Volkswagens Energietochter Elli bringt Vehicle-to-Grid (V2G) in Deutschland zur Marktreife. Gemeinsam mit den Marken Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Cupra stellt das Unternehmen zur Fachmesse Power2Drive in München ein gebündeltes Produktpaket vor, das bidirektionales Laden erstmals als alltagstaugliches Angebot für Privatkunden zugänglich machen soll. Ab Messestart können sich Interessierte unverbindlich registrieren.
Das Paket besteht aus drei Komponenten: dem Elli BiDi Charger als DC-fähige Wallbox, dem Volkswagen Naturstrom V2G Flow Tarif sowie der Elli BiDi App zur Steuerung des Ladevorgangs. Nutzer:innen schließen ihr Fahrzeug zu Hause an die Wallbox an und legen über die App fest, wann das Auto mit welchem Mindestladezustand verfügbar sein soll. Die verbleibende Standzeit kann energiewirtschaftlich genutzt werden. Im ersten Vertragsjahr ist laut aktuellem Planungsstand ein Bonus von bis zu 720 Euro möglich.
Technische Grundlage ist die MEB-Plattform des Konzerns. Vorgesehen sind zunächst Fahrzeuge ab ID. Software 3.5 mit einer Batteriekapazität von mindestens 77 kWh sowie alle ID. Modelle mit ID. Software 6. Bereits heute befinden sich rund eine Million MEB-Fahrzeuge auf Europas Straßen, davon etwa 360.000 in Deutschland, die laut Konzern technisch für bidirektionales Laden vorbereitet sind.
Die Batterie als Baustein im Energiesystem
Vehicle-to-Grid beschreibt die Rückspeisung von Energie aus der Fahrzeugbatterie ins Stromnetz. Das Fahrzeug lädt nicht nur, sondern kann in definierten Zeitfenstern auch Energie abgeben. Für das Gesamtsystem entsteht dadurch Flexibilität, die angesichts des wachsenden Anteils von Wind- und Solarenergie an Bedeutung gewinnt. Konzernvorstand Thomas Schmall formuliert den Anspruch so: „Das Elektroauto wird Teil eines digitalen Energie- und Mobilitätssystems: Es kann Strom speichern, gesteuert laden, Energie zurückgeben und damit auch während der Parkzeit wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.“
Elli übernimmt dabei die Rolle des Energiemanagers: Das Unternehmen bündelt die verfügbaren Batteriekapazitäten, integriert sie in den Energiemarkt und vermarktet die Flexibilität. CEO Giovanni Palazzo beschreibt das Ziel als „vernetztes Energie-Ökosystem“, das einzelne Fahrzeugbatterien zu einem steuerbaren Verbund zusammenfasst, den Elli als virtuelles Kraftwerk bewirtschaften will. Für den technischen Betrieb greift Elli auf die FlexEngine-Plattform von The Mobility House Energy zurück, einem Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Vermarktung von Ladeflexibilität auf europäischen Energiemärkten.
Milliardenpotenzial, das bislang ungenutzt bleibt
Die wirtschaftliche Einordnung liefert Zahlen von Fraunhofer ISI und Fraunhofer ISE im Auftrag von Transport & Environment: Bidirektionales Laden könnte die jährlichen Systemkosten in Europa bis 2040 um bis zu 22 Milliarden Euro senken, kumuliert bis 2040 wären es rund 175 Milliarden Euro. Allein in Deutschland wurden 2024 etwa 9374 GWh erneuerbare Energie abgeregelt, weil Netz und Speicher fehlten. Diese Energiemenge hätte rechnerisch ausgereicht, um rund drei Millionen batterieelektrische Fahrzeuge ein Jahr lang zu betreiben.
Perspektivisch sollen weitere Konzernmarken und Märkte folgen, darunter Frankreich und Großbritannien, sobald technische und regulatorische Voraussetzungen erfüllt sind. Das langfristige Zielbild geht über das Heimladen hinaus: Elli will neben Fahrzeugbatterien auch zentrale und dezentrale Speicher bündeln und als aggregiertes virtuelles Kraftwerk an Energiemärkten platzieren.
Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung / Fraunhofer ISE/ ISI – „Potential of a full EV-power-system integration in Europe & how to realise it“









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