Der Aufbau eines bundesweiten Schnellladenetzes für E-Lkw geht in die Umsetzung. Das gab Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover bekannt. Ein speziell auf die Nutzung durch Elektro-Lastwagen konzipiertes Schnellladenetz gilt als eine der zentralen Voraussetzungen, damit der Umstieg auf elektrische Antriebe für Speditionsunternehmen wirtschaftlich tragfähig wird. Der Bund stellt rund eine Milliarde Euro für das Vorhaben bereit.
Geplant ist der Aufbau von rund 4200 Ladepunkten an etwa 350 Standorten auf bundeseigenen Flächen entlang der deutschen Autobahnen. Davon sollen rund 225 Standorte auf bewirtschaftete und 124 auf unbewirtschaftete Rastanlagen entfallen.
Die Ladepunkte sollen sowohl zum schnellen Zwischenladen während der gesetzlichen Fahrtunterbrechungen als auch zum Laden während längerer Ruhezeiten dienen, etwa über Nacht. Dementsprechend teilt sich das Ladenetz in zwei Standards auf: Rund 1800 der 4200 Ladepunkte sollen für Megawattladen (Megawatt Charging System, MCS) ausgelegt sein und kurze Ladezeiten ermöglichen. Rund 2400 Ladepunkte sollen den auch von Elektroautos bekannten CCS-Standard nutzen.
Schon im Sommer wurden die Zuschläge für den Aufbau und Betrieb der Ladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastanlagen erteilt. Nach Abschluss der Konzeptions-, Planungs- und Vergabephase starten nun die Arbeiten an den Standorten. Die fünf Auftragnehmer beginnen mit den standortspezifischen Planungen und den weiteren Schritten für die Errichtung der Ladeinfrastruktur. Die zweite Ausschreibung für die Standorte an den bewirtschafteten Rastanlagen ist in Vorbereitung.
Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur begleitet das Projekt in Konzeption und Umsetzung. Grundlage für die Netzplanung sind unter anderem umfangreiche Daten und Modellierungen zum erwarteten Ladebedarf des künftigen elektrischen Schwerlastverkehrs.
Wirtschaftsverbände reagieren positiv – und drängen auf zügige Umsetzung
Branchenverbände reagierten grundsätzlich positiv auf die Ankündigung. Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, die bei der Ankündigung ebenfalls anwesend war, wies jedoch darauf hin, dass es nun auf eine zügige Umsetzung ankomme. Das Bundesverkehrsministerium habe „den richtigen Hebel in Bewegung gesetzt“, so Müller. Derzeit seien die mangelnden öffentlichen Lademöglichkeiten ein Hemmnis für den Markthochlauf von E-Lkw. „Die Folge: Der Hochlauf stockt und den Herstellern drohen – obwohl sie bereits klimafreundliche Lösungen entwickelt und in den Markt gebracht haben – Strafzahlungen“, so die VDA-Präsidentin. „Entscheidend ist jetzt, dass wir umgehend in die Umsetzung kommen und die Lademöglichkeiten schnell zur Verfügung stehen.“
Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), sprach von einem wichtigen Schritt für die Antriebswende im Straßengüterverkehr. „Unsere Unternehmen brauchen die Sicherheit, dass sie ihre E-Lkw im täglichen Betrieb zuverlässig und ohne lange Wartezeiten laden können. Entscheidend ist deshalb, dass der Ausbau jetzt schnell vorankommt und Ladepunkte, leistungsfähige Netzanschlüsse und der tatsächliche Bedarf der Transportwirtschaft zusammen gedacht werden“, erklärte Engelhardt auf der IAA Transportation. „Die jetzt geplanten Ladepunkte sind ein wichtiger Anfang. Gleichzeitig müssen wir die Transformation auch an anderen Stellen konsequent weiter voranbringen, etwa mit der Fortführung der Förderung betrieblicher Ladeinfrastruktur, praxistauglichen Lösungen bei der Mehrgewichtskompensation und einer verlässlichen Finanzierungsgrundlage.“
Quelle: Bundesministerium für Verkehr – Pressemitteilung vom 15.09.2026








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