Für diese Podcast-Folge habe ich mit Fabrice Kathmann gesprochen, CEO und Co-Founder von Nanuq. Fabrice kommt ursprünglich aus dem Ingenieursbereich, war unter anderem in der Fahrzeugentwicklung für die Mercedes-Modelle EQA und EQB tätig und hat später große Energie- und Mobilitätskonzerne strategisch beraten. Genau aus dieser Kombination aus Technik, Strategie und Praxis heraus ist Nanuq entstanden.
Im Gespräch wurde schnell klar, wo das Kernproblem vieler Logistiker liegt: Nicht der E-Lkw an sich ist die größte Hürde, sondern alles, was davor und dahinter kommt. Ladeinfrastruktur, Netzanschluss, Trafostationen, Abstimmung mit Netzbetreibern, Energiemanagement – Themen, die weit weg vom Tagesgeschäft eines mittelständischen Logistikunternehmens sind. „Der Mittelstand soll auf einmal Elektrotechnik-Kompetenz aufbauen, die eigentlich nur Kosten verursacht und nichts mit dem Kerngeschäft zu tun hat“, bringt es Fabrice auf den Punkt.
Ein Full-Service-Ansatz für Ladeinfrastruktur und Energie
Genau hier positioniert sich Nanuq als Full-Service-Anbieter für die Elektrifizierung von Lkw-Flotten. Das Unternehmen kümmert sich nicht um die Fahrzeuge selbst, sondern um das komplette Ökosystem dahinter: Ladehardware, Software, Energiesysteme und auf Wunsch auch den Strom. Besonders spannend ist dabei das Truck Charging as a Service-Modell. Statt hoher Anfangsinvestitionen zahlen Kunden eine monatliche Gebühr beziehungsweise einen Preis pro Kilowattstunde – ähnlich wie an einer öffentlichen Ladesäule. „Wir tragen das Investment, der Kunde spürt die Einsparung sofort“, erklärt Fabrice. Wartung, Betrieb und Verfügbarkeit liegen vollständig bei Nanuq, was das Risiko für die Logistiker deutlich senkt.
Ein zentrales Thema war die individuelle Auslegung der Systeme. Es geht eben nicht darum, pauschal Ladepunkte aufzustellen, sondern Routenprofile, Standzeiten und zukünftige Entwicklungen mitzudenken. Nanuq analysiert, ob Batteriespeicher sinnvoll sind, ob vorhandene PV-Anlagen eingebunden werden können oder ob Fahrzeuge selbst als temporäre Speicher taugen. Auch die langfristige Perspektive spielt eine große Rolle – etwa beim Netzanschluss. Fabrice schildert Fälle, in denen neue Anschlüsse erst Mitte der 2030er Jahre verfügbar wären, weil frühzeitig keine Leistung gesichert wurde.
Vorurteile gegenüber E-Lkw halten sich hartnäckig
Sehr offen haben wir auch über Vorurteile gegenüber E-Lkw gesprochen. Von angeblich fehlenden Crashtests über Wintertauglichkeit bis hin zu Reichweitenängsten ist alles dabei. Fabrice kann hier aus eigener Erfahrung gegenhalten: „Die Fahrzeuge werden in Norwegen im tiefsten Schnee getestet – auf Herz und Nieren, bevor der TÜV sein Siegel vergibt.“ Interessant fand ich auch seine Beobachtung, dass die reale Reichweite bei E-Lkw häufig über den Herstellerangaben liegt – im Gegensatz zum Pkw-Bereich.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wirtschaftlichkeit. Im Truck-Bereich zählt am Ende die dritte Nachkommastelle. Durch eingesparte Maut, geringere Energiekosten und weniger Wartung erreichen viele Betreiber schneller den Break-even, vor allem auf längeren Strecken. Testwochen mit 100 bis 200 Kilometern seien gut für erste Erfahrungen, reichen aber nicht aus, um die wirtschaftlichen Vorteile voll auszuschöpfen. Deshalb ermutigt Nanuq Kunden, auch längere Touren real zu testen.
Skalierung durch Partnerschaften und öffentliche Ladeparks
Positiv hebt Fabrice die zunehmende Nachfrage nach dem as a Service-Modell hervor – nicht nur aus dem Mittelstand, sondern auch von großen Konzernen. Möglich wird das durch starke Finanzierungspartner aus dem Energieumfeld, die Erfahrung mit großen PV- und Batterieparks haben. Ein konkretes Projekt ist der geplante öffentliche Megawatt-Ladepark in Bochum, der erste seiner Art im Ruhrgebiet. Solche Standorte sollen perspektivisch auch anderen Nanuq-Kunden entlang der Route günstiges Laden ermöglichen – ein Ansatz, der klar auf Vernetzung und Skalierung setzt.
Kritisch wurde es beim Blick auf die Politik. Förderprogramme, unklare Signale und Diskussionen um Technologieoffenheit sorgen für Verunsicherung und verzögern Investitionen. „Es braucht kein neues Förderinstrument, sondern einen klaren, konsequenten Weg“, so Fabrice. Gerade im Nutzfahrzeugbereich werde sich der Elektroantrieb ohnehin durchsetzen, weil er ökonomisch überlegen ist.
Unterm Strich zeigt das Gespräch sehr gut, dass die Elektrifizierung von Lkw-Flotten weniger eine Frage der Technik als der Umsetzung und Planung ist. Mit einem klaren Fokus auf Betriebskosten, Skalierbarkeit und einfache Modelle kann Elektromobilität im Logistikbereich schnell an Fahrt aufnehmen. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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