Umfrage: Akzeptanz für E-Lkw steigt, Wasserstoff wird unattraktiver

Umfrage: Akzeptanz für E-Lkw steigt, Wasserstoff wird unattraktiver
Copyright:
Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Batterieelektrische Lkw gewinnen in der Logistikbranche an Bedeutung. Das zeigt eine neue Studie des Öko-Instituts, für die mehr als 200 Logistikunternehmen befragt wurden. Dies ist ein wichtiges Signal für den Klimaschutz. Denn nur, wenn auch der Straßengüterverkehr emissionsarm wird, kann der Klimaschutz im Verkehrssektor gelingen. Während E-Lkw zunehmend als zentrale Technologie für die Antriebswende wahrgenommen werden, bremsen Wissenslücken zu Kosten, Infrastruktur und regulatorischen Rahmenbedingungen den Markthochlauf weiterhin.

Die Mehrzahl (77 Prozent) der befragten Unternehmen geht davon aus, dass batterieelektrische Lkw bis zum Jahr 2030 entweder als Standard (25 Prozent) oder zumindest teilweise (52 Prozent) im Einsatz sein werden. Im Vergleich zur letzten Befragung aus dem Jahr 2021 ist das ein deutlicher Zuwachs: Damals rechneten lediglich fünf Prozent mit einem standardmäßigen Einsatz von E-Lkw bis 2030.

„Die Logistikbranche sieht unter allen alternativen Antrieben die Zukunft beim batterieelektrischen Lkw. Wasserstoff hingegen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung verloren“, erklärt Jonathan Schreiber, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Ressourcen & Mobilität beim Öko-Institut. In der aktuellen Befragung erwarten weniger als die Hälfte der Unternehmen, dass Wasserstoff-Lkw bis 2030 als Standard oder zumindest teilweise im Einsatz sein werden – 2021 waren es noch rund 80 Prozent.

Wissenslücken bremsen den Hochlauf

Trotz wachsender Akzeptanz bestehen weiterhin erhebliche Wissensdefizite. So konnte weniger als ein Drittel der befragten Unternehmen die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw korrekt einordnen, obwohl die Maut einen wichtigen Einfluss auf die Gesamtbetriebskosten hat. Zudem hat mehr als die Hälfte der Unternehmen (61 Prozent) die Gesamtnutzungskosten eines E-Lkw bislang nicht mit denen eines Diesel-Lkw verglichen. Auch bei infrastrukturellen Grundlagen gibt es Lücken: Zwei Drittel der Unternehmen mit eigenem Depot kennen die verfügbare Netzanschlusskapazität ihrer Standorte nicht.

„Es bestehen teils noch erhebliche Wissensdefizite bei Anwendern hinsichtlich zentraler technischer, regulatorischer und ökonomischer Planungsgrößen“, sagt Florian Hacker, stellvertretender Bereichsleiter Ressourcen & Mobilität am Öko-Institut. Der Vergleich mit sogenannten Early-Adopter-Unternehmen zeigt, dass praktische Erfahrung entscheidend ist, um Vorbehalte abzubauen und realistische Einschätzungen zu ermöglichen.

Unternehmen bereiten sich auf E-Lkw vor – zögern aber noch

Die Befragung zeigt, dass die praktischen Voraussetzungen für den Einsatz batterieelektrischer Lkw in vielen Fällen günstiger sind als häufig angenommen. Die Standzeiten in den Depots reichen bei der großen Mehrheit der Fahrzeuge für eine regelmäßige Batterieladung aus. Die Mehrheit der Unternehmen beschäftigt sich mit der Beschaffung von batterieelektrischer Lkw.

Gleichzeitig bleibt die Ladeinfrastruktur ein zentrales Hemmnis: Jedes zweite Unternehmen nennt fehlende öffentliche Ladepunkte als Grund, keine E-Lkw zu beschaffen, während rund ein Viertel der Unternehmen mit eigenem Depot Investitionen in eine eigene Ladeinfrastruktur plant. Dabei plant etwa ein Drittel den Einsatz von E-Lkw bis 2030. Flexible Finanzierungsmodelle wie Leasing oder Finanzierungskauf könnten den Hochlauf batterieelektrischer Lkw zusätzlich beschleunigen, da sie hohe Anfangsinvestitionen und technologische Risiken begrenzen.

Für die Befragung wurde eine quotierte Stichprobe genutzt, die die sich an Entscheidungsträger:innen richtete und die Logistikbranche nach Unternehmensgröße abbildet. Dabei sind Unternehmen aus dem Nah-, Regional- und Fernverkehr abgedeckt.

Quelle: Öko-Institut – Pressemitteilung vom 05.02.2026

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektro-Lkw

Brennerachse: E-Lkw laden jetzt mit bis zu 1000 kW

Brennerachse: E-Lkw laden jetzt mit bis zu 1000 kW

Sebastian Henßler  —  

An der Brennerautobahn entsteht neue Ladeinfrastruktur für E-Lkw. In Vahrn laden E-Trucks mit bis zu 1000 kW und nutzen dabei reguläre Fahrpausen effizient.

Europcar ergänzt seine Flotte um elektrische Transporter

Europcar ergänzt seine Flotte um elektrische Transporter

Sebastian Henßler  —  

E-Transporter gewinnen im Lieferverkehr an Bedeutung. Europcar setzt auf flexible Mietmodelle, um Unternehmen den Einstieg zu erleichtern.

Warum der Umstieg auf E-Transporter mit Beratung besser gelingt

Warum der Umstieg auf E-Transporter mit Beratung besser gelingt

Sebastian Henßler  —  

Diesel oder Elektro im Transporter? Experte Matthias Born erklärt, wie Strompreise, PV und Einsatzprofile die Wirtschaftlichkeit im Alltag verändern.

IG Metall warnt vor schnellem Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller

IG Metall warnt vor schnellem Markteintritt chinesischer Lkw-Hersteller

Tobias Stahl  —  

Chinesische Lkw-Hersteller drängen schneller nach Europa als erwartet – nun warnt die IG Metall vor erheblichen Folgen für Arbeitsmarkt und Wertschöpfung.

Wo die Elektrifizierung von Lkw finanziell scheitert

Wo die Elektrifizierung von Lkw finanziell scheitert

Sebastian Henßler  —  

E-Lkw sind verfügbar, doch im Alltag vieler Flotten wird der Betrieb teurer als geplant. Ladepreise und Auslastung entscheiden über Wirtschaftlichkeit.

Wenn der E-Lkw seine Batterie an einem Tag dreimal leerfährt

Wenn der E-Lkw seine Batterie an einem Tag dreimal leerfährt

Michael Neißendorfer  —  

Mehr als 1000 km an einem Tag – und das mit einer Akkureichweite von nur 300 km: Ein Schweizer Logistiker zeigt, wie E-Lkw effizient eingesetzt werden können.