T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern
Copyright:

Shutterstock / 2287489099 (Symbolbild)

Tobias Stahl
Tobias Stahl
  —  Lesedauer 3 min

Elektro-Lkw sind auf dem Vormarsch – aber europäische Hersteller laufen Gefahr, bis 2030 rund ein Viertel des hiesigen Marktes an neue Wettbewerber aus China und den USA zu verlieren, wenn sie die Elektrifzierung nicht beschleunigen. Zu dieser Erkenntnis kommt die Umwelt- und Verkehrsorganisation Transport & Environment (T&E) in Rahmen einer aktuellen Analyse.

Lokal emissionsfreie Lkw machten in Europa im vergangenen Jahr 5,6 Prozent der Verkäufe aus – und somit rund doppelt so viel wie noch ein Jahr zuvor. T&E nennt die seit Juli 2025 geltenden CO2-Vorgaben für Lkw in Kombination mit sinkenden Batteriepreisen als zentrale Wachstumstreiber. In einigen Märkten, darunter Norwegen, Schweden und die Niederlande, liegt der Anteil elektrischer Lkw an den Verkäufen demnach bereits bei über 15 Prozent.

Zwar bieten europäische Hersteller inzwischen ein breiteres Angebot an E-Lkw zu besseren Preisen – sie haben jedoch auch mit zunehmender Konkurrenz zu kämpfen, da zahlreiche Modelle aufstrebender Anbieter kurz vor dem Marktstart stehen, so T&E. Weiter warnt die Organisation: Wer jetzt bei der Elektrifizierung zögere und gleichzeitig auf eine Aufweichung der bestehenden CO2-Vorgaben dränge, öffne den neuen Wettbewerbern die Tür.

Kostensenkungen von 12 Prozent stehen schmalen Gewinnmargen gegenüber

Die Analyse betrachtet vor allem die Wirtschaftlichkeit von E-Lkw in Form der Gesamtbetriebskosten als zentralen Entscheidungsfaktor für das Speditionsgeschäft. Nach Berechnungen von T&E könne ein E-Lkw aus chinesischer Produktion die Gesamtkosten gegenüber einem vergleichbaren europäischen Fahrzeug um rund 12 Prozent senken. Über eine Haltedauer von fünf Jahren entspreche das Einsparungen von bis zu 43.000 Euro.

Die Verkehrsorganisation führt ein deutsches Transportunternehmen als Rechenbeispiel an: Entscheidet das Unternehmen sich für einen E-Lkw eines neuen Anbieters, sinken die Kosten inklusive Restwert von 0,63 auf 0,55 Euro pro Kilometer. Diese Kostensenkungen von zehn Prozent und mehr können allerdings den Ausschlag in einer Branche geben, in der die Gewinnmargen üblicherweise nur 1,5 bis 2 Prozent betragen.

Trotz der niedrigeren Preise stehen die neuen Anbieter ihren europäischen Konkurrenten auch technisch kaum nach, so T&E. Bei zentralen Kennzahlen wie Reichweite, Ladezeit, Energieeffizienz und maximale Nutzlast erreichten die E-Lkw der neuen Wettbewerber aus China oder den USA demnach vergleichbare Werte.

T&E: Merz muss sich für Dekarbonisierung einsetzen, wenn er eine weitere Krise abwenden will

Auch die gegenwärtige Zusammensetzung des Marktes sorgt laut T&E dafür, dass jüngere Hersteller den etablierten Herstellern in Europa gefährlich werden könnten. Der europäische Markt für schwere Lkw umfasst rund 245.000 Fahrzeuge pro Jahr und wird aktuell von einer kleinen Gruppe von Traditionsherstellern dominiert: DAF, Daimler Truck, Iveco, Traton und Volvo. Diese Konzentration bedeutet nach Einschätzung von T&E, dass preislich und qualitativ konkurrenzfähige neue Anbieter schnell einen großen Teil des Marktes erobern könnten. Basierend auf den von den neuen Herstellern selbst gesteckten Zielen könnten diese bis 2030 bis zu 25 Prozent des Marktes für schwere E-Lkw übernehmen.

„Wettbewerbsfähige E-Lkw aus China und den USA kommen bereits auf den europäischen Markt, weitere Modelle sind angekündigt. In diesem kritischen Moment sollten die Lkw-Hersteller aus den Fehlern der Automobilindustrie lernen“, warnt Johanna Braun, Managerin E-Mobilität Lkw und Infrastruktur bei T&E Deutschland. „Die Elektrifizierung jetzt zu bremsen, würde den Wettbewerbern aus den USA und China den Weg frei machen. Sie könnten in Europa und weltweit einen erheblichen Marktanteil gewinnen.“

Der Wettlauf um die Marktführerschaft bei E-Lkw sei in vollem Gange und Bundeskanzler Merz sollte sich auf europäischer Ebene für ambitionierte Dekarbonisierungsziele einsetzen, „wenn er verhindern will, dass im Lkw-Sektor eine ähnliche Krise folgt, wie wir sie gerade bei den Autoherstellern sehen“, so Braun weiter.

Quelle: Transport & Environment – Pressemitteilung vom 10.09.2026

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Tobias Stahl

Tobias Stahl

Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

PwC: Einführungsphase des Elektroautos ist abgeschlossen

PwC: Einführungsphase des Elektroautos ist abgeschlossen

Sebastian Henßler  —  

PwC sieht die Einführungsphase des Elektroautos als abgeschlossen an und hält es für möglich, dass in zwei Jahren jeder zweite Neuwagen elektrisch fährt.

Beim Autokauf wird die Marke zunehmend zur Nebensache

Beim Autokauf wird die Marke zunehmend zur Nebensache

Daniel Krenzer  —  

Beim Autokauf zählen Preis und Technik zunehmend mehr als die Marke. Eine Bain-Studie zeigt, warum davon auch chinesische Hersteller profitieren könnten.

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Daniel Krenzer  —  

Chinesische Automobilhersteller könnten bis 2035 den Weltmarkt dominieren. Eine KPMG-Studie zeigt, wie sich die globale Rangordnung verändern dürfte.

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

Daniel Krenzer  —  

Laut ICCT könnte eine Lockerung der EU-CO₂-Vorgaben bis 2035 rund 185.000 Arbeitsplätze kosten. Besonders betroffen wäre die deutsche Automobilindustrie.

Kundenzufriedenheit: Xpeng bleibt bei E-Auto-Fahrern vorn

Kundenzufriedenheit: Xpeng bleibt bei E-Auto-Fahrern vorn

Daniel Krenzer  —  

Xpeng bleibt Spitzenreiter bei der E-Auto-Zufriedenheit 2026. Tesla holt auf, Škoda überrascht. Die Uscale-Studie zeigt Gewinner und Verlierer.

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

Daniel Krenzer  —  

Eine Ayvens-Auswertung zeigt: Gebrauchte E-Autos haben nach durchschnittlich 55.000 Kilometern noch 95,5 Prozent Batteriekapazität.

Frankreich liegt beim Elektro-Anteil klar vor Deutschland

Frankreich liegt beim Elektro-Anteil klar vor Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Deutschland kam im September auf einen Elektro-Anteil von 34,6 Prozent, Frankreich sogar auf 41,7 Prozent. Beide Märkte liegen damit über dem Europaschnitt.