EU will Elektrifizierung verdoppeln, Verbände warnen

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die EU-Kommission will die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie deutlich beschleunigen. Mit dem neuen „Electrification Action Plan“ soll der Anteil von Strom am europäischen Endenergieverbrauch von derzeit rund 23 Prozent auf 46 Prozent im Jahr 2040 steigen. Für 2030 werden 32 Prozent angestrebt.

Die stärkere Stromnutzung soll nicht nur dem Klimaschutz dienen, sondern auch Europas Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten verringern, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärken und Energiekosten senken. Laut Kommission könnten die Gasimporte bis 2040 um mehr als 70 Prozent und die Ölimporte um mehr als 40 Prozent sinken. Die jährlichen Ausgaben für fossile Energieimporte könnten sich dadurch um bis zu 260 Milliarden Euro verringern.

Für die Elektromobilität enthält der Aktionsplan mehrere Ansätze. Die Mitgliedstaaten sollen Mittel aus dem EU-Klimasozialfonds und Einnahmen aus dem Emissionshandel für Sozialleasingprogramme einsetzen können. Vorgesehen sind außerdem günstige Kredite, steuerliche Vorteile und Förderprogramme für neue sowie gebrauchte Elektroautos.

Davon sollen vor allem Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen sowie Menschen in ländlichen Regionen profitieren. Bis Ende 2026 will die EU-Kommission Empfehlungen für finanzielle und nicht finanzielle Kaufanreize vorlegen. Auch die öffentliche Beschaffung könnte stärker auf emissionsfreie Fahrzeuge ausgerichtet werden.

AFIR soll überarbeitet werden

Für Elektro-Lkw empfiehlt Brüssel Mautbefreiungen (wie in Deutschland) oder geringere Mautsätze. Bis 2040 sollen zudem genügend Netzanschlüsse und Ladepunkte verfügbar sein, damit 40 Prozent der europäischen Lkw-Flotte batterieelektrisch fahren können. Noch 2026 soll zudem die europäische Ladeinfrastrukturverordnung AFIR abermals überarbeitet werden. Dabei geht es unter anderem um das Laden auf Betriebshöfen, zusätzliche Schnellladeachsen für schwere Nutzfahrzeuge und einheitliche technische Standards.

Öffentliche und private Ladepunkte sollen künftig intelligentes und bidirektionales Laden unterstützen. Umstritten ist allerdings der Ansatz, neue Elektroautos ab 2030 grundsätzlich auf Vehicle-to-Grid-Anwendungen vorzubereiten. Einheitliche Standards wären zwar hilfreich. Eine verpflichtende Ausstattung könnte Fahrzeuge jedoch verteuern, solange Smart Meter, geeignete Stromtarife und attraktive Vergütungsmodelle fehlen.

Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI bewertet den Aktionsplan grundsätzlich positiv. Die Elektrifizierung erhalte damit endlich einen angemessenen Stellenwert. Ein eigenständiges Ziel für 2040 könne Investitionen anregen und Planungssicherheit schaffen.

Gleichzeitig betont der Verband, dass die steigende Stromnachfrage nur mit leistungsfähigen und digitalisierten Netzen bewältigt werden könne. Auch bei Wärmepumpen plant die Kommission ein deutliches Wachstum: Die Zahl der jährlichen Installationen soll von 2,4 Millionen im Jahr 2025 auf vier Millionen im Jahr 2030 steigen.

BDEW weist Ideen zurück

Kritischer äußert sich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Der BDEW hält ein zusätzliches Elektrifizierungsziel nicht für notwendig. Entscheidend seien vielmehr wettbewerbsfähige Strompreise, der Abbau fossiler Fehlanreize sowie ein schnellerer Ausbau von erneuerbaren Energien, Netzen, Speichern und Flexibilitäten. Für Deutschland fordert der Verband unter anderem eine Senkung der Stromsteuer. Eine höhere Quote allein führe noch nicht dazu, dass Unternehmen und Haushalte auf elektrische Lösungen umsteigen.

Auch der Verband der Automobilindustrie bewertet den Plan gemischt. Der VDA begrüßt die geplante AFIR-Überarbeitung, die stärkere Berücksichtigung des Depotladens sowie Maßnahmen für Smart Meter, Speicher und flexible Netzentgelte. Die Zielmarke von 46 Prozent könne jedoch zusätzliche Regulierung nach sich ziehen. Bei Stromkosten und wirtschaftlichen Voraussetzungen für bidirektionales Laden gehe der Plan nicht weit genug. Eine pauschale Verpflichtung zur bidirektionalen Ausstattung neuer Elektroautos lehnt der Verband ab.

Grundsätzlich setzt der Electrification Action Plan an der richtigen Stelle an. Europa kann seine Abhängigkeit von Öl und Gas kaum verringern, ohne Verkehr, Gebäude und Industrie stärker mit Strom zu versorgen. Elektroautos, Wärmepumpen und viele industrielle Anwendungen arbeiten zudem deutlich effizienter als Technologien auf Basis fossiler Verbrennung. Ein politischer Zielwert senkt allerdings weder automatisch den Strompreis noch beschleunigt er einen Netzanschluss. Viele Punkte bestehen bislang aus Empfehlungen, Prüfaufträgen und angekündigten Gesetzesänderungen.

Entscheidend ist deshalb, ob die EU damit tatsächlich bewirkt, dass Strom günstiger wird, Netze schneller ausbaut und Investitionen in Speicher und Ladeinfrastruktur erleichtert werden. Gelingt dies, könnte der Plan der Elektromobilität deutlichen Rückenwind geben.

Quelle: Europäische Kommission – Pressemitteilung vom 17. Juli 2026; Pressemitteilungen von VDA, BDEW und ZVEI

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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