Der Verband markenunabhängiger Mobilitäts- und Fuhrparkmanagementgesellschaften e.V. (VMF) hat eine Studie zum Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos veröffentlicht. Der in Bad Homburg ansässige Verband gab die Studie „Vermarktung von gebrauchten BEV-Fahrzeugen – Chancen und Herausforderungen“ bei dem Beratungsunternehmen Deloitte in Auftrag, wobei Wege gezeigt werden, wie Mobilitätsdienstleister den Gebrauchtwagenmarkt transparent gestalten und dadurch verbessern können.
Der Sekundärmarkt für Elektroautos ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Aus einer Nische ist ein etabliertes Marktsegment entstanden, was auch eine aktuelle Fraunhofer-Studie zum Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos zeigt. Nun trete dieser Markt, der VMF-Studie zufolge, in eine neue Phase ein, denn mit dem Hochlauf der Elektromobilität in den vergangenen Jahren werde die Zahl junger Rückläufer aus Leasing- und Flottenverträgen deutlich wachsen. Damit werde das Remarketing gebrauchter Elektroautos vom operativen Nebenthema zum strategischen Steuerungsfeld.
Erfolg durch Vertrauen und Transparenz
Der Studie zufolge werde der Sekundärmarkt ab 2026 Zuwachs von zahlreichen jungen Gebrauchtwagen bekommen, die bis zu 5 Jahre alt sind. Mit der neuen Elektroauto-Förderung seit dem 1. Januar 2026, die elektrische Neuwagen mit bis zu 6000 Euro bezuschusst, dürfte sich dieser Trend weiter beschleunigen. Eine Ausweitung der Förderung auf gebrauchte E-Autos, wie sie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ins Gespräch brachte, gibt es allerdings nicht.
Während das Angebot steigt, bleibe die Nachfrage jedoch eher gering, da sich viele Käufer:innen unsicher seien, wie sich der Wert der Fahrzeuge entwickelt und wie zuverlässig die Batterien sind. In einer Befragung von 2500 Autokäufer:innen gaben 72 Prozent Zweifel am Wiederverkaufswert an und 70 Prozent befürchteten teure Reparaturen. 67 Prozent der Befragten bemängelten die Ladeinfrastruktur und 65 Prozent fürchteten Batterierisiken.
Daher komme dem Thema Vertrauen eine besondere Bedeutung zu: „Die zentrale Herausforderung ist nicht das Fahrzeug selbst, sondern das Vertrauen der Käufer in Werthaltigkeit, Batteriequalität und langfristige Betriebskosten“, so Ingo Schmuckall, Partner Automotive & Mobility bei Deloitte. Schmuckall ist einer der Autoren der Studie.
Unsicherheiten beim Kauf eines elektrischen Gebrauchtwagens betreffen beispielsweise den Wertverlust des Elektroautos, da sie durchschnittlich schneller als Verbrenner an Wert verlieren. Am stärksten ist der Verlust innerhalb der ersten drei Jahre, nach denen ein Restwert von 50 bis 70 Prozent verbleibt. Außerdem können Faktoren, wie Preissenkungen bei Neuwagen, den Wertverlust verstärken, wie es bei Tesla der Fall ist. Auch deshalb lag im ersten Quartal 2026 Tesla nur noch auf Platz 5 der meistgehandelten Gebrauchtmarken bei E-Autos.
Zum Wertverlust gehört auch der Batteriezustand und er ist entscheidend beim Weiterverkauf. Dieser kann durch Zertifikate zum State of Health (SoH) nachgewiesen werden, die Vertrauen fördern. Der EU-Batteriepass, ab 2027 verpflichtend, schaffe die Grundlage für belastbare Preisfindung und Rücknahmeprozesse, so die VMF-Pressemitteilung.
Grundsätzlich empfiehlt der VMF daher, dass die Vermarktung gebrauchter Elektroautos aktiv gesteuert und mehr Transparenz gefördert wird. Auch digitale Services wie Over-the-Air-Updates und Garantiepakete tragen dazu bei. Wer jetzt in Transparenz, digitale Services und Kreislaufwirtschaft investiere, könne vom dynamischen, aber volatilen Gebrauchtmarkt für Elektroautos profitieren, so der VMF. „Der Markt steht trotz aller Unsicherheiten vor einer großen Chance. Wer früh Standards für Vertrauen und Transparenz etabliert, kann sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile sichern“, so Frank Hägele, Vorsitzender des VMF.
Mobilitätsdienstleister können professionelles Remarketing und innovative Leasing- und Abo-Modelle sowie Batteriedaten und Vertrauen als Erfolgsfaktoren nutzen. Der VMF resümiert, dass der Markt für gebrauchte Elektroautos wachsen, aber nicht automatisch funktionieren werde. Erfolgreich seien diejenigen, die Rückläufer datenbasiert steuern und Absatzpfade professionell orchestrieren. „Wer Restwerte stabilisieren, Leasingraten wettbewerbsfähig halten und Vertrauen im Markt schaffen will, muss gebrauchte BEV aktiv steuern – datenbasiert, transparent und mit klaren Prozessen“, so Hägele.
Quelle: VMF – Pressemitteilung vom Juli 2026









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