MAN-Chef Drees fordert Klarheit für koordinierten Wandel zur E-Mobilität

MAN-Chef Drees fordert Klarheit für koordinierten Wandel zur E-Mobilität
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Das Europäische Parlament und der Rat haben bekanntermaßen eine Einigung über eine Verordnung erzielt, mit der in der EU erstmals strenge CO2-Emissionsnormen für LKW festgelegt werden. Nach der Vereinbarung müssen die Emissionen aus neuen Lastkraftwagen im Jahr 2030 um 30 Prozent unter den Emissionen im Jahr 2019 liegen. Schon bis 2025 muss der Wert um 15 Prozent sinken. Eine sportliche Hausaufgabe für LKW-Hersteller.

Des Weiteren seien ab 2025 Verkaufsquoten für Zero-Emission-Trucks vereinbart worden. Die Übereinkunft folgt auf die im Dezember erzielte Einigung über neue CO2-Emissionsnormen für PKW und leichte Nutzfahrzeuge in der EU für die Zeit nach 2020.

MAN-Chef Drees fordert klare Signale aus der Politik für E-LKW

MAN-Chef Drees ließ sich bei der Hauptversammlung ein wenig in die Karten blicken und offenbarte, was diese Normen für MAN bedeuten.

„Als Nutzfahrzeughersteller stellen wir uns diesen ambitionierten Zielen. Für uns ist die Zukunft des Waren- und Personenverkehrs in der Stadt elektrisch – unsere Produkt-Highlights auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 haben dies vor Augen geführt.“ – Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands der MAN SE

Drees gab zu verstehen, dass die Einhaltung der ehrgeizigen Ziele der CO2-Regulierung vor allem im Fernverkehr eine große Kraftanstrengung für Hersteller und deren Kunden werde. Funktionieren kann es allerdings nur, wenn auch die Politik ihren Teil dazu beitragen wird.

„Eine stärkere Marktakzeptanz von alternativ angetriebenen Lkw setzt entsprechende Rahmenbedingungen voraus, die bis heute vollständig fehlen“, so Drees weiter. Im Alltag bedeutet dies für MAN, dass man heute schwere Elektro-Lkw nicht einmal als Serienfahrzeuge zulassen kann, weil sich die Regulierer nicht auf Testparameter einigen können.

Daher ist der Appell an die politischen Entscheidungsträger nachvollziehbar: „Schaffen Sie zeitnah die erforderlichen Voraussetzungen, damit wir nicht für die Zulassung eines jeden Elektro-Lkw eine Ausnahmegenehmigung beantragen müssen. Unterstützen Sie den Kauf dieser neuen Technologien – mit der Infrastruktur und mit Anreizsystemen.“

Gerade das Thema Lade- und Tankinfrastruktur spielt somit nicht nur für E-PKW eine entscheidende Rolle, sondern auch dafür, dass die strengen CO2-Emissionsnormen für LKW erfüllt werden können.

In Hinblick auf die Markteinführung der sogenannten Zero-Emission-Trucks, welche tatsächlich von Kunden gekauft und betrieben werden, gab Drees folgendes zu verstehen: „Wir erwarten von den politischen Entscheidungsträgern zeitnahe Lösungsvorschläge, mit denen wir und auch unsere Kunden weiterarbeiten können. Für einen koordinierten Wandel brauchen wir Klarheit – nur dadurch sind wir im internationalen Vergleich weiter wettbewerbsfähig.“ Diese Aussage bezieht er auf staatliche Anreizsysteme, welche den Absatz der Zero-Emission-Trucks unterstützen soll.

CO2-Emissionsnormen bereits heute ein hart umkämpfter Kompromiss

Die eigentlichen Pläne des EU-Parlaments sahen eine Senkung der CO2-Werte um 35 Prozent bis 2030 und das Zwischenziel von 20 Prozent bis 2025 vor. Die Kritiker argumentieren, dass etwa alternativ angetriebene Elektrofahrzeuge im Fernverkehr nicht praktikabel seien.

Schwerlastfahrzeuge verursachen rund ein Viertel (27 Prozent) der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs und fast fünf Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der EU. Ohne weitere Maßnahmen wird erwartet, dass ihre Emissionen aufgrund des steigenden Straßenverkehrsaufkommens sogar noch weiter steigen werden.

Quelle: MAN – Pressemitteilung vom 22. Mai 2019

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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