Geely steigt bei Nio Power ein: Akkutausch wird offener

Geely steigt bei Nio Power ein: Akkutausch wird offener
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Nio (Archivbild)

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Der Akkuwechsel in China soll künftig nicht mehr an eine einzelne Marke gebunden sein. Geely Holding und Nio wollen gemeinsam Technologien und Standards für den Batteriewechsel bei Privatautos entwickeln. Geely plant dafür eigene Modelle mit tauschbarem Akku, Nio Power übernimmt den Service an den Stationen. Parallel dazu sollen die Ladenetze beider Konzerne vollständig miteinander verbunden werden, um die Abdeckung auszuweiten und den Betrieb effizienter zu gestalten.

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung am vergangenen Montag im ostchinesischen Hangzhou. Nio-Gründer und CEO William Li ordnete die Partnerschaft als Teil der Antwort auf die in China laufende Kampagne gegen ruinösen Wettbewerb ein. „Wie man die Anstrengungen der Branche koordiniert, doppelte Investitionen reduziert und Ressourcen für Innovation gemeinsam aufbaut, teilt und verbindet, ist eine zentrale Frage für die nächste Phase der hochwertigen Entwicklung der chinesischen Autoindustrie“, sagte Li. Ein offenes, kooperatives Ökosystem sei für diese nächste Stufe entscheidend.

Konkret übernimmt Geely 30 Prozent an Nio Power. Im Gegenzug bringt der Konzern sein komplettes Wechselgeschäft Yiyi Power sowie 640 Millionen Yuan (rund 81,5 Millionen Euro) in bar ein. Laut Börsenmitteilung in Hongkong ergibt sich daraus eine Bewertung von etwa 16 Milliarden Yuan (rund zwei Milliarden Euro) nach der Transaktion. Nio China behält mit 63,6 Prozent die Kontrolle, der bestehende Investor Wuhan Guangchuang hält die übrigen 6,4 Prozent.

Geelys endgültiger Anteil hängt an operativen Meilensteinen und kann bei verfehlten Zielen sinken, allerdings nicht unter 20 Prozent. Zudem erhielt Geely eine Option, noch einmal denselben Barbetrag nachzuschießen, was den Anteil auf 34 Prozent anheben würde; Nio China käme dann auf 60 Prozent. Einlösen muss Geely diese Option binnen zwei Jahren nach Abschluss oder bevor Nio Power eine neue Finanzierungsrunde verbindlich vereinbart. Umgekehrt erwirbt Nio China zehn Prozent am Geely-Ladeunternehmen Haohan Energy, das mit dem Geld bestimmte Ladeanlagen von Nio kauft. Die Höhe dieser Investition wurde nicht genannt, der Vollzug steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

Tausende Stationen, Millionen Akkuwechsel als Fundament

Nio steckte nach Angaben von Li in den vergangenen elf Jahren mehr als 20 Milliarden Yuan in Laden und Batteriewechsel und kommt dabei auf über 2100 angemeldete oder erteilte Patente. In China betreibt das Unternehmen 9433 Lade- und Wechselstationen, darunter 4126 Wechselstationen mit zusammen mehr als 125 Millionen Akkutauschen. Die seit dem 7. August laufende fünfte Stationsgeneration bedient die Marken Nio, Onvo und Firefly und kann laut Li die Karosseriemaße von über 95 Prozent der Pkw am Markt aufnehmen. Damit sei die Grundlage gelegt, künftig weitere Marken zu versorgen.

Beim Laden kommt Nio auf 5307 Stationen und mehr als 99 Millionen Ladevorgänge. Über 85 Prozent des darüber abgegebenen Stroms nutzten Fahrer:innen anderer Marken. Einen Teil dieser Infrastruktur soll Haohan Energy nach Abschluss übernehmen. Geely will bis Ende 2027 mehr als 22.000 Ladestationen mit über 100.000 Ladepunkten errichten, darunter über 15.000 intelligente Stationen mit mehr als 50.000 Anschlüssen, und so alle Städte auf Kreisebene abdecken.

Ganz neu ist Geely im Wechselgeschäft nicht. Yiyi Power betreibt rund 470 Wechselstationen, vornehmlich für Taxis und Fahrdienste. Dieses Flottengeschäft wird in Nio Power überführt, das nach Lis Worten Entwicklung, Lieferkette, Fertigung, Bau und Betrieb unterstützen soll, um die Abläufe für gewerbliche Fahrer:innen zu verbessern.

Lange Vorgeschichte, noch nicht alles in trockenen Tüchern

Die Annäherung hat Vorlauf. Bereits im November 2023 vereinbarten beide Seiten eine strategische Partnerschaft zum Batteriewechsel, im März 2024 kam die Vernetzung der Ladenetze hinzu. Frisches Kapital von außen erhielt Nio Power zuletzt im Mai 2024, als ein vom Wuhan-Guangchuang-Fonds angeführtes Investment über 1,5 Milliarden Yuan verkündet wurde. Eine im März 2025 angekündigte Beteiligung von CATL über bis zu 2,5 Milliarden Yuan kam hingegen nie zustande.

Auch jetzt sind nicht alle Punkte fixiert. Laut der Hongkonger Börsenmitteilung gelten die Wechselpläne für Geelys Privatmodelle und Mobilitätsgeschäfte als vorläufig, Details müssen noch verhandelt werden. Nio Power strebt bis 2030 insgesamt 10000 Wechselstationen an, deren jährlicher Strombedarf dann über zehn Milliarden Kilowattstunden liegen soll. Li sieht in den Stationen zudem Potenzial als Energiespeicher, etwa zum Abfedern von Lastspitzen und zur Frequenzregelung im Stromnetz. „Die Kooperation von Nio und Geely beim Laden und Batteriewechsel ist eine offene Plattform für die Branche“, sagte er. „Wir freuen uns darauf, dass weitere Unternehmen dazukommen.“

Quelle: CNEVPost – Nio’s William Li casts Geely tie-up as effort to curb cutthroat competition through shared infrastructure / CNEVPost – BREAKING: Geely to take 30% stake in Nio Power with battery swap assets and cash / CarNewsChina.com – Geely invests in Nio to launch EVs compatible with its battery-swapping network

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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