Der Opel-Mutterkonzern Stellantis muss nach seinem Strategiewechsel im Bereich Elektromobilität große Verluste hinnehmen: Am Freitag gab das Unternehmen für das vergangene Jahr Abschreibungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro bekannt, nachdem Stellantis sich 2025 entschlossen hatte, seine Ambitionen bei der Entwicklung und Produktion von Elektroautos zurückzufahren.
Stellantis steht mit den Verlusten nicht allein da – auch Ford und General Motors mussten als Reaktion auf das Auslaufen der US-amerikanischen Steuergutschrift für E-Auto-Käufer, einer Änderung der US-Emissionsvorschriften und einer allgemein schwachen Nachfrage immense Abschreibungen hinnehmen. Diese fielen jedoch nicht so hoch aus wie bei Stellantis.
Die in Mailand notierten Aktien des Herstellerkonglomerats brachen in Folge der Bekanntmachung um bis zu 30 Prozent ein und erreichten ihren niedrigsten Stand seit Gründung des Konzerns 2021. Der Rückgang bedeutet laut Reuters-Angaben, dass die Abschreibung größer ausfällt als der gesamte Marktwert des Unternehmens.
Stellantis kämpft mit unterkühlter Nachfrage in den USA
Stellantis, zu dem auch die Marken Chrysler, Dodge, Ram und Jeep gehören, wurde von der politischen Kurskorrektur der USA besonders stark getroffen, da die margenstarken Verkäufe von Jeep- und Ram-Pickups in den USA einen großen Teil des Konzernumsatzes ausmachen. Nach Angaben von Zeit Online entfallen knapp 15 Milliarden Euro von den 22 Milliarden Euro auf die politisch erzwungene Umkehr bei Elektroautos auf dem US-amerikanischen Markt.
Der ehemalige Stellantis-CEO Carlos Tavares, der Ende 2024 nach dem Einbruch der US-Verkäufe zurücktreten musste, hatte das Ziel ausgegeben, bis 2030 100 Prozent seiner Verkäufe in Europa und 50 Prozent seiner Verkäufe in den USA mit rein batterieelektrischen Autos zu erzielen. Branchenweit machten reine E-Autos im vergangenen Jahr jedoch nur 19,5 Prozent des Absatzes in Europa und 7,7 Prozent des Absatzes in den USA aus. Die Absatzverhältnisse in Europa bedeuten zwar einen Anstieg von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bleiben aber dennoch weit hinter den Erwartungen zurück.
Im Gespräch mit Pressevertretern erklärte der aktuelle Stellantis-CEO Antonio Filosa, der im vergangenen Sommer das Amt übernommen hatte, die bisherigen Annahmen seien „zu optimistisch” gewesen. „Was wir heute ankündigen, ist eine wichtige strategische Neuausrichtung unseres Geschäftsmodells“, so Filosa. Ziel sei es, „die Präferenzen unserer Kunden wieder in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen, weltweit und in jeder Region”.
Obwohl Stellantis in den USA nun mehr Verbrennermodelle auf den Markt bringen will, betonte Filosa, dass das Unternehmen weiterhin „in die Elektrifizierung investiert”.
Trägt der Markt die Schuld – oder wollen die Käufer einfach keine Stellantis-Fahrzeuge?
Russ Mould, Investment Director bei der Investmentplattform AJ Bell, sagte, die Abschreibung zeige, dass Stellantis „sich hinsichtlich der Geschwindigkeit, mit der die Welt von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe umsteigen würde, getäuscht hat”. Mould fügte jedoch hinzu, dass der Erfolg chinesischer Konkurrenten „die Frage aufwirft, ob die Frustration von Stellantis über seine Elektroauto-Verkäufe mit Marktproblemen zusammenhängt oder ob die Fahrer ihre Fahrzeuge einfach nicht mögen”. Nun seien weitere ermutigende Daten erforderlich, „um das volle Vertrauen der Anleger in Stellantis wiederherzustellen”, so Mould gegenüber Reuters.
Die Abschreibungen, die Stellantis in den Ergebnissen für das zweite Halbjahr 2025 verbuchte, spiegeln auch Qualitätsprobleme wider, die Konzernchef Filosa auf Sparmaßnahmen unter seinem Vorgänger Tavares zurückführte. Diese hätten Stellantis gezwungen, weltweit 2000 Ingenieure einzustellen. Die Abschreibungen umfassen auch Kürzungen in der Elektro-Lieferkette des Konzerns, revidierte Annahmen für Gewährleistungsrückstellungen aufgrund schlechter Produktqualität und zuvor angekündigte Stellenstreichungen in Europa.
Stellantis rechnet nun mit einem vorläufigen Nettoverlust zwischen 19 und 21 Milliarden Euro in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2025. Der Konzern wird in diesem Jahr zudem keine Dividende ausschütten. Für 2026 prognostiziert Stellantis einen Anstieg des Nettoumsatzes im mittleren einstelligen Bereich und eine bereinigte operative Gewinnmarge im niedrigen einstelligen Bereich. Die endgültigen Ergebnisse für das zweite Halbjahr und das Gesamtjahr 2025 wird Stellantis Ende Februar veröffentlichen.
Quellen: Stellantis – Pressemitteilung vom 06. Februar 2026 / Reuters – Stellantis plunges on $27 billion bill for EV pullback / Zeit Online – Opel-Mutterkonzern Stellantis meldet hohe Verluste







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