Hamburg bleibt trotz HVO-Verbrennern E-Bus-Spitzenreiter

Hamburg bleibt trotz HVO-Verbrennern E-Bus-Spitzenreiter
Copyright:

MAN

Arun Niemann
Arun Niemann
  —  Lesedauer 3 min

Auf den Straßen der Hansestadt sind inzwischen über 700 E-Busse im Einsatz. Das macht Hamburg laut einer aktuellen Studie bundesweit zum Spitzenreiter in der Elektrifizierung des Bus-Betriebs. Doch trotz dieses innerdeutschen Rekordes hält das größte Hamburger Verkehrsunternehmen Hochbahn weiterhin auch an Verbrennerbussen fest. Dabei sorgt vor allem die Art des Betriebs der Verbrennerbusse für einige Kontroversen.

Bei der Hochbahn waren im Juni 2026 432 E-Busse im Einsatz, woraus sich eine bereits sehr solide Elektrifizierungsquote von 39 Prozent ergibt. Auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) haben inzwischen 278 ihrer circa 800 Busse auf E-Betrieb umgestellt und liegen damit prozentual nur knapp hinter der Hochbahn.

Dem E-Bus-Radar 2026 zufolge war die Stadt Hamburg schon 2025 mit 709 E-Bussen im deutschlandweiten Vergleich ganz klar führend im Hochlauf der E-Busse. Laut der Studie ist der zweite Platz Berlin mit 277 Fahrzeugen weit abgeschlagen. Außerdem zeigt sich in Hamburg weiterhin ein klarer Wachstumstrend, da die Hansestadt noch 2024 bei 567 elektrifizierten Bussen lag. Aus der Studie geht überdies hervor, dass etwa die Hälfte aller deutschen E-Busse aktuell in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und eben Hamburg im Einsatz ist.

Darum bleiben Verbrennerbusse weiter Teil der Hamburger Hochbahn

In Bezug auf eine vollständige Umstellung auf den Elektrobetrieb von Bussen in Hamburg kann die Hochbahn laut eigener Aussage kein festes Datum nennen. Schließlich hänge das Tempo der Elektrifizierung maßgeblich von verfügbaren Fördermitteln für Elektrobusse ab, auf die man keinen Einfluss nehmen könne. Bis 2031 soll die E-Bus-Flotte jedoch um bis zu 240 weitere Fahrzeuge erweitert werden, wodurch die Elektrifizierungsquote klar über 50 Prozent steigen würde.

Neben der Abhängigkeit von Fördermitteln verweist die Hochbahn zudem auf die immer weiter steigende Relevanz von Krisenvorsorge und Katastrophenschutz. Angesichts der immer brisanteren weltpolitischen Lage und der damit verbundenen Herausforderungen im Energiesektor sei Resilienz heute wichtiger denn je. Die Kombination aus Elektro- und Verbrennerbussen mit alternativen Kraftstoffen würde demnach die Krisenfestigkeit des Verkehrsbetriebes erhöhen und größere Flexibilität in schwierigen Lagen schaffen.

HVO wird zum Streitpunkt zwischen Hochbahn und Umweltverbänden

Tatsächlich wird heute bereits mehr als die Hälfte aller Verbrennerbusse der Hochbahn mit HVO-Kraftstoff (Hydrotreated Vegetable Oils) betrieben. Die insgesamt 352 Fahrzeuge sind dadurch der Hochbahn zufolge bereits nahezu CO₂-neutral unterwegs und haben nur einen sehr geringen Feinstaubausstoß.

Die Umweltverbände Nabu, Greenpeace und Deutsche Umwelthilfe sehen das jedoch ganz anders und sprechen hier von einer „Mogelpackung“. Der Hauptkritikpunkt dabei ist, dass es sich bei einem großen Teil der Ausgangsstoffe eben nicht wie suggeriert um Abfallprodukte, sondern tatsächlich um wertvolle Rohstoffe handle, die andernorts gebraucht würden. So würde HVO-Kraftstoff laut der Umwelthilfe eben hauptsächlich für eine Art Greenwashing verwendet, um Verbrennern ein besseres Image zu geben, obwohl die ökologischen Vorteile aus ihrer Sicht mehr als fraglich seien.

Die VHH verzichten aus genau diesem Grund ganz bewusst auf HVO, da sich aus der Nutzung dieses Kraftstoffs laut eigener Einschätzung weder wirtschaftliche noch ökologische Vorteile ergäben. Tatsächlich würde der Einsatz von HVO laut VHH sogar zusätzliche Infrastrukturkosten ergeben und die ohnehin schon kostenintensive E-Mobilitäts-Transformation so nur noch teurer machen. Stattdessen setzen die VHH daher ganz auf den weiteren Ausbau ihrer E-Bus-Flotte und wollen in den 2030er-Jahren im Gegensatz zur Hochbahn bereits voll elektrisch unterwegs sein.

Quellen: Süddeutsche Zeitung / dpa – Mehr als 700 E-Busse rollen jetzt in Hamburg / PwC – E-Bus-Radar 2026

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

CAM-Report: Gewinne der Autoindustrie schrumpfen

CAM-Report: Gewinne der Autoindustrie schrumpfen

Sebastian Henßler  —  

Das durchschnittliche Konzern-EBIT je verkauftem Auto sank im ersten Halbjahr von 1409 auf 1187 Euro. Die Spanne zwischen den Herstellern wächst.

Umstiege auf E-Autos erreichen Rekordwerte – bei Neu- und Gebrauchtwagen

Umstiege auf E-Autos erreichen Rekordwerte – bei Neu- und Gebrauchtwagen

Michael Neißendorfer  —  

Bei fast jedem achten privaten Fahrzeug-Wechsel in Deutschland wird inzwischen ein Auto mit Verbrennungsmotor durch ein E-Auto ersetzt.

E-Auto-Prämie: Niedrigere Einkommen profitieren am meisten

E-Auto-Prämie: Niedrigere Einkommen profitieren am meisten

Arun Niemann  —  

Mehr als 100.000 Anträge sind für die neue E-Auto-Prämie bereits eingegangen. Besonders häufig nutzen Haushalte mit niedrigem Einkommen die Förderung.

CO2-Studie: Verbrenner verschrotten lohnt sich fürs Klima fast immer

CO2-Studie: Verbrenner verschrotten lohnt sich fürs Klima fast immer

Daniel Krenzer  —  

Eine neue Studie zeigt: In 92 Prozent der untersuchten Fälle senkt der frühe Wechsel vom Verbrenner zum Elektroauto die CO₂-Emissionen.

5 Tipps: So lassen sich Ladeverluste beim E-Auto gering halten

5 Tipps: So lassen sich Ladeverluste beim E-Auto gering halten

Daniel Krenzer  —  

Beim Laden eines E-Autos können bis zu 24 Prozent Energie verloren gehen. Der ADAC zeigt, wie sich Ladeverluste mit fünf einfachen Tipps verringern lassen.

Automobilbarometer: E-Autos wecken neuen Fahrspaß

Automobilbarometer: E-Autos wecken neuen Fahrspaß

Sebastian Henßler  —  

E-Auto- und Hybridfahrer:innen legen laut einer aktuellen Studie besonders großen Wert auf Design und Ausstattung ihres nächsten Autos.

Diese Automarken profitieren stark von der E-Auto-Förderung

Diese Automarken profitieren stark von der E-Auto-Förderung

Daniel Krenzer  —  

Tesla führt bei den bewilligten Anträgen für die E-Auto-Förderung vor Škoda und Renault. Auf Konzernebene ergibt sich jedoch ein anderes Bild.