Elektromobilität in Finnland: Günstiger Strompreis als Treiber

Elektromobilität in Finnland: Günstiger Strompreis als Treiber
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Daniel Krenzer

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  —  Lesedauer 5 min

Wer in diesen Tagen durch Helsinki spaziert, bekommt schnell den Eindruck, dass die Elektromobilität in Finnland längst den Sprung aus der Nische geschafft hat. Elektroautos sind zwar (noch) nicht in der Mehrheit, prägen jedoch deutlich das Straßenbild: Ein Großteil der Stadtbusse fährt lokal emissionsfrei, zahlreiche Taxis sind elektrisch unterwegs und selbst autonome Lieferroboter gehören mittlerweile zum Alltag. Während Deutschland noch über viele Details der Verkehrswende diskutiert, wirkt die Elektrifizierung des Verkehrs in Finnland in weiten Teilen selbstverständlich.

Die Zahlen stützen diesen Eindruck. Bereits 2025 waren knapp 60 Prozent aller neu zugelassenen Pkw in Finnland entweder batterieelektrisch oder Plug-in-Hybride. Reine Elektroautos erreichten dabei einen Anteil von etwas mehr als 30 Prozent der Neuzulassungen. Anfang 2025 waren laut offiziellen Statistiken rund 124.000 batterieelektrische Pkw und insgesamt etwa 291.000 elektrifizierte Fahrzeuge auf Finnlands Straßen unterwegs. Damit überschreiten Elektroautos inzwischen die Marke von zehn Prozent des gesamten Pkw-Bestands des Landes.

Im europäischen Vergleich liegt Finnland damit klar über dem EU-Durchschnitt, bleibt allerdings hinter den skandinavischen Spitzenreitern Norwegen und Island zurück. Während Norwegen mittlerweile fast ausschließlich Elektroautos neu zulässt, hat sich Finnland als einer der dynamischsten E-Auto-Märkte innerhalb der Europäischen Union etabliert.

Tesla bleibt stark, BYD holt sichtbar auf

Auch auf den Straßen Helsinkis zeigt sich die Vielfalt des Marktes. Besonders häufig anzutreffen sind Tesla Model Y und Model 3, die weiterhin zu den beliebtesten Elektroautos des Landes zählen. Gleichzeitig gewinnen chinesische Hersteller deutlich an Sichtbarkeit. Vor allem BYD ist inzwischen auffallend präsent, doch auch mehrere MG und Xpeng fielen ins Auge. Besonders bei Taxibetrieben scheint BYD beliebt zu sein: Neben dem Atto 3 und Seal ist vereinzelt sogar der Kleinwagen Dolphin Surf als Personenbeförderung, aber auch als Lieferdienst im Einsatz. Daneben prägen zahlreiche E-Autos von Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz, natürlich Volvo sowie Škoda das Straßenbild.

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Anders als in vielen deutschen Städten fällt dabei auf, dass sich die Elektromobilität nicht auf wenige Modelle konzentriert. Die Fahrzeugflotte wirkt insgesamt deutlich breiter aufgestellt, nicht zuletzt, weil Finnland keine nennenswerte eigene Automobilindustrie hat.

Elektrische Busse dominieren den Nahverkehr

Besonders sichtbar ist die Elektrifizierung im öffentlichen Verkehr. Im Großraum Helsinki waren bereits 2025 rund 650 Elektrobusse im Einsatz. Schon heute wird etwa die Hälfte der ausgeschriebenen Busverkehre elektrisch betrieben, Tendenz weiter steigend. Und in der Hauptstadtregion sind die allermeisten Busse inzwischen vollelektrisch, was an das Stadtbild Kopenhagens erinnert. Finnland gehört damit zu den europäischen Vorreitern bei der Elektrifizierung von Stadtbussen. Und wer in der Nahverkehrs-App seine Route plant, bekommt auch den CO2-Ausstoß auf der jeweiligen Route angezeigt, was Diesel-Busse direkt alt aussehen lässt.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Technik, sondern auch die Nutzerfreundlichkeit. Wer mit Kinderwagen oder Buggy unterwegs ist, kann in Helsinki den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen. Die Begleitperson des Kindes fährt ohne Ticket mit. Solche familienfreundlichen Angebote machen den Umstieg auf nachhaltige Mobilität zusätzlich attraktiv. Zudem wurde in Helsinki jüngst die längste und höchste Brücke des Landes eröffnet, ohne dass jemals ein Auto darüber fahren soll. Neben einem Fuß- und Radweg soll über das neue Bauwerk, das einen auf einer Insel gelegenen Stadtteil besser an die Innenstadt anbindet, ab dem kommenden Jahr mit einer Straßenbahnlinie dennoch elektrischer Verkehr rollen.

Autonome Elektrofahrzeuge gehören bereits zum Alltag

Eine Besonderheit, die Besucher aus Deutschland überrascht: Auf den Gehwegen Helsinkis sind regelmäßig autonome Lieferfahrzeuge des Essenslieferdienstes Wolt unterwegs. Die kleinen elektrisch angetriebenen Roboter transportieren Einkäufe oder Restaurantbestellungen selbstständig durch Wohngebiete und gehören inzwischen zum gewohnten Stadtbild. Es sieht schon etwas putzig aus, wenn die Roboter mit ihrer Fahne wie bei einem Fahrradanhänger langsam und teils etwas unbedarft zwischen den Passanten über die Gehwege rollen. Auch wenn ihr Beitrag zur Verkehrswende quantitativ überschaubar bleibt, zeigen sie, wie offen Finnland für neue Mobilitätsformen ist.

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Interessanterweise fällt die öffentliche Ladeinfrastruktur in Helsinki deutlich weniger ins Auge als etwa in vielen deutschen Großstädten. Öffentliche Ladepunkte sind vorhanden, prägen das Stadtbild aber nicht in gleichem Maße. Ein Grund dürfte sein, dass viele Finnen über private Stellplätze oder Ladepunkte an Wohngebäuden verfügen. Gleichzeitig wächst die öffentliche Infrastruktur kontinuierlich weiter. Finnland profitiert dabei von einer europaweiten Dynamik: Die Zahl öffentlicher Ladepunkte in Europa stieg zuletzt um mehr als 35 Prozent innerhalb eines Jahres auf über eine Million Ladepunkte, der Großteil davon befindet sich aber offenbar nicht im direkten Blickfeld des Helsinki-Besuchers.

Günstiger Strom macht das E-Auto besonders attraktiv

Ein entscheidender Standortvorteil Finnlands sind die niedrigen Strompreise. Dank eines hohen Anteils an Windkraft, Wasserkraft, Kernenergie sowie der Anbindung an den nordischen Strommarkt liegen die Stromkosten deutlich unter deutschem Niveau. Insbesondere dynamische Tarife ermöglichen es Haushalten regelmäßig, ihr Elektroauto für wenige Cent pro Kilowattstunde zu laden. Inklusive Steuern – die Mehrwertsteuer im Land beträgt vergleichsweise hohe 25,5 Prozent – kostet der Strom in der Regel nur 0,10 bis 0,13 Euro pro Kilowattstunde.

Die Rechnung geht entsprechend auf. Während Benzin und Diesel in Finnland aktuell häufig auf einem ähnlichen oder sogar leicht höheren Preisniveau als in Deutschland liegen, profitieren E-Auto-Fahrer von deutlich niedrigeren Energiekosten. Gerade Vielfahrer können dadurch mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen. Und nicht nur bei Pkw gewinnt die Elektromobilität an Bedeutung. Gleichzeitig nimmt neben den E-Bussen die Zahl elektrischer Lieferfahrzeuge und leichter Nutzfahrzeuge kontinuierlich zu. Auch im Schwerlastverkehr stiegen die Zahlen zuletzt, auch wenn hier die Elektromobilität in Finnland noch keine allzu große Rolle spielt. Doch da beginnt selbst in Norwegen erst allmählich der unaufhaltsame Wandel.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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