Mercedes-Benz erhöht den Druck auf die Arbeitnehmervertreter im Streit um die wöchentliche Arbeitszeit. Der Autobauer nutzt damit offenbar denselben Zeitpunkt wie zuvor Volkswagen, um eigene Kostenvorteile durchzusetzen. Erst vergangene Woche hatte VW mit der Gewerkschaft weitreichende Vereinbarungen getroffen. An diesem Vorgehen scheint sich Mercedes-Benz nun zu orientieren.
Recherchen der WirtschaftsWoche zufolge hat ein Mitglied des Mercedes-Benz Vorstands den Arbeitnehmervertreter:innen die Folgen aufgezeigt, sollten diese die geplante unbezahlte Mehrarbeit ablehnen. Im Kern geht es um eine Anhebung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich. Käme es zu keiner Einigung, zieht der Autobauer laut Bericht die Schließung eines deutschen Werks in Betracht. Die Produktion würde in diesem Fall verstärkt nach Osteuropa verlagert.
Als Begründung führt der Vorstand nicht allein die im internationalen Vergleich hohen Löhne an. Auch die deutlich höhere Krankenquote an deutschen Standorten sowie die größere Zahl an Feiertagen werden als zusätzliche Kostenfaktoren genannt. Betroffen wären Produktion, Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung gleichermaßen, sollte keine Lösung gefunden werden. Diese Kostenfaktoren fließen nach Darstellung des Vorstands direkt in den Vergleich mit den internationalen Standorten des Unternehmens ein.
Ferner ließe sich über natürliche Fluktuation und Renteneintritte ließe sich der Personalbestand in Deutschland auf diesem Weg um rund 14 Prozent senken, ohne dass ein klassischer Stellenabbau angekündigt werden müsste. Aus Sicht des Vorstands würde dieser Schritt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte gegenüber dem Ausland spürbar erhöhen.
Werkserweiterung in Ungarn als neues Druckmittel
Als zusätzliches Argument in den Verhandlungen dient dem Vorstand die jüngst erweiterte Produktion im ungarischen Kecskemét. Dort wurde vor Kurzem ein neuer Werksteil eröffnet, der die Kapazität von bislang 200.000 auf künftig 400.000 Einheiten pro Jahr verdoppelt. Damit verschiebt sich das Gewicht innerhalb des Produktionsnetzwerks von Mercedes-Benz spürbar in Richtung Osteuropa.
Ermöglicht wird diese Flexibilität durch sogenannte Flexachsen zwischen den Werken Bremen und Kecskemét sowie zwischen Rastatt und Kecskemét. Aktuell laufen in Kecskemét unter anderem der GLB und eine elektrische C-Klasse vom Band. Der elektrische GLC ist laut Unternehmensangaben für den Standort perspektivisch eingeplant, ein weiteres Modell aus Rastatt soll ebenfalls hinzukommen. Neben der sogenannten Baby G-Klasse könnten nach aktuellem Stand künftig auch der CLA oder der GLA teilweise in Ungarn gefertigt werden. Eine endgültige Entscheidung darüber ist bislang nicht gefallen.
Im Ergebnis kann Mercedes-Benz das Werk in Kecskemét vollständig auslasten und in Deutschland nur so viele Autos fertigen, wie tatsächlich nötig sind. Die Faktorkosten in Kecskemét liegen nach Angaben von Mercedes-Benz rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Dieser Kostenunterschied dürfte die Verhandlungsposition des Vorstands gegenüber der Gewerkschaft zusätzlich stärken, da sich Produktionsverlagerungen technisch bereits umsetzen lassen.
Quelle: WirtschaftsWoche – Mercedes droht Arbeitnehmern mit Werksschließung / JESMB – Mercedes droht mit Werksschließung in Deutschland / Auto Motor und Sport – Von 35 auf 40 Stunden – bei gleicher Bezahlung









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