Elektromobilität, Energiewende und Digitalisierung könnten die weltweite Nachfrage nach bestimmten mineralischen Rohstoffen erheblich verändern. Das zeigt die neue Auflage der Studie „Rohstoffe für Zukunftstechnologien“, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur erstellt haben.
Untersucht wurden 34 Zukunftstechnologien und 14 Rohstoffe. Das Ergebnis: Im Jahr 2045 könnte der Bedarf der betrachteten Technologien bei zwölf Metallen in der Größenordnung der globalen Produktion von 2023 oder sogar darüber liegen. Die Berechnungen seien allerdings keine Prognose, sondern zeigten mögliche Entwicklungspfade.
Besonders stark könnte demnach die Nachfrage nach Iridium steigen. Treiber ist vor allem die Wasserelektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff, die zur Dekarbonisierung der Stahl- und Chemieindustrie beitragen soll. An zweiter Stelle folgt Lithium. Der Bedarf für Batterietechnologien, insbesondere für die Elektromobilität, könnte sich bis 2045 verfünffachen. Die benötigte Menge läge damit etwa viermal so hoch wie die weltweite Lithiumproduktion des Jahres 2023. Auch die Nachfrage nach Graphit für leistungsfähige Lithium-Ionen-Speicher könnte in einem untersuchten Szenario die bisherige Produktion deutlich übersteigen. Bei Scandium erwarten die Forschenden vor allem durch stationäre Brennstoffzellen einen starken Anstieg.
Recycling gewinnt stark an Bedeutung
Zudem könnten Dysprosium und Terbium deutlich stärker gefragt sein. Die schweren Seltenerdelemente werden für Traktionsmotoren in Elektroautos, Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Klimaanlagen benötigt. Der Ausbau von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz treibt wiederum unter anderem die Nachfrage nach Platin und Ruthenium. Der global für viele Rohstoffe wichtige Lieferant China schränkte zuletzt immer wieder den Handel mit seltenen Erden und anderen Rohstoffen ein.
Neue Bergwerke allein lösen das Problem nicht: Nach einer im Bericht zitierten Schätzung der Internationalen Energieagentur wären in den kommenden zehn Jahren weltweit rund 60 Milliarden Dollar nötig, um diversifizierte Lieferketten für Seltenerdmagnete aufzubauen. Der Großteil müsste in Raffination, Trennung und Magnetproduktion fließen.
Aus Sicht der Fraunhofer-Forschenden braucht es deshalb frühzeitige rohstoffpolitische Maßnahmen: widerstandsfähigere und breiter aufgestellte Lieferketten, effizienteren Materialeinsatz, mehr Recycling sowie Ersatzmaterialien. Die Rohstoffverfügbarkeit müsse bereits bei der Entwicklung neuer Technologien berücksichtigt werden.
Für die Elektromobilität sind die Ergebnisse freilich kein Argument gegen den Hochlauf, sondern ein Arbeitsauftrag. Anders als fossile Kraftstoffe, die nach ihrer Nutzung verbrannt sind, können Batteriematerialien grundsätzlich zurückgewonnen und erneut eingesetzt werden. Entscheidend ist, Kreislaufwirtschaft, Verarbeitungskapazitäten und alternative Bezugsquellen rechtzeitig industriell auszubauen. Doch auch beim Batterierecycling machte China zuletzt auf sich aufmerksam, doch Deutschland gehört hier ebenfalls zu den Vorreitern.
Quelle: Fraunhofer ISI – Pressemitteilung vom 9. Juli 2026









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