Mercedes-AMG GT Viertürer: 860 kW gegen Taycan und Co.

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Mercedes-AMG

Wolfgang Gomoll
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  —  Lesedauer 5 min

Das Imperium hat lange stillgehalten und der immer stärker werdenden Konkurrenz von Porsche, Tesla, Audi oder Xiaomi die Bühne der viertürigen Elektrolimousinen überlassen. Die Antwort aus Affalterbach hat es in sich und kontert mit scharfem Design und bis zu 860 kW / 1169 PS. Kein Weltrekord, der die Konkurrenz in Angst und Schrecken versetzt, aber eine Ansage, die es in sich hat. Für Mercedes-AMG ist der elektrische Sportwagen mit vier Einstiegen mehr als ein neues Modell, denn der Viertürer ist das erste Serienauto auf der neuen AMG.EA-Architektur und damit die Nagelprobe für die elektrische Zukunft der Marke. Das weiß auch Mercedes-Chef Ola Källenius, der früher in Affalterbach das Zepter in der Hand gehalten hat: „Das Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé verschiebt Leistungsgrenzen und liefert die Emotion, die unsere Fans von einem AMG erwarten.“

AMG hat sich bisher immer durch Leistung und einen knackigen Motorensound definiert. Jetzt kommt eine besondere Technik hinzu. Das Herzstück des 5,04 Meter langen Elektro-AMGs sind die Axial-Fluss-Motoren von Yasa der britischen Mercedes-Tochter, die AMG jetzt zur elektrischen Motorenschmiede macht. Bei einem klassischen Radial-Fluss-Motor verläuft der Magnetfluss radial zur Drehachse. Beim Axial-Fluss-Motor läuft er entlang der Achse. Die Vorteile: Die Maschinen sind besonders flach, leicht und haben eine extrem hohe Leistungsdichte. Die vordere E-Maschine ist nur knapp neun Zentimeter breit, die beiden hinteren messen jeweils rund acht Zentimeter. Das zeigt schon, wohin die Reise bei AMG geht. Nicht die maximale PS-Zahl zählt, sondern das Paket und die Dynamik – längs sowie quer. Da geht es um das Gewicht und eine kompakte Bauweise, um diese Komponenten im Sinne der Agilität zu platzieren.

AMG GT 63: 2,4 Sekunden auf 100 km/h und 300 km/h Höchstgeschwindigkeit

Die Basisversion lockt den sportlich interessierten Fahrer mit einer Leistung von 600 kW / 816 PS / 1800 Nm maximalem Drehmoment. Das Topmodell AMG GT 63 4Matic+ offeriert mit 860 kW / 1169 PS / 2000 Nm noch mehr Dynamik. Um diese Kraft auch auf die Straße zu bringen, müssen die drei E-Maschinen – zwei hinten, eine vorn – perfekt harmonieren. Die hintere High Performance Electric Drive Unit vereint zwei Axial-Fluss-Motoren, zwei Siliziumkarbid-Inverter und ein kompaktes Eingang-Planetenradgetriebe. Vorn arbeitet ein einzelner Axial-Fluss-Motor mit Stirnradgetriebe sowie eine Disconnect Unit. Diese Kupplung trennt den vorderen Antrieb bei niedriger Last ab, sodass keine Schleppverluste entstehen. Wird Leistung oder Traktion benötigt, ist die Vorderachse wieder da. So spurtet der 63er GT aus dem Stand in 2,4 Sekunden auf 100 km/h und knackt in gerade einmal 6,8 Sekunden die 200er-Marke.

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Der GT 55 ist mit 2,8 Sekunden bis 100 km/h und 9,0 Sekunden bis 200 km/h kaum langsamer. Mit dem Drivers Package liegt die Höchstgeschwindigkeit jeweils bei 300 km/h. Interessant ist nicht nur der Sprintwert, sondern wie lange AMG seine Maximalleistung abgeben kann. Beim GT 63 dauert der Boost bis zu 63 Sekunden, beim GT 55 immerhin noch 55 Sekunden. Zusätzlich lässt sich in den Fahrprogrammen Comfort, Sport und Sport+ per Zug an beiden Lenkradwippen kurzfristig mehr Leistung abrufen, als im aktuellen Fahrprogramm vorgesehen ist: beim GT 63 bis zu 110 kW / 150 PS, beim GT 55 bis zu 50 kW / 68 PS.

Doch Fahrleistungen sind das eine – die Fahrbarkeit etwas anders und daher müssen die Akkus mitspielen. Deren Kapazität liegt bei 106 Kilowattstunden, gepaart mit 800-Volt-Architektur aufgeteilt in 18 Modulen mit 2660 Rundzellen und einer direkten Ölkühlung jeder einzelnen Zelle. Die Zellen sind 105 Millimeter hoch und messen 26 Millimeter im Durchmesser. Die Idee dahinter: Je kürzer der Weg vom Zellkern zur Oberfläche, desto schneller wird Wärme abgeführt. Das Kühlmittel ist ein elektrisch nichtleitendes Öl, das jede Zelle umströmt. Laut Mercedes beträgt die Kühlleistung im Batteriesystem mindestens 20 kW, während konventionelle Systeme in der Regel bei fünf bis acht kW liegen. Hinzu kommen Aluminium-Zellgehäuse, Full-Tab-Technik, eine NCMA-Kathode und eine siliziumhaltige Anode.

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Das hilft auch bei der Reichweite. AMG GT 55 und 63 kommen mit einem Verbrauch zwischen 17,9 und 21 kWh / 100 km auf eine WLTP-Reichweite von rund 700 Kilometer. Das ehemals versprochene Mega-Watt-Laden ist aktuell nur eine Wunschvorstellung, denn bei allerdings allemal imposanten 600 kW ist Schluss. Heißt, von zehn auf 80 Prozent in 11 Minuten, 70 kWh in zehn Minuten und 41 kWh in fünf Minuten. Damit lässt der Affalterbacher Stromer die Konkurrenz aus Zuffenhausen und Ingolstadt hinter sich, die mit maximal 320 kW Strom nachladen.

Elektrisch, aber mit simuliertem V8-Sound

Damit die gigantische Motorleistung auf die Fahrbahn gebannt werden kann, ist der knapp 2,5 Tonnen schwere Allradler mit einem Hightech-Fahrwerk unterwegs. So ist in dem Elektro-Viertürer ein Luftfahrwerk mit semi-aktiver Wankstabilisierung, dreifach schaltbaren Luftfedern und hydraulisch vernetzten Dämpfern verbaut. Auch die Aerodynamik ist ausgeklügelt. Zwei aktive Venturi-Elemente im Unterboden fahren geschwindigkeitsabhängig aus, vorn ab 120 km/h, mittig ab 140 km/h, und erhöhen so den Abtrieb. Dazu kommen ein aktiver Heckspoiler, ein aktiver Heckdiffusor und Airpanels an der Front.

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Die Räder helfen bei der Reichweite: Die aerodynamisch optimierten 21-Zoll-Felgen bringen bis zu 14 Kilometer Reichweite, zusammen mit entsprechenden Reifen sogar bis zu 30 Kilometer. Innen geht es ebenso sportlich wie außen zu und Dank des Radstands von 3,04 Metern lässt es sich ohne Hochsteckfrisur auch im Fond sitzen. Der Kofferraum fasst 415 Liter, vorn kommt ein 41-Liter-Frunk hinzu.

Um Emotionen zu wecken, simuliert das System im Modus AMG FORCE S+ einen kernigen V8-Sound und simulierte Zugkraftunterbrechungen bei Schaltvorgängen. Das fahrerorientierte Cockpit ist eine digitale Kommandozentrale. Ein 10,2 Zoll großes Kombiinstrument und ein 14,0 Zoll großer Zentralbildschirm sind zu einer Einheit zusammengefasst. Optional kommt ein 14,0-Zoll-Display für den Beifahrer hinzu. Als Software-Basis dient das Betriebssystem MB.OS, garniert mit mehreren KI-Diensten, darunter ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini. Mit der grafischen Opulenz verwandelt sich das AMG-Infotainment in eine Spielkonsole, an der der Pilot alles im Blick hat: Energiefluss, Aerodynamikstellung, Temperaturen, Reifendaten und Rennstreckenwerte. Beim Preis orientiert sich Mercedes-AMG am Verbrenner-Vorgänger. Somit dürften rund 160.000 Euro für den GT 55 4Matic+ und circa 190.000 Euro für den GT 63 4Matic+ realistisch sein.

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Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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