Fahrbericht Nissan Silence S04: Stadtflitzer mit Stil

Fahrbericht Nissan Silence S04: Stadtflitzer mit Stil
Copyright:

Nissan

Wolfgang Gomoll
Wolfgang Gomoll
  —  Lesedauer 4 min

Klein, wendig und zwei Sitzplätze. Der vollelektrische Nissan Silence S04 löst das Versprechen ein, das der Ur-Smart einst gab. Im Gegensatz zum Duo Opel Rocks-e oder dem Fiat Topolino ist der S04 ein vollwertiges Auto mit Klimaanlage und Federung. Allerdings zu einem ambitionierten Preis.

So mancher Autofahrer trauert noch dem ersten Smart nach. Erinnern Sie sich noch? Jenes Auto, mit dem man auch quer zur Straße einparken durfte und so auch in überfüllten Großstädten immer einen Stellplatz fand. Diese Zeiten sind längst vorbei. Was einmal smart war, ist heute ein deutlich größerer Elektro-Crossover aus China. Alles schön und gut, aber eben kein Auto, das in jede Parklücke passt.

„Der Silence S04 darf auch quer einparken“, strahlt Nissan-Deutschland-Chef Vincent Ricoux. Ein Blick auf die Abmessungen lässt uns innerlich nicken. Mit einer Länge von 2,28 Metern und einer Breite von 1,27 Metern hat der Nissan-Manager nicht zu viel versprochen. Der Nissan Silence 04 ist der Nachfolger des Ur-Smart. Das zeigt: Wo sich eine Lücke auftut, stoßen andere gerne hinein – auch im übertragenen Sinne. Zumal viele Autohersteller die Kombination aus Kleinwagen und Elektromobilität meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Zu teuer und nicht rentabel lautet die Begründung. Dabei ergeben kleine, bezahlbare E-Autos nach wie vor Sinn. Mehr denn je.

Nissan

Sei es als Einstiegsmobilität für Teenager, die mit einem Führerschein der Klasse AM mit maximal 45 km/h unterwegs sein dürfen, oder auch für ältere Menschen, die einen Führerschein der Klasse B besitzen, auf dem Land wohnen oder ein Auto für Einkäufe und Kurzstrecken brauchen. „Wir erweitern die Mobilität für jeden, der Bedarf hat“, erklärt Ricoux.

Der japanische Hersteller bietet den Silence 04 daher in zwei Versionen an: Als L6e mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und als L7e-Version mit 85 km/h. Die von uns gefahrene größere Version hat zwei Batterien an Bord und kommt so bis zu 149 Kilometer weit. Auch Pizzaboten und Pflegedienste dürften beim Silence S04 zugreifen.

Battery as a Service: Ein neues Modell für Flexibilität

„Der Silence S04 ist Teil eines Mobilitätsservices“, erklärt Projektleiter Gareth Dunsmore. Kunden können das Nanocar samt Batterien für mindestens 11.995 Euro (L6e-Version) oder 14.095 Euro (L7e) kaufen. Alternativ bietet Nissan ab 2025 die Option Battery as a Service (BaaS) an, die in Spanien bereits verfügbar ist. Wer sich für BaaS entscheidet, erhält einen Rabatt von rund 40 Prozent und zahlt nur die Energie, die er benötigt.

Nissan

Das BaaS-Modell bedeutet, dass man nur für den verbrauchten Strom bezahlt und die Akkus an einer Wechselstation tauschen kann. Beim S04 reserviert man sich per App aufgeladene Energiespeicher und fährt zur Wechselstation. Dort entriegelt man die Batterien, zieht sie heraus und fährt sie wie einen Bordtrolley zur Ladestation. Die neuen Akkus lassen sich mühelos einbauen, und das System erkennt den Energiestand automatisch. Dieses Prinzip ist vom Elektroroller Seat Mó bekannt – hinter dem S04 steckt das spanische Start-up Silence.

Komfort für die Stadt: Leistung, Fahrmodi & Preis des Silence S04

Wir sitzen in einem L7e-Modell mit zwei Batterien von je 5,6 Kilowattstunden. Das soll für 149 km Reichweite genügen. Zwei Radnabenmotoren mit 14 kW Dauerleistung ermöglichen einen Sprint des 519 Kilogramm schweren Mini-Stromers von null auf 50 km/h in weniger als sieben Sekunden. Der Silence 04 bietet drei Fahrmodi: Eco, City und Sport.

Auch das Rekuperieren beherrscht der Silence 04, was sich positiv auf die Reichweite auswirkt. In der Stadt fühlt sich das Gefährt am wohlsten. Mit einem Wendekreis von 3,5 Metern wieselt er um jede Ecke. Innen sorgen zwei versetzte Sitze dafür, dass auch zwei Erwachsene Platz finden. Die Sitze sind allerdings nicht für lange Strecken gedacht – aber das ist auch nicht das Ziel des Nissan Silence 04.

Nissan

Was dieses Nanocar von Konkurrenten wie dem Opel Rocks-e oder dem Fiat Topolino unterscheidet, ist die Tatsache, dass der Nissan ein vollwertiges Auto mit Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern und einem stabilen Fahrwerk ist. Der Komfortunterschied zu den Stellantis-Modellen ist spürbar. Zudem bietet der Silence S04 einen Kofferraum von 247 Litern, der durch Umklappen des Beifahrersitzes erweitert werden kann.

Nissan

Bleibt noch der Preis: Mindestens 11.995 Euro für das L6e-Modell sind ambitioniert, ebenso wie 16.745 Euro für die von uns gefahrene L7e-Variante. Citroën plant für das nächste Jahr den ë-C3 mit einer Reichweite von rund 200 Kilometern und einem Preis von 19.990 Euro. Im Vergleich hat der Nissan Silence S04 das Nachsehen, doch könnte das BaaS-Modell die Attraktivität steigern.

Worthy not set for this post
Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Erfahrungsberichte

Mercedes GLC EQ im Fahrtest: Komfort statt Kompromiss

Mercedes GLC EQ im Fahrtest: Komfort statt Kompromiss

Joaquim Oliveira  —  

Der elektrische Mercedes GLC 400 EQ tritt mit 360 kW und 800-Volt-Technik gegen den BMW iX3 an. Ein Fahrbericht zwischen Komfort und Konkurrenz.

Erste Fahrt im VW ID Cross: Das kann der elektrische T-Cross

Erste Fahrt im VW ID Cross: Das kann der elektrische T-Cross

Joaquim Oliveira  —  

Volkswagen startet mit seiner zweiten Generation von Elektroautos, eines davon ist der ID Cross – und der macht einiges richtig.

So fährt die elektrische C-Klasse – erste Testfahrt

So fährt die elektrische C-Klasse – erste Testfahrt

Stefan Grundhoff  —  

Die neue Mercedes C-Klasse EQ fährt erstmals auf Augenhöhe mit den Verbrennerversionen und bietet dabei mehr Laufruhe als der kleinere Bruder CLA.

MGS6 EV im Fahrbericht: Großes E-SUV mit ruhigem Auftritt

MGS6 EV im Fahrbericht: Großes E-SUV mit ruhigem Auftritt

Sebastian Henßler  —  

Der MGS6 EV zeigt sich bei der Testfahrt an Portugals Küste als ruhiges und komfortables E-SUV mit viel Platz, solider Effizienz und klarer Bedienstruktur.

MG4 EV Facelift im Fahrbericht: Was sich wirklich verändert

MG4 EV Facelift im Fahrbericht: Was sich wirklich verändert

Sebastian Henßler  —  

Der MG4 EV wirkt nach dem Facelift erwachsener, ohne seinen fahraktiven Charakter zu verlieren. Vor allem innen legt der Kompaktstromer spürbar weiter zu.

Test: 10.000 Kilometer im Xpeng G6 Standard Range

Test: 10.000 Kilometer im Xpeng G6 Standard Range

Daniel Krenzer  —  

Unser Redakteur hat die ersten 10.000 Kilometer in seinem Xpeng G6 SR absolviert und kann nun auch über Winter-Erfahrungen berichten.

E-Auto im Test: Mit dem DS N°8 auf Langstrecke

E-Auto im Test: Mit dem DS N°8 auf Langstrecke

Sebastian Henßler  —  

Langstrecke statt Kurzstrecke: 1500 Kilometer im DS N°8 zeigen, wie sich das Elektroauto als ruhiger Reisebegleiter im Alltag und auf der Autobahn schlägt.