Deutsche Umwelthilfe kritisiert neue E-Auto-Förderung als verfassungswidrig

Deutsche Umwelthilfe kritisiert neue E-Auto-Förderung als verfassungswidrig
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Porsche

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Recherchen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigen die Absurdität des von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgestellten Förderprogramms für Elektroautos: Durch die Erhöhung der erlaubten CO2-Emissionen und eine „oder“ Verknüpfung von Förderbedingungen bei den Plug-in-Hybriden werden ausgerechnet die klimaschädlichsten Verbrenner-Neufahrzeuge von Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW förderfähig, so die DUH in einer aktuellen Mitteilung. Das 3 Milliarden Euro schwere Förderprogramm soll aus dem Sondervermögen des Klima- und Transformationsfonds finanziert werden.

Anders als Schneider bei der Vorstellung des Förderprogramms darstellte, sollen auch viele mit einem bis zu 400 PS starken Benzinmotor ausgestattete Plug-in-Hybride wie die Audi-SUV Q7 und Q8, BMW XM und M760e, Mercedes GLE und Maybach S 580 sowie Porsche Cayenne und Panamera zukünftig mit bis zu 6000 Euro gefördert werden können.

„Durch einen Trick“, so die DUH, sei es den Autokonzernen gelungen, die Förderung auf Neuwagen mit besonders hohen Realemissionen im Verbrennerbetrieb auszuweiten: 80 Kilometer Reichweite beziehungsweise 60 g CO2/km müssen nicht gemeinsam erfüllt werden, es genügt ein „oder“. Zuvor im Ende 2023 ausgelaufenen Umweltbonus war es noch ein „und“. Durch die auf „Wunsch“ der Autokonzerne durchgesetzte Erhöhung des CO2-Werts von ursprünglich 50 auf nun 60 g CO2/km erhöhe sich die Zahl der förderfähigen Plug-in-Hybrid-Modelle um 9 Prozent auf nun 51 Prozent der derzeit angebotenen Modelle.

Damit werde beispielsweise auch ein Porsche Cayenne Plug-in-Hybrid mit einer Leistung des Benzinmotors von mehr als 300 PS förderfähig: Er liegt zwar im WLTP-Zulassungswert über der neuen Höchstgrenze von 60 g CO2, hat aber eine offizielle elektrische Reichweite von mehr als 80 Kilometer. Nur eines der beiden Kriterien muss erfüllt sein. Bei den reinen Elektroautos können der DUH zufolge durch den Wegfall der Obergrenze auch übermäßig motorisierte Fahrzeuge wie die 700 PS starke AMG Mercedes-G-Klasse oder der 400.000 Euro teure Rolls-Royce Spectre gefördert werden. Im Ende 2023 beendeten Umweltbonus der Vorgängerregierung gab es noch einen Höchstbetrag der förderfähigen Fahrzeuge von maximal 65.000 Euro Nettolistenpreis.

Ein weiterer Punkt, den die DUH kritisiert: Erstmals in Deutschland können selbst Millionäre für ihre Luxus-Fahrzeuge die volle Förderung einstreichen. Da bei der Antragstellung ausschließlich das Einkommen, nicht aber das Vermögen berücksichtigt werde, können auch Haushalte, die ausschließlich von ihrem Vermögen leben, pro Fahrzeug 6000 Euro kassieren. Diese Konstruktion ermögliche es auch Sammlern, sich mehrere Fahrzeuge vom Staat mitfinanzieren zu lassen. Auch Haushalte oberhalb von 90.000 Euro können mit ein wenig Geschick die Förderung einstreichen, so die DUH über einen weiteren finanziellen Kniff: Wenn beispielsweise Oma oder Opa Rente bezieht oder das Kind studiert, liege deren Einkommen meist unter dieser Grenze. In den Zulassungspapieren steht dann zwar der Name von Großmutter oder Student – die bis zu 6000 Euro Förderung flössen jedoch völlig legal in die erweiterte Familie.

„Der Bundesregierung liegt weder der Klimaschutz noch ein sozial gerechter Umstieg auf E-Autos am Herzen“

„Der Missbrauch von Klimaschutzmitteln als Förderprogramm für fossil ausgerichtete Autokonzerne und die Förderung von besonders klimaschädlichen Verbrenner-Fahrzeugen mit Elektro-Hilfsmotor ist verfassungswidrig“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Der Verband werde „nun im parlamentarischen Verfahren mit einer Aktion diese Fehlförderung stoppen. Wir fordern die Mitglieder des Deutschen Bundestags dazu auf, die 3 Milliarden Euro Fördermittel stattdessen für einen dauerhaft niedrigen Ladestrompreis für sparsame E-Autos nach dem Modell des Industriestrompreises und für die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs zu verwenden.“

Für den Fall, dass der Bundestag „diese absurde Fehlförderung“ absegnet, will die DUH „diese im Rahmen unserer Klimaklagen angreifen. Einmal mehr zeigt die Bundesregierung, dass ihr weder der Klimaschutz noch ein sozial gerechter Umstieg auf E-Autos am Herzen liegen.“ Stattdessen gehe es „um eine drei Milliarden Euro schwere Finanzspritze an die Automobilindustrie, die es verschlafen hat, effiziente und bezahlbare E-Modelle auf den Markt zu bringen und die sich nun ihre besonders klimaschädlichen Plug-in-Hybride fördern lassen möchte. Und dies alles soll finanziert werden aus dem Klima-Transformations-Fonds, der für den Ausstieg aus fossilen Energien und zukunftsfähige Technologien eingerichtet wurde.“

Quelle: DUH – Pressemitteilung vom 23.01.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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