Wie bei der Zahnbürste: Wie steht es um induktives Laden bei E-Autos?

Wie bei der Zahnbürste: Wie steht es um induktives Laden bei E-Autos?
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Porsche

Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 4 min

Vor rund zehn Jahren war das induktive Laden bei vielen Autoherstellern ein großes Zukunftsthema, das die Akzeptanz der Elektroautos steigern sollte. Doch es ist ruhig geworden um das entspannte Nachladen ohne Stecker – abgesehen von wenigen Ausnahmen.

Als BMW bei seinem 530e iPerformance Plug-in-Hybrid ab dem Modelljahr 2018 die Möglichkeit für ein induktives Laden in der eigenen Garage vorstellte, dachten viele, dass das Nachtanken ohne den lästigen Gebrauch von mitunter dreckigen oder schweren Steckern nebst Kabel der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen könnte. Doch BMW verabschiedete sich nach einer Testphase von der Sonderausstattung. Heute bieten weder der BMW 7er noch die Modelle der Neuen Klasse wie iX3 / i3 die Technik an, und auch beim kommenden BMW iX5 dürfte sich beim Thema Nachladen über eine kontaktlose Bodenplatte in Kundenhand kaum etwas tun.

Porsche ist mit seinem neuen Cayenne Electric einer der wenigen Serienhersteller, der das induktive Nachladen mit einem nennenswerten Engagement verfolgt. Denn im Zubehörkatalog des neuen Elektro-SUV ist auch eine Bodenplatte zu bekommen, die in der Garage oder Einfahrt verbaut, den Cayenne mit bis zu 11 kW nachladen kann. Dabei wird die elektrosierte Bodenplatte im Format 6 x 78 x 117 Zentimeter zentral vor der Vorderachse des parkenden SUV positioniert.

Porsche

„Frühere Lösungen benötigten noch zusätzliche Bauteile wie eine Wallbox“, erklärt Porsche-Produktmanager Simon Schulze. Ähnlich der Kommunikation zwischen Smartphone und Fahrzeug tauschen Elektro-Cayenne und Bodenplatte zur Initialisierung ihre Daten einschließlich Passwort aus. In die Bodenplatte ist dafür ein WLAN-Modul integriert, mit dem das Fahrzeug bei jeder weiteren Annäherung Kontakt aufnimmt. Jedoch hat das seinen Preis, und der ist wie bei Porsche üblich gesalzen, denn die Vorbereitung am Unterboden des Fahrzeugs und die Bodenplatte schlagen mit satten 7000 Euro zu Buche. Kaum anzunehmen, dass sich bei diesem Preis viele Kunden für die komfortable Lösung des Nachladens ohne Stecker am eigenen Haus entscheiden werden.

Während das Porsche das System bereits im Serientrimm anbietet, werkelt auch der Hyundai Konzern seit vielen Jahren an einer Lösung, seine Elektromodelle nicht obligatorisch über den üblichen Ladestecker betanken zu müssen. In den Vereinigten Staaten und auf dem Heimatmarkt Südkorea sind Modelle wie der Genesis GV60 und der Genesis G80 Electrified auf Wunsch mit einer werksseitig montierten Induktionsplatte zu bekommen, die die Modelle ebenfalls auf dem heimischen Parkplatz mit Energie versorgt. So bleiben die Hände beim Nachtanken sauber.

Die meisten Firmen, die sich mit dem Thema Induktionsladung von Fahrzeugen beschäftigen, setzen jedoch auf Flotten, Taxis oder Busdienste in Kommunen, da sich abseits der privaten Nutzung insbesondere deren fixen Haltepunkte für Induktionsplatten eignen. So testet Volvo, seit langem zum chinesischen Geely Konzern gehörig, seit längeren eine Flotte von EX40-Taxis, die an speziellen Warteplätzen mit bis zu 43 kW nachgeladen werden, ohne dass ein Ladestecker genutzt werden muss. Bereits ab 2013 gab es einen Modellversuch, bei dem eine Flotte von Volvo C30 Electric in Flandern per Induktion mit 20 kW aufgeladen wurde. „Beim induktiven Laden positioniert man das Fahrzeug einfach über einer Ladevorrichtung, und der Ladevorgang startet automatisch. Wir sind der Ansicht, dass dies einer der Faktoren ist, die die Kundenakzeptanz für elektrifizierte Fahrzeuge steigern können“, so der damalige Verantwortliche für elektrische Antriebssysteme im Hause Volvo, Lennart Stegland.

Auch der mit seinen zahlreichen Marken besonders breit aufgestellte Stellantis Konzern mit Herstellern wie Peugeot, Opel oder Fiat forscht seit Jahren am Thema induktives Laden, doch über einen Probebetrieb kam das Projekt bisher nicht heraus. Dabei geht es den Entwicklern weniger um das Nachtanken beim Parken, sondern während der Fahrt auf einer Straße mit unsichtbaren Induktionsschleifen. Auf der Consumer Electronic Show 2022 in Las Vegas stellte Stellantis mit dem Citroën Skate eine urbane Mobilitätslösung vor, die in Stadtzentren auf speziellen Fahrspuren verkehren kann. Autonom, elektrisch und über Induktion aufladbar, kann das Citroën Skate zumindest theoretisch nahezu rund um die Uhr arbeiten und sich bei Bedarf automatisch an speziellen Ladestationen aufladen.

Citroen-Skate-Autonome-Elektrofahrzeug-Plattform-Sightseeing
Citroën

Daran zweifeln jedoch die meisten Kommunen und auch viele Forschungseinrichtungen, weil die Kosten für eine entsprechende Infrastruktur kaum abzubilden seien. Wie beim Nachladen durch eine Bodenplatte in der Einfahrt, ist der hohe Preis das Problem, denn die Elektroautos verfügen obligatorisch über einen oder gar mehrere Ladestecker und so braucht es bereits am Fahrzeug keine Modifikationen am Unterboden.

Noch größer ist das Kostenproblem am Ladeport selbst, denn die heimischen Wallboxen sind in den vergangenen Jahren immer günstiger geworden und lassen sich mit wenig Aufwand verbauen. Ganz anders sieht es mit den Bodenplatten aus, die aufwendig installiert und auch gegen alle Witterungsbedingungen geschützt werden müssen. Diese Kosten gehen schnell in die mehrere Tausend Euro.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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