Green Economy: Jeder dritte neue Job ist grün

Green Economy: Jeder dritte neue Job ist grün
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Jede dritte im Jahr 2025 in Deutschland ausgeschriebene Stelle hatte einen Bezug zur Green Economy – Tendenz steigend. Im Jahr 2019 war es noch jede fünfte Stelle. Bei Stellen in der Industrie ist der Anteil sogar noch höher: 44 Prozent der hier ausgeschriebenen Stellen gehören zur Green Economy, also zu Bereichen wie Kreislaufwirtschaft, Energiewende sowie der Antriebs- und Verkehrswende. Die aktuelle Analyse des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung von 70 Millionen Online-Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025 zeigt: Wer Industriebeschäftigung im Strukturwandel sichern will, sollte die Nachhaltigkeitstransformation stärken.

Die Green Economy hat für Unternehmen in Deutschland eine zentrale Bedeutung. Im vergangenen Jahr haben die Arbeitgeber in diesem Bereich 2,9 Millionen Stellen ausgeschrieben – bei insgesamt 9,9 Millionen ausgeschriebenen Stellen in Deutschland. Sechs Jahre zuvor waren es lediglich 1,9 Millionen Stellen.

Dabei umfasst die Green Economy viel mehr als nur Wind-, Solar- oder Wasserkraft. Den größten Anteil hat mit 15,6 Prozent aller in Deutschland ausgeschriebenen Stellen die Kreislaufwirtschaft (1,5 Millionen Stellen). Sie umfasst den gesamten Produktlebenszyklus – von nachhaltigem Design und effizienter Produktion über Reparatur bis zu Wiederaufbereitung und Recycling. Dahinter folgen die Bereiche Umweltschutz und Verkehrswende. Erst an vierter Stelle liegt der „Klassiker“ Energiewende: Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien machen mit 345.000 ausgeschriebenen Stellen 3,5 Prozent aller Job-Anzeigen aus.

„Wenn Energie teuer und Rohstoffe knapp sind, werden Energiesparen und Recycling zum Wettbewerbsvorteil. Durch Investitionen und Beschäftigung in erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft sparen Unternehmen viel Geld und reduzieren die Abhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten“, kommentiert die Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung, Jana Fingerhut.

Grüne Jobs sichern Beschäftigung in der Industrie

Ein wesentlicher Treiber des Stellenwachstums ist die Industrie. 44 Prozent der Stellen, die 2025 hier ausgeschrieben wurden, weisen einen Bezug zur Green Economy auf. 2019 lag der Anteil noch bei nur 33 Prozent. Das zeigt, dass Berufe mit Nachhaltigkeitsbezug zunehmend Teil industrieller Zukunftsstrategien werden – und damit zum industriellen Erfolg beitragen. „Die grünen Berufe sind Teil der Beschäftigungssicherung im Strukturwandel der Industrie. Wer die Beschäftigung in der Industrie fördern will, sollte die Nachhaltigkeitstransformation stärken”, sagt der Bertelsmann-Arbeitsmarktexperte Gunvald Herdin.

Bertelsmann Stiftung

Wie stark gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen das Wachstum der Green Economy beeinflussen, zeigt die Entwicklung der Stellenausschreibungen in der Kreislaufwirtschaft. Bis zur Corona-Krise und dem Beginn des Ukraine-Krieges blieb die Anzahl der Jobs konstant. Erst 2023 führten Rohstoffknappheit und unterbrochene Lieferketten zu einem deutlichen Bedeutungszuwachs der Kreislaufwirtschaft. Umgekehrt sorgten der Einbruch der Autoindustrie und das Aus der Umweltprämie für Elektroautos im Dezember 2023 für einen Rückgang der Jobs der Verkehrswende.

„Die Entwicklung der Green Economy zeigt, wie stark politische Entscheidungen und geopolitische Krisen auf die deutsche Wirtschaft wirken. Wenn sich Investitionsbedingungen, Lieferketten oder Förderkulissen verändern, schlägt sich das unmittelbar in Unternehmen nieder – und damit auch in Beschäftigung und Qualifikationsbedarfen“, so Fingerhut.

Ostdeutschland ist stark in der Kreislaufwirtschaft

Die Green Economy ist auf dem gesamten Arbeitsmarkt in Deutschland gut verankert. Die Analyse des Jobmonitors auf Kreisebene zeigt aber auch, dass es regionale Schwerpunkte gibt. Jobs der Verkehrswende werden an den klassischen Automobilstandorten ausgeschrieben, insbesondere in Süddeutschland. Die Windenergie ist im Norden stark ausgeprägt, Solarenergie zunehmend im Südosten der Bundesrepublik. Green Finance und Nachhaltigkeitsberichterstattung haben besondere Relevanz in Ballungsräumen mit vielen Unternehmenshauptsitzen. Das Thema Energieeffizienz ist deutschlandweit Thema in einer Vielzahl von Branchen.

Die ostdeutschen Kreise sind besonders stark in der Kreislaufwirtschaft. Der dort seit Jahrzehnten laufende Strukturwandel zeigt sich unter anderem im Aufbau großer Forschungsstandorte für die industrielle Transformation. Solche Investitionen erhöhen regional die Bedeutung nachhaltiger Themen und wirken auch in andere Branchen hinein.

Quelle: Bertelsmann Stiftung – Pressemitteilung vom 20.05.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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