Schwedt: Ölkrise zeigt gefährliche fossile Abhängigkeit auf

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Michael Neißendorfer
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Die aktuellen Entwicklungen in der Raffinerie PCK Schwedt stehen nach Einschätzung des Automobilclubs ACE (Auto Club Europa) exemplarisch für die gefährliche Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieträgern. Ein im Auftrag des ACE erstelltes Factsheet zur Raffinerie zeigt: Der Stopp russischer Transitlieferungen von kasachischem Rohöl verschärft die Versorgungslage in Ostdeutschland erheblich, mit direkten Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher – nicht zuletzt durch den Spritpreis an der Tankstelle. Der ACE fordert deshalb einen deutlich schnelleren Abbau der Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen sowie mehr Tempo beim Ausbau klimafreundlicher Mobilitäts- und Energiealternativen.

Seit dem 1. Mai 2026 blockiert Russland die Durchleitung kasachischen Rohöls zur Raffinerie Schwedt. Bislang deckte dieser Versorgungsweg rund 20 Prozent der Rohölversorgung der einzigen Raffinerie im Nordosten Deutschlands ab. Können diese Mengen nicht kurzfristig ersetzt werden, droht ein Produktionsrückgang um etwa ein Viertel.

Die Auswirkungen wären unmittelbar an den Tankstellen und bei Heizölpreisen spürbar. Kraftstoffe müssten verstärkt aus anderen Regionen per Bahn oder Tanklastwagen nach Ostdeutschland transportiert werden – mit deutlich höheren Kosten. Gleichzeitig verschärft die weltweite Ölverknappung infolge der Blockade der Straße von Hormus die Situation zusätzlich. Bereits in den vergangenen Monaten stiegen die Preise für Rohöl, Diesel, Benzin und Kerosin massiv an.

Schwedt als Symbol für eine riskante Energieabhängigkeit

„Das Factsheet belegt schwarz auf weiß: Schwedt steht im Mittelpunkt einer globalen Versorgungskrise, die uns die Quittung für Jahrzehnte fossiler Abhängigkeit ausstellt“, kommentiert Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE. „Während die Politik mit Subventionen für E-Kerosin und Versprechen über polnische Öllieferungen lediglich Symptome bekämpft, fehlt weiterhin der klare politische Wille, den Ausstieg aus der Ölabhängigkeit konsequent anzugehen.“

Als besonders problematisch sieht der ACE die Vielzahl gleichzeitiger geopolitischer Risiken entlang der deutschen Ölversorgung. Deutschland importiert Rohöl unter anderem aus den USA, Libyen, Kasachstan und der Golfregion: alles Regionen mit erheblichen politischen oder strategischen Unsicherheiten. Gleichzeitig erschöpfen sich wichtige Fördergebiete wie die Nordsee zunehmend.

„Da hilft kein kurzfristiger Tankrabatt“

„Wenn ein Teil des kasachischen Öls wegbricht und gleichzeitig Lieferungen aus den USA, Libyen oder der Golfregion wackeln, hilft kein kurzfristiger Tankrabatt. Wir brauchen strukturelle Veränderungen – weg vom Öl, hin zu einer krisenfesten, bezahlbaren und elektrifizierten Mobilität. Das ist nicht nur Klimapolitik, sondern vor allem Verbraucher- und Versorgungsschutz“, so Sven-Peter Rudolph weiter.

Das Factsheet beschreibt die PCK Schwedt als zentrales Element der ostdeutschen Energieversorgung. Die Raffinerie versorgt große Teile Ostdeutschlands und Westpolens mit Diesel, Benzin, Heizöl und Kerosin.

Der ACE verweist darauf, dass die aktuellen Entwicklungen nicht nur ein kurzfristiges Versorgungsproblem darstellen, sondern Ausdruck eines grundsätzlichen Strukturproblems sind. Fossile Energieträger machen Verbraucherinnen und Verbraucher dauerhaft abhängig von geopolitischen Krisen, instabilen Lieferländern und unkalkulierbaren Preisentwicklungen.

Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen die Rechnung

Steigende Transportkosten für Ersatzlieferungen, globale Engpässe und politische Unsicherheiten wirken sich direkt auf die Preise an den Tankstellen und im Heizkeller aus, insbesondere in Ostdeutschland. Die Folge sind überdurchschnittlich steigende Regionalpreise für Diesel, Benzin und Heizöl.

Aus Sicht des ACE braucht es deshalb deutlich mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei der Elektrifizierung des Verkehrs sowie bei der Stärkung von Bus, Bahn und Radverkehr. Ziel muss eine krisenfeste, bezahlbare und unabhängige Mobilität sein.

Quelle: ACE – Pressemitteilung vom 26.05.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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