Umfrage: Akzeptanz für E-Lkw steigt, Wasserstoff wird unattraktiver

Umfrage: Akzeptanz für E-Lkw steigt, Wasserstoff wird unattraktiver
Copyright:

Creative stock photo / shutterstock / 2665302463

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Batterieelektrische Lkw gewinnen in der Logistikbranche an Bedeutung. Das zeigt eine neue Studie des Öko-Instituts, für die mehr als 200 Logistikunternehmen befragt wurden. Dies ist ein wichtiges Signal für den Klimaschutz. Denn nur, wenn auch der Straßengüterverkehr emissionsarm wird, kann der Klimaschutz im Verkehrssektor gelingen. Während E-Lkw zunehmend als zentrale Technologie für die Antriebswende wahrgenommen werden, bremsen Wissenslücken zu Kosten, Infrastruktur und regulatorischen Rahmenbedingungen den Markthochlauf weiterhin.

Die Mehrzahl (77 Prozent) der befragten Unternehmen geht davon aus, dass batterieelektrische Lkw bis zum Jahr 2030 entweder als Standard (25 Prozent) oder zumindest teilweise (52 Prozent) im Einsatz sein werden. Im Vergleich zur letzten Befragung aus dem Jahr 2021 ist das ein deutlicher Zuwachs: Damals rechneten lediglich fünf Prozent mit einem standardmäßigen Einsatz von E-Lkw bis 2030.

„Die Logistikbranche sieht unter allen alternativen Antrieben die Zukunft beim batterieelektrischen Lkw. Wasserstoff hingegen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung verloren“, erklärt Jonathan Schreiber, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Ressourcen & Mobilität beim Öko-Institut. In der aktuellen Befragung erwarten weniger als die Hälfte der Unternehmen, dass Wasserstoff-Lkw bis 2030 als Standard oder zumindest teilweise im Einsatz sein werden – 2021 waren es noch rund 80 Prozent.

Wissenslücken bremsen den Hochlauf

Trotz wachsender Akzeptanz bestehen weiterhin erhebliche Wissensdefizite. So konnte weniger als ein Drittel der befragten Unternehmen die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw korrekt einordnen, obwohl die Maut einen wichtigen Einfluss auf die Gesamtbetriebskosten hat. Zudem hat mehr als die Hälfte der Unternehmen (61 Prozent) die Gesamtnutzungskosten eines E-Lkw bislang nicht mit denen eines Diesel-Lkw verglichen. Auch bei infrastrukturellen Grundlagen gibt es Lücken: Zwei Drittel der Unternehmen mit eigenem Depot kennen die verfügbare Netzanschlusskapazität ihrer Standorte nicht.

„Es bestehen teils noch erhebliche Wissensdefizite bei Anwendern hinsichtlich zentraler technischer, regulatorischer und ökonomischer Planungsgrößen“, sagt Florian Hacker, stellvertretender Bereichsleiter Ressourcen & Mobilität am Öko-Institut. Der Vergleich mit sogenannten Early-Adopter-Unternehmen zeigt, dass praktische Erfahrung entscheidend ist, um Vorbehalte abzubauen und realistische Einschätzungen zu ermöglichen.

Unternehmen bereiten sich auf E-Lkw vor – zögern aber noch

Die Befragung zeigt, dass die praktischen Voraussetzungen für den Einsatz batterieelektrischer Lkw in vielen Fällen günstiger sind als häufig angenommen. Die Standzeiten in den Depots reichen bei der großen Mehrheit der Fahrzeuge für eine regelmäßige Batterieladung aus. Die Mehrheit der Unternehmen beschäftigt sich mit der Beschaffung von batterieelektrischer Lkw.

Gleichzeitig bleibt die Ladeinfrastruktur ein zentrales Hemmnis: Jedes zweite Unternehmen nennt fehlende öffentliche Ladepunkte als Grund, keine E-Lkw zu beschaffen, während rund ein Viertel der Unternehmen mit eigenem Depot Investitionen in eine eigene Ladeinfrastruktur plant. Dabei plant etwa ein Drittel den Einsatz von E-Lkw bis 2030. Flexible Finanzierungsmodelle wie Leasing oder Finanzierungskauf könnten den Hochlauf batterieelektrischer Lkw zusätzlich beschleunigen, da sie hohe Anfangsinvestitionen und technologische Risiken begrenzen.

Für die Befragung wurde eine quotierte Stichprobe genutzt, die die sich an Entscheidungsträger:innen richtete und die Logistikbranche nach Unternehmensgröße abbildet. Dabei sind Unternehmen aus dem Nah-, Regional- und Fernverkehr abgedeckt.

Quelle: Öko-Institut – Pressemitteilung vom 05.02.2026

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektro-Lkw

MAN senkt Treibhausgas-Ausstoß seiner Werke deutlich

MAN senkt Treibhausgas-Ausstoß seiner Werke deutlich

Michael Neißendorfer  —  

In den Werken von MAN geht es gut voran bei der Verbesserung des CO2-Ausstoßes. Der Großteil der Emissionen aber entsteht woanders.

So läuft die Mischproduktion von Diesel- und Elektro-Lkw bei MAN

So läuft die Mischproduktion von Diesel- und Elektro-Lkw bei MAN

Michael Neißendorfer  —  

Gut Jahr nach dem Start der Serienproduktion von Elektro-Lkw zieht MAN Truck & Bus eine positive Bilanz.

Gruber Logistics: Elektro-Lkw ist kein Diesel-Ersatz

Gruber Logistics: Elektro-Lkw ist kein Diesel-Ersatz

Sebastian Henßler  —  

Warum der E-Truck im Schwerlastbetrieb eine ganz andere Planungslogik braucht als der Diesel, erklärt Felix Kunath von Gruber Logistics im Podcast.

Lidl Niederlande: E-Lkw beliefern ab 2027 alle Filialen

Lidl Niederlande: E-Lkw beliefern ab 2027 alle Filialen

Sebastian Henßler  —  

Lidl Niederlande will ab 2027 alle Filialen elektrisch beliefern und wäre damit weltweit der erste Einzelhändler mit vollständig emissionsfreier Logistik.

Feuerwehr-Premiere: Erster elektrischer Drehleiter-Lkw unter 16 Tonnen

Feuerwehr-Premiere: Erster elektrischer Drehleiter-Lkw unter 16 Tonnen

Tobias Stahl  —  

Die Feuerwehr wird elektrisch: Rosenbauer und MAN präsentieren auf der Interschutz 2026 das erste vollelektrische Drehleiterfahrzeug unter 16 Tonnen.

Scania: Schnellladende Vehicle-to-Grid-Lösung für E-Lkw

Scania: Schnellladende Vehicle-to-Grid-Lösung für E-Lkw

Maria Glaser  —  

Scania hat eine Anlage entwickelt, die bidirektionales Laden am Schnellladesystem MCS für schwere Nutzfahrzeuge ermöglicht.

Bund startet neue Förderung für 1500 neue Elektrobusse

Bund startet neue Förderung für 1500 neue Elektrobusse

Daniel Krenzer  —  

Der Bund setzt die Förderung von Elektrobussen fort und unterstützt die Anschaffung von mindestens 1500 weiteren Fahrzeugen.