McLaren soll rein elektrischen Super-SUV planen

McLaren soll rein elektrischen Super-SUV planen
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Michael Neißendorfer
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McLaren soll an einem brandneuen, rein elektrischen Hochleistungs-Crossover-SUV arbeiten. Ein ungewöhnliches Projekt für die Briten, das direkt ihrer zuvor erklärten Absicht widerspricht, stets nur Supersportwagen und Hypercars bauen zu wollen. Der nun dennoch geplante Crossover, der in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts auf den Markt kommen könnte, soll ausschließlich mit Elektroantrieb erhältlich sein. Dies berichtet die für gewöhnlich gut informierte Autocar.

Insidern zufolge will McLaren auch bei dem hochbeinigen Fahrzeug seinen etablierten Traditionen der Leistungseffizienz durch Kompaktheit, des geringen Gewichts und der ausgeklügelten Aerodynamik treu bleiben. Dies bedeutet für die Briten, dass sie noch auf künftige Verbesserungen bei der Batterietechnologie warten dürften. E-Auto-Batterien sollen in Zukunft in Form von Festkörperakkus die selbe Kapazität wie die aktuelle Technologie jedoch bei geringerer Größe und weniger Gewicht aufweisen. Die Branche erwartet den Durchbruch der neuen Akkutechnologie gegen Ende des Jahrzehnts. McLaren selbst hat sich bislang noch nicht offiziell zu seinen Crossover-Plänen geäußert.

Woher der Sinneswandel?

McLarens Sinneswandel zu Crossovern dürfte zweifellos auf den Verkaufserfolg seiner konkurrierenden Performance-Marken zurückzuführen sein, deren Crossover- und SUV-Modelle das ursprüngliche Sportwagen-Angebot bei den Verkaufszahlen weit übertreffen und mittlerweile den größten Teil der Gewinne einfahren.

Zum Beispiel lieferte Porsche im vergangenen Jahr mehr Autos aus als je zuvor in seiner 91-jährigen Geschichte, wobei die SUV Macan und der größere Cayenne zusammen weit mehr als die Hälfte der 300.000 Verkäufe der Zuffenhausener ausmachten. Der legendäre Sportwagen 911 hingegen kam nur auf 38.464 abgesetzte Einheiten.

Ähnliches ist Lamborghini mit dem SUV Urus gelungen, der 2021 den Supersportwagen Huracán mit einem Anteil von etwa zwei zu eins überholte. Bei Aston Martin machte der DBX im vergangenen Jahr die Hälfte des gesamten weltweiten Umsatzes aus. Selbst bei der Traditionsmarke Ferrari steht demnächst der Verkaufsstart eines Crossovers an, genannt Purosangue.

Mehr Feuer bekommt das Gerücht, wenn man bedenkt, wer ab 1. Juli den Posten des McLaren-Chefs übernimmt: Michael Leiters wird den britischen Hersteller von Luxus- und Supersportwagen von da an als CEO leiten. Er folgt auf Mike Flewitt, der im Oktober 2021 nach acht Jahren an der Spitze zurückgetreten war. Leiters ist promovierter Maschinenbauer, hatte führende Positionen bei Porsche inne und war Chief Technical Officer bei Ferrari. Und Leiters kennt sich aus mit hochbeinigen Fahrzeugen: Als ehemaliger Porsche-SUV-Direktor war er bis 2014 für die Baureihen Macan und Cayenne verantwortlich. Und während seinen sieben Jahren bei Ferrari war er an der Entwicklung des Purosangue beteiligt.

Quelle: Autocar – McLaren primes electric super-SUV for launch by 2030

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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