Ein Logistikunternehmen aus dem baden-württembergischen Bietigheim setzt auf Elektro-Lkw, die inzwischen mehr als die Hälfte der Flotte ausmachen. Während der Geschäftsführer sich die Lkw-Maut spart, erkennen immer mehr Fahrer die Vorteile der vollelektrischen Lkw, die geräuschärmer sind und weniger ruckeln. Und angesichts des allgemeinen Fahrermangels freut sich das Unternehmen, dass manche Fahrer sich extra wegen der Elektro-Lkw bewerben.
Die Flotte der Logistikfirma Walter Schmitt mit Sitz im Kreis Rastatt umfasst inzwischen mehr als 50 Elektro-Lkw. 2019 hatte der mittelständische Betrieb mit dem ersten elektrischen Lkw-Prototyp gestartet, seitdem sind immer mehr Elektro-Laster hinzugekommen. Die Firma gehört damit zu den Pionieren in Deutschland, denn laut Kraftfahrtbundesamt gab es hierzulande zuletzt fast 3,9 Millionen Lkw, von denen 108.000 rein elektrisch unterwegs waren, was lediglich 2,8 Prozent entspricht.
Anfangs zeigten sich die Fahrer skeptisch gegenüber den elektrischen 40-Tonnern, vor allem aus Angst, nicht am Ziel anzukommen. „Die Fahrer wollten schon, wenn die Nadel bei 50 Prozent gestanden hat, wieder zum Stromtanken fahren“, sagt Firmenchef Rainer Schmitt und ergänzt, dass die Spitzenmodelle mehr als 500 Kilometer ohne Nachladen fahren.
Während für Schmitt der größte Vorteil darin besteht, dass für die Elektro-Laster keine Maut anfällt, haben auch die Fahrer die Vorteile erkannt. Durch einen geringen Geräuschpegel und weniger Ruckeln beim Anfahren und Beschleunigen ist das Fahrverhalten angenehmer. „Man kommt entspannter nach Hause“, merkt Fahrer Stefan Schupp an, der in der Logistikfirma außerdem für Bewerbungen und das Einlernen neuer Kollegen zuständig ist. Man spüre im Unternehmen zwar den allgemeinen Fahrermangel, aber es gebe mittlerweile Bewerber, die sich extra wegen der Elektro-Lkw meldeten.
Vorteil durch eigene Ladeinfrastruktur
Die Firma, die unter anderem Daimler und Porsche mit Autoteilen beliefert, profitiert davon, dass sie immer wieder zwischen denselben Kunden pendelt. Dadurch lässt sich laut dem Geschäftsführer das Laden gut planen. „Wir machen eine Routenbeschreibung, sodass der Fahrer genau weiß, wann er laden muss“, erklärt Schmitt, der darauf hinweist, dass das Konzept mit täglich wechselnden, neuen Strecken wohl nicht so gut funktionieren würde.
Um Kosten zu sparen, hat das Unternehmen eine eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut, die 18 Ladepunkte an neun Standorten zwischen Bietigheim und Mannheim umfasst. In der Regel nutzen die Lkw die betriebseigenen Ladepunkte und greifen nur bei längeren Strecken, etwa nach Ungarn, auf öffentliche Ladesäulen zurück. Laut Schmitt bildet sich zudem ein Netzwerk aus Logistikfirmen, die sich gegenseitig ihre Lademöglichkeiten anbieten.
Strompreis als entscheidender Faktor
Den größten Nachteil von Elektromobilität sieht Geschäftsführer Schmitt immer noch bei den höheren Kosten. Während ein Diesel-Lkw etwa 110.000 Euro koste, fielen für Elektro-Lkw mit der größten Reichweite rund 260.000 Euro an. Die Firma least ihre Fahrzeuge, nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, um flexibel auf technische Neuerungen reagieren zu können. Künftig will Schmitt die Zahl der Diesel-Lkw weiter verringern.
Die Profitabilität hängt laut dem Chef zudem vom Strompreis ab, weshalb er extra einen „Energiemanager“ sucht, der für die Ladeinfrastruktur und den Stromeinkauf zuständig sein soll. Im Sommer dieses Jahres soll am Firmensitz in Bietigheim außerdem eine neue Logistikhalle mit PV-Anlage und großem Batteriespeicher in Betrieb genommen werden. „Die Idee ist, unseren eigenen Strom zu erzeugen und zwischenzuspeichern – und die Fahrzeuge mit dieser Energie zu betanken“, sagt Schmitt. Denn so könne der Elektro-Lkw bei den Kosten den Diesel um Längen schlagen.
Quelle: SWR – Lautlose 40-Tonner: Warum eine Spedition aus Bietigheim auf Elektro-Lkw setzt







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