Wie Kanada sein Verbrenner-Aus bis 2035 fördert

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Michael Neißendorfer
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Kanada hat sich zum Ziel gesetzt, die Neuzulassung von Verbrennern mehr und mehr einzuschränken und bis 2035 zu 100 Prozent nur noch emissionsfreie Fahrzeuge neu in den Markt zu bringen. Steven Guilbeault, Kanadas Minister für Umwelt und Klimawandel, hat hierfür ein konkretes Maßnahmenbündel vorgestellt, die Elektroautos beliebter machen und den Aufbau von Ladestationen beschleunigen sollen.

Kanada hat einige Zwischenschritte auf dem Weg zum rein elektrischen Neuwagenmarkt formuliert: 2026 soll der Marktanteil emissionsfreier Fahrzeuge 20 Prozent betragen, bis 2030 sollen mindestens 60 Prozent erreicht werden. Klingt alles machbar: Quebec und British Columbia, zwei der drei Einwohnerstärksten Provinzen des Landes, haben die 20-Prozent-Schwelle heute bereits überschritten, so die kanadische Regierung in einer aktuellen Mitteilung.

Um sein Ziel zu erreichen, führt Kanada auch ein Credit-System ein, das Autohersteller – vereinfacht ausgedrückt – für den Verkauf von Elektroautos belohnt und den Verkauf von Verbrennern bestraft. Unternehmen, die ihre Ziele nicht erreichen, generieren ein Defizit, das innerhalb von drei Modelljahren beglichen werden muss. Ein ähnliches System gibt es mit den Flottengrenzwerten auch in Europa.

Die kanadische Regierung möchte die Verfügbarkeit von Elektroautos im ganzen Land gewährleisten. Alle, die umsteigen wollen, sollen die Chance dazu bekommen. Außerdem möchte Guilbeault eine robuste Infrastruktur und Lieferketten für E-Autos aufbauen, die wiederum Arbeitsplätze sichern. So investiert das Land 1,2 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet knapp 820 Millionen Euro) bis 2029, um 84.500 öffentliche Ladesäulen zu installieren. Aktuell gibt es in Kanada gut 25.000 öffentliche Ladepunkte.

Bis zu 5000 Dollar und mehr für den Elektroauto-Kauf

Den Kauf von Elektroautos bezuschusst Kanada über das Incentives for Zero-Emission Vehicles (iZEV)-Programm mit bis zu 5000 kanadischen Dollar, umgerechnet gut 3500 Euro. Mehr als 300.000 Käufer haben dieses Angebot bereits wahrgenommen. Der staatliche iZEV-Zuschuss kann mit weiteren verfügbaren provinziellen bzw. territorialen Förderungen kombiniert werden, was den Kaufpreis von Elektroautos in den Preisbereich vergleichbarer Verbrenner drückt.

In ihrer Mitteilung rechnet die kanadische Regierung auf vor, wie viel Geld Endkunden durch den Umstieg auf ein Elektroauto sparen können: Nach 10 Jahren können die Gesamteinsparungen demnach erheblich sein, da Benzin und Diesel deutlich teurer sind als Strom. Eine Studie von Clean Energy Canada verglich die Gesamtbetriebskosten eines kompakten elektrischen Fließhecks, das 39.000 Dollar kostete, und ein vergleichbares Benzinmodell, das 30.000 Dollar kostete. Die Gesamtbetriebskosten für das Benzinfahrzeug über zehn Jahre hinweg wurden auf mehr als 80.000 Dollar beziffert, gegenüber weniger als 49.000 Dollar für das Elektroauto. Die Einsparung über zehn Jahre beträgt umgerechnet mehr als 21.000 Euro, also mehr als 2000 Euro pro Jahr.

Kanada bemüht sich zudem um eine möglichst umfassende Wertschöpfung im eigenen Land. Die Produktion von emissionsfreien Fahrzeugen, ihren Komponenten, einschließlich Batterien, und der Erwerb und die Raffination der kritischen Mineralien, die dafür notwendig sind, stellen enorme Chancen dar, die sich bereits für die kanadische Wirtschaft auszahlen, heißt es in der Mitteilung. Kanadas Automobilsektor ist demnach ein Schlüsselsektor seiner Wirtschaft: Er ist der zweitgrößte Exporteur, sichert gut 500.000 kanadische Arbeitsplätze und hat 2022 mehr als 14 Milliarden Dollar zur Wirtschaft des Landes beigetragen.

Seit 2020 hat Kanada mehr als 34 Milliarden Dollar an Investitionen in die Batterie- und Automobillieferkette getätigt. Dazu gehören unter anderem eine neue Batteriefabrik von Northvolt, die bei einer Investition von 7 Milliarden Dollar bis zu 3000 Arbeitsplätze bringen soll, und bis zu 13 Milliarden Dollar für das Projekt mit der Volkswagen-Tochter PowerCo in St. Thomas, Ontario, das schätzungsweise ebenfalls gut 3000 neue Arbeitsplätze schaffen wird. Im März 2022 sicherten sich die Regierung von Kanada und die Provinz Ontario ein 15-Milliarden-Dollar-Projekt zwischen Stellantis und LG Energy Solutions zur Herstellung von Elektroauto-Batterien und brachten 2500 neue Arbeitsplätze nach Windsor, Ontario.

Quelle: Government of Canada – Pressemitteilungen vom 19.12.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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