Der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai treibt die Simulation klassischer Verbrennertechnik in seinen Elektroautos weiter voran. Nach künstlichen Gangwechseln, Motorengeräuschen und geplantem Auspuffknallen soll künftig auch die Motorbremse eines Verbrenners noch realistischer nachgebildet werden. Ein entsprechendes Patent beschreibt, wie das mithilfe der Rekuperation funktionieren könnte.
Hyundai arbeitet an einer Weiterentwicklung seiner virtuellen Gangschaltung für Elektroautos. Wie Chip sowie Auto Motor und Sport berichten, beschreibt eine neue Patentanmeldung eine künstliche Motorbremsfunktion, die beim Herunterschalten das typische Verzögerungsverhalten eines Verbrennungsmotors imitieren soll. Technisch kommt das System ohne zusätzliche mechanische Komponenten aus. Stattdessen steuert die Software das Bremsmoment des Elektromotors und erhöht beim simulierten Herunterschalten gezielt die Rekuperation. Das Fahrzeug verzögert dadurch stärker, während gleichzeitig Bewegungsenergie zurück in die Batterie gespeist wird.
Ausgelöst wird die Funktion über Schaltwippen am Lenkrad. Die Software soll dabei abhängig vom gewählten virtuellen Gang unterschiedliche Schleppmomente erzeugen. So könnte sich das Herunterschalten ähnlich anfühlen wie bei einem Fahrzeug mit klassischem Schaltgetriebe.
Bekanntes Konzept wird weiterentwickelt
Bereits im Hyundai Ioniq 5 N kommt mit N e-Shift eine virtuelle Achtgangschaltung zum Einsatz. Sie simuliert Gangwechsel einschließlich der charakteristischen Zugkraftunterbrechungen und arbeitet mit künstlichen Motorgeräuschen zusammen. Auch unterschiedliche Motorbremswirkungen werden bereits nachgebildet. Die neue Entwicklung soll diese Simulation offenbar weiter verfeinern. Hyundai verfolgt damit das Ziel, insbesondere sportlich orientierte Fahrer anzusprechen, die beim Umstieg auf ein Elektroauto vertraute Rückmeldungen aus der Verbrennerwelt vermissen.
Dabei geht der Hersteller sogar noch weiter: Wie bereits im Juni berichtete, plant Hyundai für künftige sportliche N-Modelle unter anderem künstliche Leerlaufgeräusche, Vibrationen und sogar simuliertes Auspuffknallen. Entwicklungschef Manfred Harrer verteidigte die ungewöhnlichen Funktionen damals mit dem Argument, dass solche Spielereien den Kunden gefallen würden.
Technisch unnötig, aber möglicherweise verkaufsfördernd
Aus technischer Sicht benötigen Elektroautos weder synthetischen Motorensound, eine Gangschaltung noch eine künstliche Motorbremse. Die Verzögerung beim Loslassen des Fahrpedals lässt sich über die Rekuperation ohnehin gezielt steuern. Die neue Funktion dient deshalb vor allem dazu, das Fahrerlebnis eines Verbrenners möglichst authentisch nachzubilden.
Ob und wann die patentierte Weiterentwicklung tatsächlich in Serienfahrzeugen eingesetzt wird, ist noch offen. Eine Einführung im Ioniq 5 N oder künftigen N-Modellen erscheint technisch naheliegend, wurde von Hyundai bislang aber nicht angekündigt.
Die Frage bleibt, wie viel Verbrennergefühl ein Elektroauto überhaupt braucht. Wenn solche optionalen Funktionen eingefleischte Sportwagenfans zum Umstieg bewegen, können sie durchaus sinnvoll sein. Die eigentlichen Stärken des Elektroantriebs – unmittelbare Leistungsentfaltung, hohe Effizienz und leises Fahren – benötigen diese künstlichen Effekte allerdings nicht. Der Großteil der Elektroauto-Fahrer wird auf solche Spielereien getrost verzichten können.
Quelle: CHIP – Nach der künstlichen Schaltung bringt Hyundai jetzt auch Fake-Motorbremse ins E-Auto; Auto Motor und Sport – Hyundai entwickelt Motorbremse wie beim Verbrenner








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