Feuerwehr Hamburg setzt auf elektrische Rettungsfahrzeuge

Feuerwehr Hamburg setzt auf elektrische Rettungsfahrzeuge
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Feuerwehr Hamburg

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Das Jahr 2025 beginnt für die Feuerwehr Hamburg modern und zukunftsorientiert. Vor wenigen Tagen durfte Staatsrat Thomas Schuster drei neue Einsatzfahrzeuge an die Feuerwehr Hamburg übergeben. Das Besondere daran ist, dass alle Fahrzeuge vollelektrisch betrieben werden.

Zwei elektrische Rettungswagen und ein elektrisches Hilfeleistungslöschfahrzeug reihen sich seitdem in den Fuhrpark der Feuerwehr ein und leisten zukünftig ihren Dienst in den teils herausfordernden Einsätzen. Zwei weitere elektrische Kommandowagen befinden sich bereits seit Juni 2024 im Probebetrieb.

Neben den Umweltgesichtspunkten, die maßgeblich für die weltweite Transformation hin zur Elektromobilität sind, bieten die neuen Einsatzfahrzeuge wesentliche Vorteile, die optimal auf die Bedürfnisse der Feuerwehr Hamburg zugeschnitten seien und die Einsatzkräfte, beispielsweise durch einen leisen Fahrbetrieb und eine verbesserte Ergonomie und Wendigkeit, optimal bei der täglichen Arbeit unterstützen.

Die beiden neuen elektrisch betriebenen Rettungswagen sind vorerst an den Feuer- und Rettungswachen Billstedt und Berliner Tor stationiert. Sie wurden auf Basis eines MAN-Fahrgestells durch die Schweizer Firma Flux voll elektrifiziert und durch die Firma WAS (Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeuge) zu Rettungswagen auf- und ausgebaut. Ein vergleichbares Fahrzeug dieser Bauart wurde bereits im August 2021 bei der Feuerwehr Hamburg getestet. Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass das Konzept nun in einen ausführlichen Probebetrieb mit zwei nach dem hiesigen Ausbaustandard konfigurierten vollelektrischen Rettungswagen überführt wurde.

Die niedrigen Schwerpunkte der Fahrzeuge führen zu verbesserten Fahreigenschaften und einem deutlich höheren Patientenkomfort. Auch die Fahrtragen der beiden Rettungswagen sind elektrisch betrieben und unterstützen so die Einsatzkräfte erheblich bei ihrer Arbeit. Da die Fahrzeuge bei ihren Einsätzen im Stadtgebiet nur kurze Wegstrecken zurücklegen und zwischen den Einsätzen aufgeladen werden, stellen die Reichweiten der Elektrofahrzeuge kein Problem dar.

Erstmalig stellt die Feuerwehr Hamburg auch ein elektrisch betriebenes Großfahrzeug in Dienst. Das vollelektrische Hilfeleistungslöschfahrzeug der Firma Rosenbauer stellt eine innovative Fahrzeugkonzeption dar, die den Einsatz in der Brandbekämpfung und der technischen Hilfeleistung in vielfältiger Weise verbessert. Dazu zählen insbesondre ein luftgefedertes Fahrgestell, das durch die Höhenverstellbarkeit die Geräteentnahme und die Bedienung an der Einsatzstelle erleichtere. Ein Geländemodus und die Watfähigkeit des Fahrzeugs erlauben den Einsatz in schwierigem Gelände oder kurzzeitige Wasserdurchfahrten von bis zu 80 cm Tiefe. Durch die schmale Bauweise und eine zusätzliche Hinterachslenkung ist das Fahrzeug zudem außergewöhnlich wendig. Eine weitere Besonderheit ist die Anordnung der Mannschaftssitze quer zur Fahrtrichtung. Damit wird die Kommunikation der Besatzung untereinander auf der Anfahrt zur Einsatzstelle deutlich verbessert.

Weniger Lärm vermeidet Stress und verbessert die Verständigung der Einsatzkräfte

Durch den leisen Antrieb verringert sich insbesondere die Geräuschbelastung an der Einsatzstelle, auch bei einem längeren Pumpenbetrieb. In Verbindung mit den akkubetriebenen Werkzeugen, die auf dem Fahrzeug verlastet sind, ergeben sich diverse Vorteile: die Verringerung von Lärm etwa vermeidet Stress und verbessert die Verständigung der Einsatzkräfte. Als Energy-Backup-System steht dem Hilfeleistungslöschfahrzeug ein eigener Generator zur Verfügung, der sich bei Bedarf zuschaltet und das Fahrzeug mit Strom versorgt.

Die beiden elektrischen Kommandowagen auf Basis des Volkswagen ID.4 werden seit dem letzten Sommer von den Ärzten der Leitenden Notarztgruppe sowie dem Pressedienst der Feuerwehr Hamburg genutzt.

Alle fünf elektrisch betriebenen Fahrzeuge befinden sich derzeit im Probebetrieb. Dieser wird sich über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren erstrecken und ist an mehreren Feuer- und Rettungswachen vorgesehen. Damit werden alle strukturellen Besonderheiten der Stadt Hamburg abgebildet, wie zum Beispiel die Hafengebiete, dichte Bebauung in der Innenstadt oder ländliche Strukturen in den Randbereichen Hamburgs. Die Fahrzeuge bieten neben einem hohen Komfort für Patienten auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und technische Raffinessen, die gezielt im urbanen Raum die Zielerreichung der Feuerwehr positiv unterstützen können.

Die Beschaffung der beiden elektrischen Rettungswagen und des elektrischen Hilfeleistungslöschfahrzeugs sowie der zugehörigen Ladeinfrastruktur wird im Rahmen der Richtlinie über die Förderung von leichten und schweren Nutzfahrzeugen mit alternativen, klimaschonenden Antrieben und dazugehöriger Tank- und Ladeinfrastruktur (KsNI) mit insgesamt rund 583.000 Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert. Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert, Anträge werden durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität bewilligt. Diese drei Projekte werden zudem aus Klimaplanmitteln der Freien und Hansestadt Hamburg gefördert.

Anlässlich der Fahrzeugübergabe betonte Hartmut Höppner, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr: „Sonderfahrzeuge sind wichtige Botschafter für die Funktions- und Leistungsfähigkeit der Elektromobilität. Klimafreundlich angetriebene Rettungs- und Einsatzfahrzeuge zeigen, dass es für fast alle Bereiche des Verkehrs klimaneutrale Alternativen gibt. Diese verursachen weniger Abgase und Lärm und tragen so zu einer besseren Luft- und Lebensqualität in unseren Städten bei. Das Engagement der Feuerwehr Hamburg belegt eindrucksvoll, dass Klimaschutz und Einsatzbereitschaft Hand in Hand gehen können.“

Neben Hamburg hat unter anderem auch die Feuerwehr Berlin sowie das Landesfeuerwehrkommando Burgenland in Österreich schon mehrere rein elektrische Rettungswagen im Einsatz, darunter auch eine vollelektrische Drehleiter.

Quelle: Feuerwehr Hamburg – Pressemitteilung vom 17.03.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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