EU gibt 1,6 Milliarden Euro für E-Lkw-Ladestationen frei

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Michael Neißendorfer
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Die EU-Kommission gibt grünes Licht für die staatliche Unterstützung des Aufbaus von Lkw-Schnellladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen. Das genehmigte Fördervolumen beträgt bis zu 1,6 Milliarden Euro. Damit kann der vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) vorangetriebene Aufbau öffentlicher Schnellladepunkte für batterieelektrische Lkw auf bundeseigenen Flächen nun konkret umgesetzt werden. Die Entscheidung der EU-Kommission bildet die Grundlage für den ersten Umsetzungsschritt beim Aufbau eines bundesweiten, leistungsfähigen Lkw-Schnellladenetzes entlang der Autobahnen.

„Mit der Schnellladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Autobahnen schaffen wir einen verlässlichen Einstieg in das öffentliche Laden für schwere E-Lkw. Wir setzen dort an, wo der Bund unmittelbar Verantwortung trägt, und sorgen so für Planungssicherheit und Tempo beim Hochlauf. Die Entscheidung der EU-Kommission ermöglicht es uns, diesen ersten, entscheidenden Ausbauschritt zügig zu realisieren“, kommentiert Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr.

Das BMV setzt den Aufbau gemeinsam mit der Autobahn GmbH des Bundes und der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH um. Der Fokus liegt zunächst auf unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen. Der Aufbau von Lkw-Schnellladeinfrastruktur auf den weiteren Standorten des Lkw-Schnellladenetzes an den bewirtschafteten Rastanlagen ist künftig ebenfalls vorgesehen.

Insgesamt ist an den unbewirtschafteten Rastanlagen der Aufbau von bis zu 725 CCS-Ladepunkten und bis zu 685 MCS-Ladepunkten vorgesehen, die auf die Anforderungen des schweren Nutzfahrzeugverkehrs zugeschnitten sind:

  • CCS (Combined Charging System) ist ein europaweit etablierter Schnellladestandard, der bereits heute von vielen batterieelektrischen Lkw genutzt wird.
  • MCS (Megawatt Charging System) ist ein neuer Hochleistungsstandard, der Ladeleistungen im Megawattbereich ermöglicht und damit besonders kurze Ladezeiten im Fernverkehr erlaubt.

„Parallel zum erfolgreich laufenden Aufbau der Pkw-Schnellladeinfrastruktur sorgt die Autobahn GmbH jetzt auch für Lademöglichkeiten für schwere Nutzfahrzeuge auf unbewirtschafteten Rastanlagen“, erklärt Dr. Michael Güntner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes. „Unser Fokus liegt dabei auf einer nutzerfreundlichen, flächenoptimierten und verkehrssicheren Integration der Ladepunkte auf den Rastanlagen, um den besonderen Anforderungen des Schwerverkehrs gerecht zu werden. Eine zentrale Voraussetzung für den Betrieb der Ladeinfrastruktur sind außerdem die technisch anspruchsvollen Netzanschlüsse, die wir in enger Zusammenarbeit mit mehr als 90 Verteilnetzbetreibern realisieren.“

Vergabeverfahren für unbewirtschaftete Rastanlagen

Das Vergabeverfahren für den Aufbau der Lkw-Schnellladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen wurde im September 2024 gestartet und wird von der Autobahn GmbH des Bundes durchgeführt. Konkret sollen an 124 unbewirtschafteten Rastanlagen die Ladepunkte errichtet und betrieben werden. Vorgesehen sind drei Ladeoptionen: Ad-hoc-Laden, vertragsbasiertes Laden über Elektromobilitätsdienstleister (EMP) sowie vertragsbasiertes Laden per Durchleitung, um Wettbewerb zu stärken und dem Risiko überhöhter Ladepreise vorzubeugen.

Die genehmigte Unterstützung dient zugleich der Umsetzung europäischer Ausbauziele (AFIR-Verordnung) sowie der Clean Transport Corridor Initiative der EU-Kommission für einen europaweiten batterieelektrischen Straßengüterverkehr auf den TEN-V-Korridoren bis 2030.

„In Deutschland gibt es den Daten der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur zufolge derzeit 64 öffentlich zugängliche Lkw-Ladestandorte – das ist ein Start. Was bislang fehlt, ist die Flächendeckung. Damit der E-Lkw für den Transport- und Logistiksektor wirtschaftlich attraktiv wird, muss auch das öffentliche Ladenetz insbesondere an den Autobahnen schnell, zuverlässig und mit hoher Leistung skalieren“, sagt Dagmar Fehler, CEO und Sprecherin der NOW GmbH. „Genau deshalb ist der Aufbau an unbewirtschafteten Rastanlagen ein zentraler erster Schritt: Er schafft Planungs- und Investitionssicherheit und beschleunigt den Markthochlauf.“

Quelle: BMV – Pressemitteilung vom 17.12.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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