Ging es um Geländewagen, so kamen diese bisher zumeist aus England, den USA und natürlich ist da auch noch die immer edler gewordene G-Klasse von Mercedes. Doch China breitet sich mit seinen Fahrzeugen nicht allein bei Kompaktmodellen, Vans und Crossovern aus, sondern bietet mit dem Bao 5 eine echte Alternative zu Ford Bronco, Jeep Wranger oder eben einer G-Klasse.
Mit Markennamen und Modellbezeichnungen machen es einem viele Hersteller aus China nicht leicht. Der größte Konzern BYD ist in Europa gerade etabliert und kaum durchgehend bekannt, da gibt es einen hauseigenen Premiumableger wie man es von Hyundai / Genesis, Honda / Acura oder Toyota / Lexus kennt. Wird es bei BYD besonders edel, tragen die Modelle die Bezeichnung Denza. Und dieser edle Markenspross bietet mit dem Z nicht nur einen spektakulären 1600-PS-Sportwagen, sondern mit dem Bao 5 nunmehr auch einen Crossover an, der mehr echter Geländewagen als City-Weichspüler ist. 4,92 Meter lang, wurde er bereits vor knapp zwei Jahren auf dem chinesischen Heimatmarkt vorgestellt – jetzt krabbelt er Ende 2026 auch nach Europa.
Vom Charmeur zum Kraxler: BYDs Premiummarke wird robust
Der Antrieb ist keine Überraschung, einmal mehr gibt es zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, die nicht nur durch das 31,8 kWh große Batteriepaket, in der festen Rahmenstruktur versteckt, mit Energie versorgt werden. Unter der Fronthaube bietet der Bao 5 keinen Frunk, sondern einen 1,5 Liter großen Vierzylinder-Turbo, der 110 kW / 150 PS leistet und seine Hauptaufgabe darin findet, das Batteriepaket im bestens geschützten Unterboden erstarken zu lassen.

Die beiden Elektromotor an Vorder- und Hinterachse mit 200 kW / 272 PS / 360 Nm bzw. 285 kW / 388 PS / 400 Nm sorgen in den meisten Fällen für den Vortrieb des knapp 3,1 Tonnen schweren Allradlers. Rein elektrisch schafft der rustikale Denza trotz Geländereifen und dem cW-Wert einer Schrankwand eine Reichweite von 90 Kilometern. Der Benziner an Bord sorgt dafür, dass den Elektromotoren nicht der Elan ausgeht. Und so sind bis zum Stopp an Ladesäule oder Tankstelle mehr als 830 Kilometer drin – das ist mehr als Dieselniveau.

Im Fahrbetrieb zeigt sich der edle Denza Bao 5 unaufgeregt. Der Innenraum ist gerade in der exklusiven Ultimate-Version schick und edel. Klimatisierte Ledersitze, nobel bespannte Flächen, rustikale Hebel im Cockpit und zahlreiche Anlagen nebst zwei belüfteten Ladeschalen für dir Smartphones in der breiten Mittelkonsole verbreiten einen Charme, der deutlich über dem der meisten Wettbewerber liegt.
Noch auf der Teststrecke gibt es einen kurzen Spurt, der belegt, dass die Gesamtleistung von 400 kW / 544 PS mehr als ausreichend ist. Und speziell das üppige Drehmoment von 760 Nm sorgt dafür, dass der drei Tonnen schwere Geländekoloss die 100er-Marke aus dem Stand in knapp fünf Sekunden durchbricht. Etwas blass sieht es mit der Höchstgeschwindigkeit aus: Eine Abregelung bei 180 km/h unterbindet die Fahrfreude von Möchtegern-Rennfahrern auf langen Autobahnpassagen, wobei die Windgeräusche auch bei flottem Landstraßentempo geringer sein könnten.
Der Bao 5 im Detail betrachtet
Für ein Fahrzeug mit Leiterrahmen bietet der Bao 5 überraschend viel Komfort, wenngleich sich die spürbaren Wankbewegungen auch durch die elektronischen Dämpfer des DiSuS-P-Systems nicht überspielen lassen. 20 Sensoren kontrollieren den Fahrzustand in Abstimmung von Lenkwinkel, Gaspedalstellung, Bremse sowie Radgeschwindigkeit und stimmen das Feder-Dämpfer-Paket aktiv ab. Noch wichtiger ist das venetzte Fahrwerksregelsystem abseits befestigter Straßen, denn so wird bei etwaig durchdrehenden Rädern auch die Kraft der Elektromotoren in Sekundenbruchteilen variabel verteilt.

Da ein Allradantrieb via Kardanwelle fehlt, hat der Denza Bao 5 vorne wie hinten elektronische Differenzialsperren an Bord sowie eine Untersetzung, die sich über einen Kippschalter an der Mittelkonsole zuschalten lässt, wenn es besonders ungemütlich wird. Große Böschungswinkel (vorne: 39 Grad / hinten: 35 Grad), ein Rampenwinkel von 27 Grad und eine Bodenfreiheit von bis zu 31 Zentimetern ist der Bau mit seinem stabilen Leiterrahmen und dem darin geschützten Blade-Akku jedoch auch etwas für den hatten Geländeeinsatz. Spürbar bereits auf lockerem Untergrund ohne großen Geländeanspruch wie präzise und feinfühlig sich der Kraftfluss an die beiden Achsen dosieren lässt.
Je nach angewählten Fahrprogramm und den entsprechenden Leistungsabfragen ist der 1,5 Liter große Benziner unter der massigen Fronthaube deutlich zu hören. Im normalen Alltagsbetrieb ist der Bao zumeist elektrisch und dann betont leise unterwegs. Neben der normalen Ladefunktion am 11-kW-Charger kann der Nutzer die Pause auch an einem DC-Lader mit immerhin 100 kW verkürzen – allemal eindrucksvoll für einen Plug-in-Hybriden mit Range-Extender-Qualitäten.

Wie die Kraftflüsse laufen, das lässt sich im zentralen 15,4-Zoll-Bildschirm verfolgen, der von zwei Bildschirmen für Fahrer und Beifaherr sowie eine Head-Up-Display eingefasst ist. Das Platzangebot ist vorne wie hinten durch den 2,80 Meter langen Radstand üppig, wobei die klimatisierten Ledersitze guten Reisekomfort bieten und durch Fensterflächen und das serienmäßige Panoramadach viel Licht ins Innere des China-Offroaders gelangt. Das Ladevolumen von 475 Litern hinter der weit aufschwingenden Hecktür lässt sich bei dachhoher Beladung auf bis zu 1736 Liter erweitern. Marktstart soll Ende des Jahres sein, wobei der Preis bei rund 75.000 Euro starten dürfte.








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