Mahle-Chef Arnd Franz erklärte am Rande des Technologietags des Unternehmens, Deutschland habe in den vergangenen Jahren seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. In Hinblick auf die Tarifverhandlungen im Herbst rief Franz die IG Metall daher zu Mäßigung auf, denn er sehe „einen direkten Zusammenhang zwischen Lohnforderungen und einem weiteren Arbeitsplatzabbau“.
Aus Sicht des Mahle-Chefs habe die Produktivität nachgelassen, während die Lohnstückkosten steil nach oben gegangen seien. Wie einige Vertreter aus der Branche, unter anderem Mercedes-Chef Ola Källenius, fordert auch Franz, dass wieder mehr gearbeitet werden müsse. Die 35-Stunden-Woche hält er für nicht mehr zeitgemäß, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass angesichts der schwachen Nachfrage bei einer 40-Stunden-Woche deutlich weniger Mitarbeiter benötigt würden.
Politisches Leitbild gefordert
Franz kritisiert zudem die allgemeinen Rahmenbedingungen des Industriestandorts Deutschland, dem gegenüber er in Ländern wie Ungarn deutliche Vorteile sieht. „Warum sollte ich in Deutschland investieren, wenn ich in Ungarn 70 Prozent weniger Lohn und 70 Prozent weniger Steuern zahlen muss, dazu noch Subventionen bekomme?“, merkte er an.
Hinzu komme der strenge Kündigungsschutz in Deutschland im Vergleich mit Ländern wie der Schweiz. Für Unternehmen bedeute dies in der Regel, dass sie in Transformationsphasen viel Geld für Abfindungen und Ruhestandsregelungen in die Hand nehmen müssen. Als Beispiel nennt er Bosch, das für den angekündigten Stellenabbau mehrere Milliarden Euro aufwenden musste.
Nun sei die Politik an der Reihe, ein Zielbild für Baden-Württemberg und für Deutschland zu entwickeln, um die notwendigen Maßnahmen herbeizuführen. „Dann muss geklärt werden, wer bis zu welchem Zeitpunkt was macht“, sagte Franz. Die Reformen im Gesundheitswesen könnten lediglich das Schlimmste verhindern.
Kleinere Zulieferer kämpfen ums Überleben
Während Mahle laut Franz momentan noch volle Auftragsbücher habe, sei ein Wachstum in der Autoindustrie in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Er rechnet mit einem starken Verdrängungswettbewerb, wozu er anmerkt: „Da werden sehr viele auf der Strecke bleiben“. Bereits heute unterstütze Mahle einige kleinere Zulieferer, die ums Überleben kämpften. Die Studie „ELAB 2040“ des Fraunhofer-Instituts geht alleiBeitragsbild festlegenn für Baden-Württemberg von 200.000 Industriearbeitsplätzen aus, die wegfallen könnten.
Anfang Juli hatte Mahle selbst den Abschluss eines Ergänzungstarifvertrags verkündet. Insgesamt will das Unternehmen die Kosten jährlich um 150 Millionen Euro senken. Betroffen sind davon größtenteils die rund 4000 Mitarbeiter aus den Bereichen Entwicklung und Verwaltung in der Stuttgarter Zentrale, die sowohl beim Urlaubs- als auch beim Weihnachtsgeld sowie bei der tariflich vorgesehenen Gehaltserhöhung Abstriche machen müssen. Im Gegenzug werden bis zum Ende der Laufzeit in 2029 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.
Die Kapazitäten in den deutschen Werken will der Mahle-Chef weiter anpassen. Insofern die bestehende Regulierung der Europäischen Union zu den CO₂-Emissionen bestehen bleibt, rechnet Franz mit weiteren Einschnitten bei der Fertigung des Verbrennungsmotors: „Dann wird die Produktion hier so schnell schrumpfen, dass wir kaum noch Fabriken brauchen.“
Quelle: Automobilwoche – Mahle-Chef Arnd Franz: „Viele werden auf der Strecke bleiben”









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