Europa fährt bei der Elektromobilität weiterhin mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Das zeigt der neue Mobility Guide 2026 des Mobilitätsdienstleisters Ayvens, der 30 europäische Märkte miteinander vergleicht. Deutschland erreicht 61 von 100 möglichen Punkten und landet damit auf Rang zwölf – punktgleich mit der Schweiz. Der gemeinsame Nachbar Österreich schafft es auf Platz vier.
Für die Neuauflage hat Ayvens die Methodik angepasst: Die Verfügbarkeit elektrischer Modelle fließt nicht mehr ein, da E-Autos inzwischen europaweit grundsätzlich verfügbar sind. Bewertet werden stattdessen fünf Säulen: der Markthochlauf von Elektroautos mit 25 Prozent Gewichtung, die Ladeinfrastruktur und die steuerlich-regulatorischen Bedingungen mit jeweils 20 Prozent, der Kostenvergleich zwischen batterieelektrischen Autos und Verbrennern mit 30 Prozent sowie die Nachhaltigkeit der Stromerzeugung mit 5 Prozent.
Norwegen klar an der Spitze
Unangefochten an der Spitze steht Norwegen mit 93 Punkten. Das Land erhält beim Markthochlauf, bei Steuern und Regulierung, beim Kostenvergleich sowie beim Strommix jeweils die Höchstwertung. Lediglich die Ladeinfrastruktur kommt auf nur 13 von 20 Punkten. Belgien folgt mit 78 Punkten und profitiert vor allem von einem ausgewogenen Gesamtbild sowie deutlich günstigeren Betriebskosten für E-Autos. Die Niederlande erreichen 74 Punkte. Sie erzielen als einziges Land die vollen 20 Punkte für die Ladeinfrastruktur, verlieren gegenüber der vorherigen Auswertung aber sechs Punkte.
Deutschland kommt in den Einzelkategorien auf 15 Punkte beim Markthochlauf, 10 bei der Ladeinfrastruktur, 16 bei Steuern und Regulierung, 17 beim Kostenvergleich und 3 von 5 beim Strommix. Gegenüber 2024 fällt der Gesamtscore somit um zwei Punkte. Immerhin sind batterieelektrische Autos laut Ayvens bereits auch bei uns im Schnitt leicht günstiger: Für vier Jahre und 120.000 Kilometer kalkuliert die Auswertung mit 35 Cent je Kilometer, bei einem vergleichbaren Verbrenner mit 36 Cent.
Der größte Rückstand zeigt sich bei der Ladeinfrastruktur. Deutschland kommt auf 1,9 öffentliche Ladepunkte je 1000 Einwohner. In den Niederlanden sind es 10,2, in Belgien 6,5 und selbst im bevölkerungsreichen Frankreich 2,3. Die Ladeleistung bleibt hierbei jedoch unberücksichtigt. Zugleich stieg die Zahl der Elektroauto-Neuzulassungen in Deutschland 2025 laut Guide um 38 Prozent.
Dänen brauchen keine Steuervorteile
Am Tabellenende steht Serbien mit lediglich 19 Punkten. Bulgarien, Estland und Rumänien folgen punktgleich mit jeweils 21 Punkten und teilen sich damit die nächsthöhere Rangstufe. In diesen Märkten fehlen vor allem wirtschaftliche Vorteile, steuerliche Anreize und eine breite Marktdurchdringung. Auffällig ist allerdings, dass die Ladeinfrastruktur in der Bewertung nicht überall der schwächste Faktor ist: Serbien und Bulgarien erhalten dafür jeweils 13 von 20 Punkten.
Weitere Besonderheiten zeigen, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen wirken. Portugal bietet mit 25 Cent je Kilometer den günstigsten Wert der betrachteten westlichen Märkte, gegenüber 39 Cent beim Verbrenner. Dänemark erreicht trotz 0 Punkten bei Steuern und Regulierung insgesamt 67 Punkte, weil E-Auto-Anteil und Kostenbilanz stark ausfallen. Das heißt auch, dass bei unseren nördlichen Nachbarn ein politisches und finanzielles „Schmackhaftmachen“ der Elektromobilität gar nicht mehr notwendig ist, sondern allein der Markt zunehmend zugunsten von E-Autos entscheidet. Den größten Sprung macht Norwegen mit 11 zusätzlichen Punkten, während Griechenland um 9 Punkte zulegt. Insgesamt ordnet Ayvens 13 Länder als entwickelte Märkte, 6 als Übergangsmärkte und 11 als aufstrebende Märkte ein.
Quelle: Ayens Mobility Guide 2026









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