Im Segment der elektrischen Kleinwagen wird es eng. Volkswagen startet den ID. Polo bei rund 25.000 Euro, Kia bringt den technisch verwandten EV2 auf den Markt, und weitere Wettbewerbsmodelle sind angekündigt. Parallel dazu wächst die Nachfrage: Im September erreichten Elektroautos fast 34,5 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland. Für die Automobilhersteller verschiebt sich damit die Frage, ob sich günstige E-Autos verkaufen lassen. Entscheidend ist nun, wie man sich in einem zunehmend dicht besetzten Feld behauptet, ohne die eigene Marge zu opfern.
Andreas Zürnstein, Deutschlandchef von Hyundai, hat sich in einem Interview mit electrified und der Autogazette zu genau diesen Punkten geäußert. Seine Marke kommt nach neun Monaten auf 71.400 Neuzulassungen, davon entfallen über 31 Prozent auf reine Elektroautos. Mit dem Inster hat Hyundai zudem früh ein Modell in der Preisklasse unter 25.000 Euro platziert, das per September auf 10.122 Neuzulassungen kommt und damit das erfolgreichste Elektromodell der Marke ist. Für Zürnstein ist das ein Beleg, “wie erfolgreich E-Mobilität sein kann, wenn es das richtige Angebot für die Kunden ist”. Nun folgt mit dem Ioniq 3 der nächste Baustein.
Das neue Modell soll die Position der Marke im elektrischen Kleinwagensegment ausbauen. Der Ioniq 3 “wurde in Deutschland entwickelt, zugeschnitten auf die Bedürfnisse europäischer Kunden”, erklärt Zürnstein. Er verbinde Reichweite, großzügiges Platzangebot und moderne Konnektivität mit einem Einstiegspreis von 28.950 Euro. Die Voraussetzungen, dass sich das Auto als relevante Größe im Markt etabliert, sieht der Deutschlandchef als gut an.
Auf die Frage, warum Käufer:innen mehr zahlen sollten als für den ID. Polo oder den über 2000 Euro günstigeren Kia EV2, verweist Zürnstein auf das bestehende Portfolio. Mit dem Inster sei Hyundai bereits seit 1,5 Jahren mit einem Einstiegs-E-Auto am Markt, “also lange vor dem Wettbewerb”. Der Ioniq 3 setze dagegen auf mehr Platz, mehr Reichweite, mehr Kofferraum und mehr Konnektivität und damit auf Alltagstauglichkeit. “Gemeinsam mit dem Inster haben Kunden bei uns die Wahl zwischen zwei E-Autos unter 30.000 Euro”, so Zürnstein.
Hyundai Ioniq 3: Zwei Akkus, ein klarer Favorit
Angeboten wird der Ioniq 3 mit zwei Batteriegrößen. “Beide Varianten werden ihre Käufer finden”, ist Zürnstein überzeugt. Die Version mit 42 kWh sei besonders attraktiv für preisbewusste Kund:innen und den Stadtverkehr. Mit 61 kWh und bis zu 497 Kilometern Reichweite richtet sich die größere Variante an Menschen mit längerem Fahrprofil.
Hyundai rechnet damit, dass sich rund 65 Prozent für den größeren Akku entscheiden. Als Besonderheit hebt Zürnstein hervor, dass beide Batteriegrößen bereits in der Einstiegsausstattung “Select” erhältlich sind, was beim Wettbewerb nicht der Fall sei. Damit biete die große Batterie Käufer:innen “so viel Reichweite für ihr Geld wie kein anderes Modell im Segment”.
Eine Konkurrenz im eigenen Haus sieht er nicht. Der Inster sei “eine echte Erfolgsgeschichte” und habe Hyundai bei kleinen Elektroautos stark positioniert. Auch die Förderanträge zeigten seine Relevanz, schließlich gehöre er zu den fünf Modellen mit den meisten Anträgen. “Der Ioniq 3 tritt nicht gegen ihn an, sondern ergänzt unser E-Auto-Angebot”, betont Zürnstein. Beide Modelle sollen unterschiedliche Kundengruppen erschließen und zusätzliches Volumen bringen.
Hohe Spritpreise lassen neu rechnen
Den eigenen BEV-Anteil von über 31 Prozent wertet Zürnstein positiv: “Dieser Anteil zeigt, dass unsere Strategie greift.” Hyundai liege beim Elektroanteil konstant über dem Gesamtmarkt, was er auf die Modellbreite zurückführt. Das Spektrum reicht vom Inster über Kona Elektro, Ioniq 5 und Ioniq 6 bis hin zu Ioniq 9 und Staria Elektro.
Mit dem Ioniq 3 komplettiere Hyundai nun das Angebot im elektrischen B-Segment und schaffe “die Basis für weiteres Wachstum”. Gemeinsam mit dem Staria Elektro erwartet Zürnstein weitere Impulse. “Ich denke, wir werden uns in Richtung 35 Prozent bewegen bis zum Jahresende”, sagt er mit Blick auf den eigenen E-Anteil.
Für den Gesamtmarkt rechnet der Hyundai-Manager ebenfalls mit Wachstum. “Der Septemberwert unterstreicht die aktuelle Dynamik”, erklärt er. Treiber seien mehr Modelle, eine attraktive Förderung sowie deutlich gestiegene Benzin- und Dieselpreise. Seit dem Frühjahr beobachte Hyundai eine stetig steigende Nachfrage, weshalb der Ioniq 3 aus seiner Sicht “genau zur richtigen Zeit” kommt.
Gerade die Kraftstoffkosten spielen dabei eine Rolle. “Viele Kunden rechnen wieder genauer”, so Zürnstein. Bei Benzinpreisen von rund 2,30 Euro pro Liter gewinne ein Strompreis von etwa 35 Cent pro Kilowattstunde deutlich an Bedeutung. Allein darauf will er den Trend jedoch nicht reduzieren. Reichweiten steigen, das Laden wird komfortabler, und das Angebot wächst in volumenstarken Segmenten. “Wenn Preis, Reichweite und Nutzwert zusammenpassen, entscheiden sich deutlich mehr Kunden für ein Elektroauto.”
Kein Rabattwettlauf mit China
Mit Blick auf die hohen Nachlässe chinesischer Wettbewerber zieht Zürnstein eine klare Linie. “Wettbewerb gehört zum Markt und spornt uns an, solange er fair ist”, sagt er. Eine Beteiligung am Preiskampf schließt er dennoch aus: “Wir werden uns aber nicht an einem kurzfristigen Rabattwettbewerb beteiligen, der Restwerte, Händlerprofitabilität und Kundenvertrauen beschädigt.”
Stattdessen setze Hyundai auf ein Gesamtpaket aus Produktqualität, Technologie, Preis-Leistungs-Verhältnis, Garantie sowie einem etablierten Händler- und Servicenetz. Gerade Letzteres dürfte gegenüber Marken, die ihre Vertriebsstrukturen in Europa erst aufbauen, ein Argument sein, das Zürnstein bewusst in den Vordergrund stellt.
Nach neun Monaten liegt Hyundai mit 0,9 Prozent knapp im Plus. Für das vierte Quartal erwartet Zürnstein zusätzlichen Schub durch den Marktstart des Ioniq 3. Begleitet wird dieser vom Endspurt für Tucson und Bayon, deren neue Generationen Anfang 2027 folgen sollen. “Das ist der Anfang unserer Produktoffensive”, erklärt der Deutschlandchef. Bis Ende 2027 will Hyundai mehr als 70 Prozent seines Verkaufsvolumens erneuert haben.
Quelle: electrified – Hyundai-Deutschlandchef: 35 Prozent E-Anteil bis Jahresende








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