Für diese Podcast-Folge habe ich mit Daniel Jimenez Schuster, Managing Partner und Mitgründer von iLiMarkets, gesprochen. Daniel ist seit mehr als zwanzig Jahren in der globalen Lithiumindustrie unterwegs, viele Jahre davon in führenden Rollen bei SQM. Kaum jemand verbindet Marktdaten, Industriepolitik und ein tiefes Verständnis der Batterie-Wertschöpfungskette so nüchtern und klar wie er. Genau das macht dieses Gespräch so spannend – und an manchen Stellen auch unbequem.
Ein zentraler Punkt unseres Austauschs: Lithium ist aus Daniels Sicht nicht das eigentliche Problem der europäischen Energiewende. Die öffentliche Debatte fokussiert sich stark auf den Rohstoff und auf Fragen der Versorgungssicherheit. Daniel hält diese Perspektive für verkürzt. Entscheidend sei nicht, ob Europa Zugriff auf Lithium habe, sondern ob hierzulande überhaupt wettbewerbsfähig Batteriezellen produziert werden können. Sein Leitsatz dazu: „Das Upstream folgt dem Downstream, nicht umgekehrt.“ Ohne Zellfertigung gebe es keinen echten Bedarf für Kathodenmaterialien oder Lithiumchemikalien – und damit auch keinen strategischen Hebel durch eigene Förderung.
Im Gespräch ordnet Daniel ein, warum China heute eine so dominante Rolle spielt. Über Jahre hinweg habe das Land konsequent auf Skalierung, Lernkurven und Kostenführerschaft gesetzt – vor allem bei LFP-Zellen. Während Europa und die USA lange auf NMC-Technologien fokussiert waren, habe China LFP technologisch weiterentwickelt und gleichzeitig massiv günstiger produziert. Das Ergebnis: Viele westliche Zellprojekte werden aktuell umgestellt oder neu gedacht. Aus Daniels Sicht hat der Westen dadurch rund fünf Jahre verloren.
Spannend ist auch sein Blick auf industriepolitische Strategien in Europa und den USA. Förderprogramme, der Aufbau einer heimischen Lithiumförderung oder Initiativen wie der Critical Raw Materials Act greifen seiner Meinung nach zu kurz. Nicht, weil Rohstoffe unwichtig wären, sondern weil der größte Hebel woanders liegt. „Europa hat keinen strukturellen Vorteil im Bergbau“, sagt Daniel. Die Ressourcen seien teuer, komplex und begrenzt. Länder wie Australien, Chile oder Argentinien könnten Lithium günstiger und effizienter liefern – und seien zugleich verlässliche Partner. Öffentliche Mittel wären aus seiner Sicht besser in Technologie, Industrie und Zellproduktion investiert.
Industriepolitik setzt an der falschen Stelle an
Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Direct Lithium Extraction, kurz DLE. Diese Technologie wird häufig als umweltfreundliche Lösung für Europa dargestellt, etwa im Oberrheingraben. Daniel ordnet das differenziert ein. DLE könne langfristig eine Rolle spielen, vor allem bei geothermischen oder tiefen Solen. Gleichzeitig warnt er vor überzogenen Erwartungen. Historisch seien diese Verfahren teuer, und selbst bei technologischem Fortschritt blieben DLE-Projekte voraussichtlich Hochkostenproduzenten. Entscheidend sei ohnehin: Solange Europa keine Zellproduktion habe, würde auch günstigeres Lithium aus Europa keinen strukturellen Vorteil bringen. Es müsste am Ende trotzdem dorthin exportiert werden, wo die Zellen gefertigt werden – aktuell vor allem nach China.
Sehr klar wird Daniel auch beim Thema Partnerschaften. Ein technologisches Aufholen ohne China hält er in der aktuellen Batteriegeneration für unrealistisch. Sein Plädoyer: chinesische Unternehmen gezielt nach Europa holen, hier produzieren lassen und auf diesem Weg Know-how aufbauen. „So wie China früher von europäischen OEMs gelernt hat, müssen wir heute von China lernen, wie Zellproduktion skaliert wird.“ Das sei kein einfacher Weg, habe soziale und industrielle Konsequenzen, sei aber realistischer als Abschottung oder reine Regulierung.
Mein Fazit nach diesem Gespräch ist klar: Wer über Elektromobilität, Batterien und industrielle Souveränität spricht, sollte weniger über Lithiumminen und mehr über Zellfabriken reden. Oder, wie Daniel es zusammenfasst: „Nicht Lithium ist das eigentliche Problem, sondern fehlendes Know-how und fehlende Skalierung.“ Nun aber genug der Einordnung – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.
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