafür ist jedoch die Schwäche in China. “Außerhalb von China sind wir drei Quartale in Folge gewachsen. Setzt sich dies fort, erzielen wir hier den höchsten Absatz seit dem Jahr 2019”, so Geisen.

In den USA kehrt der Schwung zurück

Auch in den Vereinigten Staaten zeigt die Kurve nach oben. Im laufenden Jahr wuchs Mercedes dort um zwölf Prozent, nachdem der Absatz im Vorjahr in ähnlicher Größenordnung geschrumpft war. “In den nächsten Jahren wollen wir in den USA wieder in Richtung 400.000 Einheiten wachsen”, kündigte Geisen an. Helfen sollen neue und überarbeitete SUV wie GLE und GLS, schließlich machen SUV dort 75 Prozent des Marktes aus.

Bis Ende September setzte Mercedes in den USA 238.300 Einheiten ab. Hält diese Dynamik an, könnte das Land China als größten Einzelmarkt ablösen. Rechnerisch wäre das bereits 2027 möglich, auch wenn Geisen sich dazu nicht äußern wollte.

In der Volksrepublik verlor Mercedes nach drei Quartalen knapp 30 Prozent und kam auf 297.000 Einheiten. Der Gesamtmarkt schrumpfte um rund 20 Prozent, im September allein sogar um 28 Prozent. Einen Zeitpunkt für eine Bodenbildung nennt Geisen nicht; Priorität habe derzeit die Stabilisierung der Preise, nicht ein Plus bei den Stückzahlen. Lokale Produkte und Lieferketten ermöglichten es aus seiner Sicht, in China dauerhaft profitabel zu wirtschaften. “Die Markenresonanz ist weiterhin positiv, auch bei jüngeren Kunden”, betont er.

Darüber hinaus versteht Geisen China als Innovations- und Lernstandort, vor allem mit Blick auf Entwicklungsgeschwindigkeit und neue Technologien. Dass Peking auf Importbeschränkungen der EU mit einem Exportstopp für Autos aus Deutschland reagieren könnte, hält er für unrealistisch. “Ich erwarte eine vernünftige Verständigung zwischen den Regionen.”

Vierzig Stunden als Preis für Wettbewerbsfähigkeit

Langfristig hänge der Erfolg vom Zusammenspiel aus Produkt, Marke und Kundenerlebnis ab, in das Mercedes viel investiere. Im Mittelpunkt steht weiterhin das Top-End-Segment. “Von den knapp 40 Modellen der gut zweijährigen Produktoffensive entfallen rund 30 Prozent auf das Top-End-Segment”, erläutert Geisen; jüngster Zugang ist der AMG GT SUV. Diese Modelle tragen überproportional zur Profitabilität bei, verzeichneten zuletzt aber mit zwölf Prozent einen stärkeren Rückgang als die darunterliegenden Segmente, ebenfalls bedingt durch den schwierigen chinesischen Markt.

Hinzu kommt der Druck auf die Kostenbasis. Laut Geisen habe der Nachfrageüberhang während Pandemie und Halbleiterkrise bestehende Kostenprobleme zeitweise überdeckt, außerdem hätten hohe Gewinne in China Standortnachteile in Deutschland ausgeglichen. Von den Beschäftigten verlangt das Unternehmen nun eine Anhebung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich, was die Gewerkschaften blockieren. “Wir wollen Beschäftigung und Produktion in Deutschland halten”, sagte Geisen. Voraussetzung sei allerdings eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur, auch im Zusammenspiel mit günstigeren internationalen Standorten.

Quelle: Automobilwoche – Mercedes rechnet mit Rekordabsatz – ohne China

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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