Hamburg verschiebt sein Elektrobus-Ziel

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Hamburger Hochbahn

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Eigentlich sollten in Hamburg ab 2030 nur noch Elektrobusse unterwegs und bis dahin alle Dieselbusse ausgemustert sein. Dieses Ziel haben die Hamburger Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) nun offenbar einkassiert und einige Jahre nach hinten geschoben. Die Hamburger Hochbahn schreibt auf ihrer Website von „Anfang der 2030er“, Finanzvorständin Merle Schmidt-Brunn nannte laut Hamburger Morgenpost (Mopo) das Jahr 2032 als neues Zieldatum. Bis dahin seien die vorhandenen Dieselbusse noch „wunderbar nutzbar“. Die VHH geben demnach kein konkretes Datum mehr an.

Der Hauptgrund für die Verzögerung seien Unsicherheiten im Bezug auf Förderungen für Infrastruktur und Fahrzeuge sowie Verzögerungen und Schwierigkeiten beim Bau von Betriebshöfen. Die vielen Ladeplätze, die Werkstätten und Umspannwerke für die Stromversorgung brauchen große Flächen. „Das ist nicht immer trivial“, sagte VHH-Geschäftsführer Lorenz Kasch der Mopo zufolge und forderte von Kommunen und Kreisen eine bessere Unterstützung beim Bau von Betriebshöfen ein.

Hamburgs grüner Verkehrssenator Anjes Tjarks kündigte bereits im Mai in einer Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Verkehrsexperten Richard Seelmaecker an, dass das Jahr 2030 nicht mehr zu halten sei, mit der unsicheren Lage in der Förderlandschaft, mit der viele Städte und Kommunen in Deutschland zu kämpfen haben, als Begründung. CDU-Mann Seelmaecker zeigte sich daraufhin laut einem Bericht der Bild entsetzt: „E-Busse kosten aktuell etwa doppelt so viel wie konventionell betriebene Busse mit hocheffizienten Otto-Motoren [sic]. Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus.“

Erster reiner E-Bus-Betriebshof soll 2026 eröffnet werden

Ungeachtet der politischen Diskussionen schreitet Hamburg beim Aufbau von Betriebshöfen für Elektrobusse weiter voran. In Meiendorf startete vor wenigen Tagen offiziell der Rohbau für den ersten reinen E-Bus-Betriebshof der Hamburger Hochbahn, der im Titelbild als Visualisierung zu sehen ist. Ab dem Sommer 2026 sollen von dort aus 130 E-Busse vornehmlich den Hamburger Nordosten bedienen.

Meiendorf wird der neueste Busbetriebshof der Hochbahn und der erste ohne Dieselbus. Von ihm starten nur umweltschonende E-Busse“, sagte Jens-Günter Lang, Technik-Vorstand der Hochbahn, bei der Grundsteinlegung. Und verwies auf die weiteren Ausbaupläne: „Für die Umstellung der Flotte von rund 1000 Bussen auf umweltfreundliche Antriebstechnologien müssen wir die komplette Infrastruktur umrüsten. Aktuell bauen wir die Ladeinfrastruktur auf den Betriebshöfen in Alsterdorf, Hummelsbüttel, Langenfelde und Harburg aus.“

Der neue Busbetriebshof in Meiendorf wird rund 28.000 Quadratmeter groß und künftiger Einsatzort für gut 130 Solo- und Gelenkbusse. Zu dem Busbetriebshof gehören neben Verwaltungs- und Sozialbereichen auch Werkstätten und Waschanlagen, in denen die Busse vorbereitet, gewartet, repariert und gepflegt werden. Abgestellt werden die Busse unter Carports, die mit der erforderlichen Ladeinfrastruktur ausgerüstet sind. Die Baukosten des neuen E-Bus-Betriebshofes belaufen sich auf 42,3 Millionen Euro.

Das Neubauprojekt besteche auch durch eine konsequente nachhaltige Ausrichtung: Alle Dächer werden begrünt, mit Photovoltaikanlagen bestückt und als Regenwasserspeicher genutzt. Das gesammelte Regenwasser wird in der Waschanlage verwendet und anschließend wieder aufbereitet. Die Abwärme der Ladetechnik wird für die Wärmeversorgung des Hofes genutzt. Fassaden und Schallschutzwände werden begrünt. Nach der Betriebsaufnahme halten sie nicht nur Lärm-, sondern auch Lichtemissionen der an- und abfahrenden Busse zurück.

Quelle: Hamburger Morgenpost – Stromer statt Stinker: Hamburgs Busse sollen elektrisch werden, doch das dauert / Bild – Elektrobusse teurer als die Elbphilharmonie / Hamburger Hochbahn – Pressemitteilung vom 17.07.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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