Geely E2 im Test: Elektro-Kleinwagen ab 19.990 Euro

Geely E2 im Test: Elektro-Kleinwagen ab 19.990 Euro
Copyright:

Elektroauto-News

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 9 min

Mit dem E2 bringt Geely einen Elektro-Kleinwagen nach Deutschland, der in der Basisversion 19.990 Euro kostet. Noch vor der ersten Auslieferung verzeichnet der chinesische Automobilhersteller nach eigenen Angaben über 5000 Interessensbekundungen hierzulande. Händlernetz und Ersatzteilversorgung hat Geely weitgehend vor dem Marktstart aufgebaut, also genau jene Bereiche, an denen neue Marken in der Anlaufphase gemessen werden. Ob das genügt, um eine in Deutschland wenig bekannte Marke im umkämpften B-Segment zu etablieren, entscheidet sich in den kommenden Monaten.

Neu ist der E2 allerdings nur hierzulande. Laut einer vom Hersteller angeführten IHS-Studie war er 2025 mit rund 466.000 verkauften Exemplaren der weltweit meistverkaufte Kleinwagen. Nach dem Kompakt-SUV E5 ist er das zweite Elektroauto, das Geely Auto Deutschland von Raunheim aus in den Markt bringt. Rückenwind soll der Value Award liefern, den das Modell bei der Wahl zum German Car of the Year 2027 erhalten hat.

Die drei Ausstattungslinien unterscheiden sich vor allem in einem Punkt: der Batterie. Schon die Variante Pro für 19.990 Euro ist gut ausgestattet, etwa mit 14,6 Zoll großem Touchscreen, elektrisch verstellbaren Vordersitzen und einer V2L-Funktion, die externe Geräte mit bis zu 3,3 kW versorgt. Sein 35 kWh großer Akku auf Basis von Lithium-Eisenphosphat reicht allerdings nur für 252 Kilometer nach WLTP, angetrieben wird er von einem 60 kW starken Motor. Die Linie Max für 23.990 Euro kommt mit 47 kWh auf bis zu 345 Kilometer und bringt zusätzlich mehr Leistung sowie Sitz- und Lenkradheizung mit.

Vor der Ausfahrt steht der Geely E2 links vom Kia EV2 – die Farbe passt schon mal

Darüber rangiert das gefahrene Topmodell Ultra für 26.990 Euro. Technisch gleicht es dem Max und ergänzt vor allem Komfort und Optik, darunter Leichtmetallräder, elektrische Heckklappe, 540-Grad-Kamera und induktives Smartphone-Laden. Wer auf diese Details verzichten kann, findet im Max das ausgewogenere Verhältnis aus Preis und Ausstattung. Unabhängig von der Linie gelten acht Jahre oder 200.000 Kilometer Garantie auf Fahrzeug und Hochvoltbatterie, letztere bis zu einer Restkapazität von 70 Prozent. Im Euro NCAP erhielt der E2 nach dem verschärften Prüfprotokoll 2026 fünf Sterne.

Geely E2: Eine Ladegerade statt einer kurzen Spitze

Mit der größeren Batterie steigt auch die Ladeleistung. Am Gleichstromlader nimmt der Pro maximal 60 kW auf, Max und Ultra erreichen bis zu 80 kW. Hohe Spitzenwerte sind das nicht. Offiziell nennt der Hersteller 25 Minuten für den Bereich zwischen 30 und 80 Prozent. Aufschlussreicher als die maximale Leistung ist jedoch, wie lange sie anliegt.

Ein wenig verspielt wirkt die Front des E2 von Geely durchaus

Genau hier zeigt der E2 sein eigenes Profil. Ladetests mit Vorserienfahrzeugen zeigen eine nahezu flache Kurve: Die 47-kWh-Batterie hielt rund 80 kW, bis etwa 70 Prozent erreicht waren. Von 10 auf 80 Prozent vergingen dadurch knapp 26 Minuten. Die kleine Batterie lieferte bei etwa 60 kW ein vergleichbares Bild bei nahezu identischen Ladezeiten. Vor diesem Hintergrund wirkt die offizielle Angabe eher konservativ, im Winter ist bei kaltem Akku allerdings mit längeren Standzeiten zu rechnen.

Für die Norm gibt Geely 15,5 bis 15,9 kWh pro 100 Kilometer an, Ladeverluste eingerechnet. Auf der Testrunde mit eher geringem Autobahnanteil und guten äußeren Bedingungen meldete der Bordcomputer des Ultra sogar 9,5 bis 10,4 kWh, wobei Ladeverluste hier nicht enthalten sind. Wer länger zügig unterwegs ist, muss mit höheren Werten rechnen, mehr als 130 km/h lässt der E2 ohnehin nicht zu.

Optische Details der Ultra-Variante, zu sehen an der C-Säule

Zu Hause an der Wallbox geht es gemächlicher zu. Der Bordlader arbeitet mit maximal 6,6 kW, sodass eine Ladung zwischen 10 und 100 Prozent beim Pro 5,3 Stunden und bei den größeren Varianten 7,1 Stunden dauert. Über Nacht reicht das problemlos, an öffentlichen Säulen mit begrenzter Standzeit kommt dagegen weniger Energie in den Akku. Eine Wärmepumpe führt die Ausstattungsliste nicht auf, vorkonditioniert wird die Batterie über ein elektrisches Heizelement.

Geely E2: Viel Platz, wenig Tasten, durchdachte Ablagen

Mit 4,14 Metern Länge fällt der E2 für seine Klasse großzügig aus, was sich im Innenraum bemerkbar macht. Auch mit rund 1,85 Metern Körpergröße sitzt man im Fond bequem, Geely nennt 890 Millimeter Beinfreiheit. Für Kleinkram gibt es ein Staufach unter der Rückbank und ein Handschuhfach in Form einer zehn Liter fassenden Schublade, die sich voll beladen lässt. Unter der Fronthaube schafft der Heckantrieb laut Geely Platz für einen 70 Liter großen Frunk.

Der Kofferraum fasst 375 Liter und wächst bei umgeklappter Rückbank auf 1320 Liter, ein separates Fach unter dem Ladeboden bietet weitere 28 Liter. Im Alltag stört allerdings, dass der Gepäckraum eine Stufe unterhalb der Ladekante liegt und Taschen über eine Schwelle gehoben werden müssen. Einen variablen Ladeboden, der das ausgleicht, bietet Geely nicht an. Enger wird es bei der Zuladung: Mit lediglich 315 Kilogramm ist bei vier Erwachsenen samt Urlaubsgepäck schnell Schluss, und da es keine Anhängerkupplung gibt, scheidet auch ein Fahrradträger aus.

Der Frunk kann sich sehen lassen

Im Ultra wirkt der gegen 750 Euro Aufpreis erhältliche cremeweiße Innenraum hell und freundlich, auch wenn bei näherem Hinsehen viel Kunststoff verbaut ist. Wo die Arme aufliegen, hat Geely gepolstert. Die Vordersitze lassen sich beheizen, auf eine Massagefunktion verzichtet der Hersteller. Bei der Bedienung setzt Geely konsequent auf den Bildschirm, nur die Klimatisierung lässt sich noch über eine Leiste in der Mittelkonsole steuern. Ihren Zweck erfüllen die Menüs, auch wenn sie verspielt wirken und deutlich chinesische Einflüsse zeigen. Apple CarPlay und Android Auto verbanden sich zuverlässig.

Im Kofferraum ist für einen Einkauf aber auch Platz

Die Steuerung der Rekuperation steckt in den Untermenüs verborgen, was im Alltag allerdings kaum stört, da der Automodus zuverlässig arbeitet. Hinzu kommt die Personalisierung: Einmal eingestellt startet der Stromer mit dem bevorzugten Fahrmodus (Eco, Komfort, Sport oder Schnee) sowie der gewünschten Rekuperationsstufe (Auto, niedrig, mittel oder hoch). Der Umweg über das Menü entfällt damit bei jeder weiteren Fahrt.

Ähnlich unkompliziert ist der Tempomat, der per Klick am Lenkrad aktiviert wird. Die Geschwindigkeit lässt sich in Schritten von 5 km/h oder automatisch über die Verkehrszeichenerkennung anpassen, die, wie man es auch von Marktbegleitern kennt, leider nicht immer verlässlich arbeitet. Weniger ausgereift wirken Tempowarnung und Aufmerksamkeitsüberwachung, die sich häufig melden, sich über eingerichtete Shortcuts aber abschalten lassen. Der Sprachassistent schaltet sich mitunter ohne Aktivierungswort in Gespräche mit dem Beifahrer ein und bietet in dieser Form kaum praktischen Mehrwert.

Geely E2: Agil im Alltag, Grenzen bei höherem Tempo

Im Max und im Ultra beschleunigt der E2 in 11,5 Sekunden auf Tempo 100, der schwächere Pro braucht 14,2 Sekunden. Für den Alltag und zügige Zwischensprints genügen die 85 kW und 150 Nm. Im Autobahnverkehr schwimmt er problemlos mit, seine eigentliche Domäne sind jedoch Stadt und Umland.

Blick in den Innenraum des Geely E2

Dort federt das Fahrwerk komfortabel, die Lenkung arbeitet bei niedrigem Tempo allerdings sehr leichtgängig und gewinnt erst im Sportmodus etwas an Rückmeldung. Deutlicher zeigten sich die Grenzen auf zügig gefahrenen Landstraßen. In Kurven neigt sich die Karosserie spürbar zur Seite, Fahrwerk und Lenkung fehlt es hier an Verbindlichkeit.

 

Das steht im Kontrast zu Geelys eigener Darstellung. Demnach habe Geely Technology Europe die Lenkung auf europäische Anforderungen abgestimmt, etwa mit stärkerer Rückstellung bis 50 km/h, und das Fahrverhalten auf rund 720.000 Testkilometern verfeinert.

 

Seine Stärken spielt der E2 dort aus, wofür er gedacht ist: in engen Straßen und auf Parkplätzen. Nach Herstellerangaben ist er der einzige Hecktriebler im elektrischen B-Segment, Heckantrieb und Mehrlenker-Hinterachse ermöglichen einen Wendekreis von 9,9 Metern.

Geely E2 gegen ID. Polo: Preis gegen Effizienz

Der direkte Vergleich mit dem ID. Polo fällt differenziert aus. Aussagekräftig ist der Preis weniger zwischen den Basismodellen als zwischen E2 Max und ID. Polo Trend: Beide leisten 85 kW, der Volkswagen kostet mit 24.995 Euro rund 1000 Euro mehr. Auf dem Papier kommt der Geely dank seiner größeren Batterie mit 345 gegenüber 323 Kilometern nach WLTP zudem etwas weiter.

Effizienter und schneller geladen ist dagegen der Volkswagen. Laut Norm verbraucht der ID. Polo Trend 13,8 kWh, der E2 Max 15,5 kWh je 100 Kilometer. Am Schnelllader nennt VW rund 23 Minuten für 10 bis 80 Prozent bei bis zu 88 kW, der E2 benötigte dafür im Vorserientest knapp 26 Minuten. Wechselstrom nimmt der Polo mit 11 kW auf, in der Spitze erreicht er 160 km/h und darf 500 Kilogramm an den Haken nehmen, während Geely gar keine Anhängerkupplung anbietet.

Geteilt ist das Bild beim Platz. Im 4,05 Meter langen Polo fasst der Gepäckraum 441 Liter, der E2 kommt hinten auf 375 Liter, gleicht das mit Frunk und Unterbodenfach aber teilweise aus. Beim Rangieren bleibt der Vorteil beim Geely, sein Wendekreis fällt einen Meter kleiner aus. Unterm Strich steht ein etwas günstigeres Angebot mit mehr Reichweite einem effizienteren Auto gegenüber, hinter dem eine etablierte Marke mit dichtem Händlernetz steht.

Geely: Vorbereitet, bevor das erste Auto rollt

Die Interessensbekundungen aus Deutschland werden derzeit in Bestellungen überführt, eine finale Zahl steht noch aus. Wer vorbestellt hatte, erhielt bis Mitte September zusätzlich 500 Euro Ladeguthaben bei EnBW. Regulär bekommen alle Käufer:innen 144 Euro Guthaben, das die Grundgebühr des Tarifs mobility+ L für zwölf Monate abdeckt.

Parallel hat Geely das Händlernetz zügig ausgebaut. Inzwischen zählt der Hersteller 52 aktive Partner in Deutschland, insgesamt sind 67 Verträge unterzeichnet, womit das Ziel von 50 Standorten bis Jahresende bereits erreicht ist. Alle Partner übernehmen Verkauf und Werkstattservice, Betriebe ohne entsprechende After-Sales-Kapazitäten wurden nicht aufgenommen.

Ersatzteile kommen derzeit aus einem europäischen Zentrallager in Amsterdam. Ein eigenes Lager in Deutschland ist bis Jahresende angestrebt, könnte sich aber bis ins erste Quartal 2027 verschieben. Die größere Hürde bleibt die Markenbekanntheit, an der Geely mit Händlerpräsenz und Preis gleichzeitig arbeitet.

Disclaimer: Geely hat zum Kennenlernen des Geely E2 eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Erfahrungsberichte

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric

Sebastian Henßler  —  

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric bei JLR in Gaydon: Wie sich der sportliche Stromer im Kreisverkehr, auf Schlaglöchern und im Flugzeug schlägt.

Erste Fahrt im VW ID. Tiguan: So fährt der ID.4-Nachfolger

Erste Fahrt im VW ID. Tiguan: So fährt der ID.4-Nachfolger

Sebastian Henßler  —  

VW holt den Tiguan in die Elektrowelt. Die erste Fahrt in Wien zeigt, wie der ID.4-Nachfolger fährt und warum ihm 165 kW Ladeleistung genügen.

Peugeot E-208 GTi: Elektro-Kurvenräuber mit stolzem Preis

Peugeot E-208 GTi: Elektro-Kurvenräuber mit stolzem Preis

Vanessa Lisa Oelmann  —  

Peugeot verlangt 44.900 Euro für den E-208 GTi und positioniert ihn damit deutlich über dem baugleichen Opel Corsa GSE, der rund 5000 Euro günstiger ist.

Mini Countryman SE ALL4: Groß gewachsen, doch kein Angeber

Mini Countryman SE ALL4: Groß gewachsen, doch kein Angeber

Sebastian Henßler  —  

Über zwei Tonnen schwer und trotzdem wendig: Im Odenwald zeigt der Mini Countryman SE ALL4 im Gokart-Modus, dass vom alten Mini-Gefühl etwas nachwirkt.

Škoda Peaq 90x im Fahrbericht: Viel Platz für die Familie

Škoda Peaq 90x im Fahrbericht: Viel Platz für die Familie

Stefan Grundhoff  —  

Der Škoda Peaq 90x bietet viel Platz für Familie und Freizeit. Im Fahrbericht überzeugen Raumgefühl, Allradantrieb und mehr als 600 Kilometer Reichweite.

Ford E-Tourneo Custom: Fünf Tage Mosel mit der ganzen Familie

Ford E-Tourneo Custom: Fünf Tage Mosel mit der ganzen Familie

Sebastian Henßler  —  

Sechs Erwachsene, drei Koffer und rund 800 Kilometer in fünf Tagen: Der Ford E-Tourneo Custom musste zeigen, ob ein Transporter auch Urlaub mitmachen kann.