Der Kampf im Segment der kompakten E-SUVs ist in vollem Gange. Jetzt kommt mit dem Jeep Compass 4xe AWD ein Konkurrent dazu, der Fahrspaß, Platz und Geländegängigkeit bietet. Aber auch zu einem ordentlichen Preis.
Preisfrage: Was hat einen Schnabel und schmale Augenschlitze? Klingt nach einem Raubtier, ist aber die Formensprache vieler Elektro-SUVs. Alles schön und gut, aber wer aus dem asiatischen Einheitsbrei herausstechen will, wird in den USA fündig. Genauer gesagt beim Jeep Compass 4xe. Der kantige Crossover bringt optisch alles mit, was die Kult-Kraxler aus Toledo aus dem US-Bundesstaat Ohio auszeichnet: kantig-rustikales Design und natürlich den markanten Kühlergrill mit sieben Schlitzen. Unter dem traditionellen Geländewagen-Blechkleid schaut es anders aus.
Denn die dritte Generation des kompakten Crossovers steht nicht mehr auf der Small-Wide-4×4-Architektur, wie zum Beispiel der Jeep Renegade und der Fiat 500X, sondern auf der STLA-Medium-Plattform von Stellantis, die eine Weiterentwicklung der EMP2-Architektur ist. Damit ist der Jeep technisch mit Modellen wie dem Peugeot E-3008, dem Opel Grandland und dem neuen Citroën C5 Aircross verwandt. Also sind verschiedene Antriebsformen möglich. Angefangen vom Vollhybrid bis hin eben zum reinen Elektroantrieb.
Jeep Compass 4xe AWD: 276 kW treffen Geländetalent
Der Jeep 4xe profitiert von der moderneren Technik. Denn der 4xe ist nicht nur ein Elektro-Compass mit einem zweiten Motor. An der Vorderachse arbeitet eine elektrische Antriebseinheit mit 157 kW / 213 PS und 345 Newtonmetern Drehmoment. Hinten kommt eine speziell für Jeep entwickelte Maschine mit 132 kW / 179 PS und 232 Nm zum Einsatz. Die Systemleistung beträgt 276 kW / 375 PS.
Das Entscheidende an der Heckmaschine ist das enorme Drehmoment. Dank des integrierten 14:1-Untersetzungsgetriebes generiert die Antriebseinheit an der Hinterachse ein Raddrehmoment von bis zu 3100 Nm. Das hilft beim Kraxeln im Gelände, was ja Teil der Jeep-DNA ist. Selbst bei fehlender Traktion an den Vorderrädern meistert das System Steigungen von bis zu 20 Prozent. Außerdem lässt sich die Hinterachse über das Selec-Terrain-System präzise zuschalten, um den Grip auf Sand, Matsch oder Schnee zu maximieren.

Wenn es richtig zur Sache geht, steht der Modus 4WD Lock zur Verfügung, bei dem die Antriebskraft starr im Verhältnis 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt wird. Zudem liegt der 4xe zehn Millimeter höher als die übrigen Compass-Versionen: 28 Grad Böschungswinkel vorn, 31 Grad hinten, ein Rampenwinkel von bis zu 17 Grad und 480 Millimeter Wattiefe ermöglichen Spaß im Gelände. Da versteht es sich fast schon von selbst, dass die Hill Descent Control ebenfalls zum Paket gehört.
Ein Sonntagsausflug über Stock und Stein dürfte eher die Ausnahme sein. Aber haben ist besser als wollen. Die meiste Zeit wird der Compass 4xe auf Asphalt unterwegs sein. Und auch da macht er eine gute Figur. Klar könnte die Lenkung mitteilsamer sein und das Fahrwerk einen Schuss harmonischer abgestimmt sein, aber das ist nichts, was wirklich stört. Schließlich sitzen wir nicht in einem Sportwagen. Aber es geht flott um die Ecken. Das liegt an dem Allradantrieb.
Der Trick hinter dem neuen Allradsystem
Bisher arbeitete der 4xe im Grunde mit einer berechneten Drehmomentverteilung: Die Steuerung schickte ein bestimmtes Moment an Vorder- und Hinterachse und reagierte, wenn Schlupf entstand. Der neue elektrische 4xe dreht diese Logik mit der „Slip Target Control“ um. Das System bewertet die Fahrbahn, die Geschwindigkeit und den Fahrmodus, legt für beide Achsen ständig einen zulässigen Schlupf fest und dosiert das Drehmoment nach dem tatsächlich verfügbaren Grip. Also wartet der Compass nicht erst darauf, dass ein Rad deutlich durchdreht, sondern berechnet proaktiv, wie viel Kraft nötig ist. Das hilft im Gelände, aber eben auch in den Kurven.

Die beiden relevanten Fahrmodi sind Sport und Auto. Bei Letzterem stehen 90 Prozent der Spitzenleistung zur Verfügung. Sobald möglich, verabschiedet sich die Hinterachse vom Vortrieb, um so Energie zu sparen. Das funktioniert geschmeidig und reicht völlig für den Alltag. Selbst zügige Überholvorgänge sind kein Problem.
Im Sportfahrprogramm spannt das 2347 Kilogramm schwere Elektroauto spürbar die Muskeln an und gibt 100 Prozent Leistung frei. Der Antrieb ist mit einem Verhältnis von 30:70 heckbetonter als im neutraleren Automodus. Der Antriebsstrang reagiert zügiger auf die Befehle des Strompedals und die Rückstellkräfte der Lenkung erhöhen sich. Das spiegeln auch die Fahrwerte wider: Der Jeep 4xe absolviert den Standardsprint von null auf 100 km/h in 5,4 Sekunden, bei 180 km/h sagt die Elektronik „basta“. Der Spaß auf Landstraßen bleibt ungetrübt. Das Datenblatt weist einen WLTP-Durchschnittskonsum von 20,7 kWh/100 km auf, im Alltag dürfte der Stromdurst jedoch höher sein.
Dass der nicht zu schnell vorbei ist, dafür sorgt die Batterie mit einer Kapazität von 96,1 Kilowattstunden. So kommt der Compass 4xe mit einer Akkuladung bis zu 606 Kilometer weit. Beim Laden stellt der E-Jeep mit einer Zeit von 27 Minuten, um den Stromspeicher von 20 auf 80 Prozent zu füllen, zwar keine neuen Rekorde auf, ist aber noch schnell genug. Der serienmäßige Onboard-Lader schafft 11 kW, optional sind 22 kW möglich. Die Stärke der Rekuperation kann man mit den Schaltwippen am Lenkrad in drei Stufen definieren. Wer One-Pedal-Fahren bevorzugt, drückt einen Knopf in der Mittelkonsole. Dass die gesamte Leiste beim Drücken leicht nachgibt, ist zunächst ungewohnt. Die Bedienlogik ist klarer als bei anderen: Die Rekuperation ist nicht irgendwo im fünften Software-Untermenü versteckt.
Kein Bildschirm-Overkill im Innenraum
Im Innenraum setzt sich die Jeep-Attitüde fort. Wer eine Displayorgie mit unzähligen Software-Features sucht, sollte nach China schauen. Im Compass 4xe blickt man auf ein eher konventionelles Infotainment, das aber seinen Zweck locker erfüllt. Vor dem Fahrer sitzt ein 10-Zoll-Instrumentendisplay, in der Mitte ein sehr breiter 16-Zoll-Touchscreen. Auch das optionale Head-up-Display projiziert keine virtuelle Science-Fiction-Welt vor die Frontscheibe, macht seinen Job aber völlig ausreichend. Wer will, kann sein Smartphone per Apple CarPlay und Android Auto drahtlos in das Infotainment einbinden.

Der neue Compass ist 4,55 Meter lang und hat einen Radstand von 2,795 Metern. Das sorgt für ein luftigeres Raumgefühl und kommt vor allem den Fondpassagieren zugute, die sich über 20 Millimeter mehr Beinfreiheit als bisher freuen. Der Kofferraum hat ein Volumen von 550 Litern. Legt man die Lehnen der Rückbank um, wächst es auf 1561 Liter. Dazu kommen etliche Ablagen im Innenraum. Die Materialauswahl ist nicht perfekt. Oben und an den häufig berührten Stellen macht der Compass einen ordentlichen Eindruck, in den Türen findet sich aber teilweise Hartplastik. Aber das ist bei vielen Konkurrenten genauso der Fall.

Die Sitze sind bequem, könnten aber etwas mehr Seitenhalt bieten. Was aber für Familien wichtig ist, ist die Tatsache, dass die speziellen polyurethanbeschichteten Bezüge doppelt so haltbar wie herkömmlicher Stoff und leichter zu reinigen sein sollen. Beim Preis zeigt sich, dass es nicht günstig ist, einen besonderen Geschmack zu haben. Der Jeep Compass 4xe AWD startet bei 54.900 Euro.








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