Der Kia PV5 sieht ein wenig so aus, als hätten sich Kleinbus, Elektroauto und rollendes Wohnzimmer auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt. Und tatsächlich ist das erste modulare E-Auto von Kia vor allem eines: erstaunlich praktisch. Wir waren mit dem PV5 Passenger mit 71,2-kWh-Akku, 120 kW (163 PS) und Frontantrieb unterwegs. Unser Testwagen in der Ausstattung Elite ohne dritte Sitzreihe kommt inklusive einiger Extras wie Wärmepumpe, Power- und Smart-Paket auf 48.990 Euro.
Dabei ist der PV5 mit 4,70 Metern Länge gar nicht einmal besonders lang. Ohne Außenspiegel misst er 1,90 Meter in der Breite, mit ausgeklappten Spiegeln sind es allerdings rund 2,26 Meter – eine Zahl, die während unseres Tests leider noch eine ganz praktische Bedeutung bekommen sollte.

Folgende Dinge sind uns im Alltag besonders aufgefallen:
Die Pluspunkte des Kia PV5
Das Raumangebot: Wer viel Platz braucht, dürfte am PV5 schnell Gefallen finden. Schon bei aufgestellter Rückbank herrscht im Fond üppige Bewegungsfreiheit, hinter den fünf Sitzen stehen laut Kia bis zu 1330 Liter Gepäckraum zur Verfügung. Noch beeindruckender als die nackten Literzahlen ist aber, wie luftig sich das Auto innen anfühlt.
Dazu kommen erstaunlich viele und zudem gut organisierte Ablagen. Smartphone, Trinkflaschen, Schlüssel, Kabel, Kinderspielzeug und der übliche Kleinkram einer Familienfahrt finden irgendwo einen Platz. Gerade im Fahrerbereich merkt man, dass Kia den PV5 nicht einfach als großen Pkw gedacht hat, sondern als Fahrzeug, in dem Menschen auch arbeiten und viel Zeit verbringen können.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis: Knapp 49.000 Euro sind selbstverständlich viel Geld. Gemessen an Raumangebot, Batteriegröße und Ausstattung wirkt unser Testwagen dennoch fair kalkuliert. Zumal der PV5 bereits mit 71,2-kWh-Akku bis zu 412 Kilometer WLTP-Reichweite bietet und Kia für diese Variante 120 kW Leistung sowie 250 Nm Drehmoment angibt. Wer maximale Premiumanmutung sucht, wird anderswo glücklicher. Wer möglichst viel Elektroauto fürs Geld und vor allem fürs Volumen sucht, bekommt dagegen einiges geboten.
Der Verbrauch: Auch energetisch verlangt die große Schrankwand keinen übertriebenen Tribut. Über unseren Testzeitraum kamen wir bei sommerlichen Temperaturen auf 20,8 kWh je 100 Kilometer. Bei flotter Autobahnfahrt stieg der Verbrauch auf bis zu 24,5 kWh, bei konstantem Tempo um 110 km/h ließ sich der PV5 hingegen auch unter 20 kWh je 100 Kilometer bewegen. Im Stadtverkehr waren auch Werte unterhalb von 15 kWh drin.
Für ein fast 1,90 Meter hohes Fahrzeug mit entsprechend großer Stirnfläche ist das ein ordentliches Ergebnis. Den offiziellen WLTP-Wert von 19,3 kWh/100 km haben wir zwar nicht ganz erreicht, Welten liegen aber auch nicht dazwischen.
Das Fahrverhalten: Vielleicht die größte Überraschung des Tests. Der PV5 sieht nach Lieferwagen aus, fährt sich aber erstaunlich wenig danach. Gerade wer klassische Verbrenner-Transporter kennt, dürfte sich wundern, wie leichtfüßig ein solches Fahrzeug unterwegs sein kann.
Der Elektroantrieb reagiert spontan, der tiefe Schwerpunkt hilft in Kurven, und mit einem Wendekreis von rund elf Metern lässt sich der PV5 erstaunlich entspannt durch Städte und Parkhäuser dirigieren. Natürlich wird aus ihm kein Sportwagen. Aber wendig und beinahe agil sind Begriffe, die man diesem Fahrzeugtyp beim ersten Blick kaum zugetraut hätte.

Die Minuspunkte des Kia PV5
Die Innenraummaterialien: Woher das gute Preis-Leistungs-Verhältnis teilweise kommt, lässt sich ertasten. Im Innenraum findet sich reichlich Kunststoff, von dem manches eher robust als hochwertig wirkt. Wer knapp 50.000 Euro für einen Pkw ausgibt, könnte sich an einigen Stellen mehr wertige Oberflächen wünschen.
Mit Kindern lässt sich daraus allerdings auch ein Vorteil ableiten: Wo kein Klavierlack und keine empfindliche Premiumoberfläche verbaut ist, muss man auch weniger nervös werden, wenn Schuhe, Spielzeug oder klebrige Finger ihre Spuren hinterlassen. Kia selbst hebt die auf intensive Nutzung ausgelegten, leicht zu reinigenden Materialien ausdrücklich hervor.
Die Ladeleistung: Einen Langstreckenmeister macht die vergleichsweise sparsame Fahrweise aus dem PV5 dennoch nicht. Kia setzt auf ein 400-Volt-System und nennt für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent rund 30 Minuten, was gut vorkonditioniert im Sommer auch in etwa hinkommt. Das ist brauchbar, angesichts immer schneller ladender Elektroautos aber kein Glanzwert.
Hinzu kommt eine kleine Besonderheit des Nasenladers. Der Ladeanschluss sitzt vorne, was besonders an Wallboxen angenehm sein kann. Bei einzelnen öffentlichen Schnellladern mit kurzen Kabeln muss der PV5 allerdings so abgestellt werden, dass sein Heck ziemlich weit aus der Parkbucht herausragt. Kein Drama – aber eine jener Kleinigkeiten, die einem erst im Alltag begegnen.
Die eingeschränkte Variabilität: Ausgerechnet beim großen Raumangebot verschenkt Kia Potenzial. Die Rückbank des Fünfsitzers lässt sich nicht längs verschieben. Das wäre gerade bei einem Fahrzeug, das so offensiv mit seiner Variabilität spielt, praktisch gewesen: mal mehr Beinfreiheit, mal mehr Kofferraum.
Noch störender wird es beim Umklappen. Zwar wächst der nutzbare Innenraum gewaltig, doch hinter den umgelegten Sitzen entsteht eine deutlich erhöhte Stufe. Wer beispielsweise Fahrräder, größere Möbel oder eine improvisierte Schlafmöglichkeit transportieren beziehungsweise einbauen möchte, bekommt damit keinen durchgehend ebenen Ladeboden. Das Raumangebot ist also hervorragend – seine Nutzbarkeit könnte noch konsequenter sein.
Und dann war da noch der Außenspiegel: Der PV5 ist wie erwähnt nur 4,70 Meter lang und damit kürzer als so manche große Limousine. In der Breite sieht die Sache anders aus. Rund 2,26 Meter mit Außenspiegeln können in engeren Tiefgaragen plötzlich sehr viel Auto sein.
Das musste leider auch unser rechter Außenspiegel feststellen, der während des Testzeitraums unsanfte Bekanntschaft mit einer Säule machte, während wir uns zu sehr darauf konzentrierten, beim rückwärts rangieren nicht links vorne hängen zu bleiben. An dieser Stelle daher eine ausdrückliche Entschuldigung an Kia. Immerhin können wir nach diesem unfreiwilligen Praxistest bestätigen: Bei den Abmessungen sollte man nicht nur auf die überraschend kompakte Länge schauen.

Fazit
Der Kia PV5 ist eines dieser Elektroautos, deren Vorteile sich weniger im Datenblatt als nach einigen Tagen Alltag erschließen. Er bietet enorm viel Platz, zahllose Ablagen, einen überraschend vernünftigen Verbrauch und ein für diese Fahrzeugklasse erstaunlich agiles Fahrgefühl. Gerade Familien oder Menschen mit regelmäßig großem Transportbedarf bekommen für ihr Geld sehr viel Auto.
Perfekt ist das Konzept noch nicht. Die eher einfachen Materialien muss man mögen, beim Schnellladen gibt es inzwischen deutlich bessere Elektroautos, und ausgerechnet die nicht verschiebbare Rückbank sowie der gestufte Ladeboden schränken die ansonsten beeindruckende Variabilität ein.
Unterm Strich überwiegen die Vorteile aber deutlich. Der PV5 zeigt vor allem, welchen Unterschied ein von Anfang an elektrisch gedachtes Fahrzeugkonzept bei einem Van machen kann: Statt behäbigem Transportergefühl – wie es schon EAN-Herausgeber Sebastian Henßler für die Cargo-Version feststellte – gibt es viel Platz ohne unnötig ausufernde Länge, einen genügsamen Elektroantrieb, ein ordentliches Infotainment (nur die Anzeige der Totwinkelkamera fällt im Hyundai-Gruppen-Vergleich eher klein aus) und überraschend viel Leichtigkeit beim Fahren.
Transparenz-Hinweis: Das Testfahrzeug wurde uns von Kia für den Testzeitraum kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst die hier dargelegte ehrliche Meinung nicht.









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