T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

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Tobias Stahl
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Weder die Beschäftigten noch politische Vorgaben aus Brüssel tragen die Verantwortung für die aktuelle Krise der deutschen Autoindustrie – sondern die Mitglieder der Vorstandsetagen selbst. Zu diesem Schluss kommt Sebastian Bock, Geschäftsführer der Umwelt- und Verkehrsorganisation Transport & Environment (T&E), in einem Meinungsbeitrag, der Anfang August zunächst in der Frankfurter Rundschau erschienen war.

Bock erteilt in seinem Text zwei populären Erzählungen eine Absage, die sich nach Ansicht des T&E-Chefs derzeit in Vorstandsetagen und Teilen der Berliner Politik verfestigen. Die erste Erzählung, der Bock sich annimmt, ist die Forderung nach Zugeständnissen seitens der Belegschaft: Mercedes-Chef Ola Källenius hatte im Juni angekündigt, dass künftig für gleiches Geld mehr gearbeitet werden solle. Die zweite Erzählung dreht sich um den Blick nach Brüssel: Die EU-Kommission hätte mit der Einführung von CO2-Flottengrenzwerten und dem geplanten Verbrenner-Aus 2035 die Industrie in eine Transformation gezwungen, für die sie nicht bereit gewesen sei.

„Beide Behauptungen halten einer Prüfung nicht stand“, schreibt Bock. „Diese Krise ist hausgemacht. Aber nicht am Montageband und nicht in Brüssel, sondern in den Chefetagen in Wolfsburg, München und Stuttgart.“

Gewinne aus den Rekordjahren gingen vor allem an Aktionäre

Bock verweist in seiner Argumentation auf die Rekordjahre der Branche, die noch nicht allzu lange her sind: 2023 hätten die europäischen Autobauer rund 100 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, mehr als 40 Prozent der weltweiten Gewinne der Autoindustrie. Möglich geworden sei dies durch eine bewusste Verknappung der Stückzahlen im Zuge der Chipkrise sowie eine zweifelhafte Preisstrategie: Von den rund 6800 Euro, um die Neuwagen in Frankreich sich zwischen 2020 und 2024 im Durchschnitt verteuert haben, entfiel demnach nur ein Viertel auf gestiegene Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten. Drei Viertel gingen hingegen auf höhere Margen und eine stärkere Konzentration auf Premiummodelle zurück. Das Ergebnis: 1974 kostete ein durchschnittlicher Neuwagen etwa fünf deutsche Monatsgehälter – 2024 hingegen schon zehn bis zwölf Monatsgehälter.

Die so erzielten Gewinne seien Bock zufolge nicht in die Elektromobilität geflossen, sondern in Dividenden. Mercedes-Benz habe 2024 die höchste Dividende aller DAX-Konzerne ausgeschüttet, Volkswagen habe zwischen 2021 und 2023 rund 22 Milliarden Euro an Aktionäre ausgezahlt. Im Verhältnis zu ihren Gewinnen hätten europäische Hersteller deutlich weniger investiert als die Konkurrenz aus China, Japan oder den USA – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der chinesische Hersteller günstige, technisch mindestens konkurrenzfähige E-Autos entwickelten.

T&E: EU-Flottengrenzwerte als Motor für das Volumensegment

Bock sieht in dieser Preis- und Modellpolitik den zentralen Grund für die aktuelle Absatzschwäche. Der T&E-Chef verweist auf eine Verbraucherbefragung von Deloitte, laut der mehr als die Hälfte der Befragten für das nächste Auto weniger als 30.000 Euro ausgeben will. Damit zielen Verbraucher auf die Segmente, die deutsche Premiumhersteller bewusst verlassen oder nie belegt hätten. Auch die neu aufgelegte E-Auto-Kaufprämie werde überproportional von chinesischen Herstellern in Anspruch genommen, mahnt Bock. Auf ausländischen Märkten, gerade in China, fehlten den deutschen Herstellern hingegen schlicht die bezahlbaren Elektromodelle, die dort inzwischen den Volumenmarkt dominieren.

Die Politik der Europäischen Union ist laut dem T&E-Chef keine Bremse für die Industrie, sondern entpuppt sich als Beschleuniger: „Dass auch europäische und deutsche Hersteller nun endlich im so wichtigen Volumensegment tätig werden, passiert nicht trotz, sondern wegen der Brüsseler Flottengrenzwerte“, so Bock weiter. T&E hatte diese These im Juli mit einer Studie untermauert, laut welcher der Durchschnittspreis neuer Elektroautos in Europa unter dem Druck der strenger werdenden CO2-Ziele um 1800 Euro gesunken sei.

Quelle: Transport & Environment – Meinung: Wie die Belegschaften die Rechnung der Vorstände zahlen

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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